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Fahrrad

„Wenn das Gefühl Nein sagt“

Erstellt 29.12.09, 17:40h

Die jüngsten Beschwerden über den unzuverlässigen Winterdienst in Leverkusen, beschäftigt natürlich auch die Radfahrer. Bernd Fuchs, ehrenamtlicher Technikreferent des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs im Interview.

schneematsch im winter
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Schnee alleine ist für Radfahrer nicht das Problem. Das lässt sich bei entsprechender Ausstattung des Zwei rads kontrollieren. Bei überfrierender Nässe sollte man das Gefährt aber besser stehen lassen. (Bild: Ralf Krieger)
schneematsch im winter
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Schnee alleine ist für Radfahrer nicht das Problem. Das lässt sich bei entsprechender Ausstattung des Zwei rads kontrollieren. Bei überfrierender Nässe sollte man das Gefährt aber besser stehen lassen. (Bild: Ralf Krieger)
Die Winterzeit ist da. Ist es nicht unvernünftig, jetzt mit dem Rad zu fahren?

BERND FUCHS: Unvernünftig würde ich nicht sagen. Es kostet etwas Überwindung, aber es macht Spaß und ist gesund, wenn man sich auf das Wetter einstellt und auch bereit ist, mal das Rad stehen zu lassen, wenn eine Fahrt zu riskant wäre.

Was heißt riskant?

FUCHS: Meist ist das Gefühlssache. Wenn das Gefühl Nein sagt, sollte auf die Fahrt verzichtet werden. Schnee alleine ist ja nicht das Problem. Das lässt sich bei entsprechender Ausstattung des Rades kontrollieren. Bei überfrierender Nässe oder bei Regen auf gefrorenem Boden sollte man das Fahrrad besser stehen lassen. Das Fahren ist dann zu gefährlich.

Frost bedeutet nicht immer

gleichermaßen Glatteis.

FUCHS: Genau. Wenn es trocken ist, bereitet das Fahren richtig Freude. Aber dennoch ist stets Vorsicht angesagt. Auf schattigen Passagen und auf Brücken gibt es oft Vereisungen. Vorsichtig fahren, lautet die Devise. Ein ruhiger Fahrstil schont auch die Lungen. Bei zu viel kalter Atemluft auf den Bronchien holt man sich schnell mal eine Erkältung.

Wo wir bei der Kleidung sind.

FUCHS: Atmungsaktive Funktionswäsche und eine ebensolche Hightech-Jacke sind gut und praktisch. Allerdings hat nicht jeder so etwas. Ich empfehle das Zwiebelschalenprinzip: Unterhemd, Hemd, leichter Pullover, winddichte Jacke. Bei Frost sind Schal, eine Ohren bedeckende Mütze, gute Handschuhe und gutes Schuhwerk wichtig. Ein Helm sollte übrigens immer getragen werden.

Mit den Reifen . . .

FUCHS: . . . ist es im Winter so wie beim Auto. Bei kalter Witterung kommt es ganz besonders auf ein gutes, nicht abgefahrenes Profil an. Wer die Wahl hat, sollte breite Reifen aufziehen, möglichst breiter als 50 Millimeter und die Reifen auch nicht so hart aufpumpen. Das wirkt bei Schnee und Glätte Wunder. Zusätzlich sollte der Sattel etwas niedriger gestellt werden. Wer ins Rutschen gerät, kann so das Rad besser abfangen.

Beim Thema Sicherheit... FUCHS: . . . fallen mir als Stichworte reflektierende Kleidung, Bremsen, Licht und Kette ein.

Fangen wir mit den Bremsen an.

FUCHS: Sie sind natürlich immer wichtig, jetzt aber besonders, und sollten unbedingt regelmäßig überprüft werden, eventuell vom Fachmann.

Und die Lichtanlage . . .

FUCHS: . . . muss ohnehin immer einwandfrei und zuverlässig funktionieren. Wer in der Dunkelheit fährt, sollte Ersatzbirnen für Scheinwerfer und Rücklicht mitnehmen oder besser auf Diodenleuchten umrüsten.

Herkömmliche Dynamos können ja zum Problem werden?

FUCHS: Ja, die von Reibrädern angetriebenen Seitendynamos funktionieren bei Fahrten durch Schnee oft nicht mehr. Also besser auf Naben- oder Speichendynamo umrüsten.

Bleibt die Kette . . .

FUCHS: Sie sollte regelmäßig gefettet werden. Durch Spritzwasser und Streusalz wird im Winter das Schmiermittel schneller ausgewaschen. Abhilfe schafft ein dünnflüssiges KettenÖl aus dem Fachhandel. Dickflüssige Öle oder gar Fett als Schmiermittel erhöhen den Verschleiß enorm, weil sie Schmutzpartikel anziehen, die wie Schmirgelpapier wirken. Ein für Nabenschaltungen erhältlicher geschlossener Kettenschutz ist natürlich die beste Lösung.

Ihre abschließenden Tipps.

FUCHS: Eltern sollten unbedingt auf die Verkehrssicherheit der Fahrräder ihrer Kinder achten und mit gutem Vorbild vorangehen. Und grundsätzlich gilt: Mit ein wenig mehr gegenseitiger Rücksichtnahme der Teilnehmer am Straßenverkehr ist allen gedient.

Das Gespräch führte Günter Müller

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