Von Peter Berger, 30.12.09, 21:36h
Bisher wurde der „Schnüffler“ zwar nur an dem Sprengstoff Triaceton-Triperoxid (TATP) getestet, der bei den verheerenden Anschlägen 2004 in Madrid und 2005 in London zum Einsatz kam. Doch für das Jahr 2010 hat das NRW-Forschungsministerium neuerlich zwei Millionen Euro bewilligt, um die Technologie weiter zu entwickeln. Den Anwendungsgebieten der elektronischen Nase seien theoretisch kaum Grenzen gesetzt, sagt Siegfried Waldvogel. Ein Vorteil des Geräts sei seine extrem hohe Empfindlichkeit. Der „Schnüffler“ reagiere bereits bei wenigen Milliardstel Gramm TATP und könne damit sogar den empfindlichen Nasen von Spürhunden Konkurrenz machen. „Hunde ermüden spätestens nach 45 Minuten“, so Waldvogel. „Das Gerät arbeitet dagegen problemlos rund um die Uhr.“
Sein Herzstück ist das so genannte Riechzentrum. Es ist nur wenig größer als eine Ein-Euro-Münze und besteht aus drei kleinen Goldplättchen, die jeweils mit einer hauchdünnen „Leimschicht“ benetzt sind. An diesen Schichten bleiben selbst feinste Sprengstoffspuren aus der Luft haften. Dadurch werden die Goldplättchen etwas schwerer. Diese Gewichtsveränderung, die durch hoch empfindliche Quarz-Mikrowaagen festgestellt werden, lösen dann den Alarm aus. Inzwischen haben die Bonner Forscher verschiedene „Leimsorten“ entwickelt, die auf unterschiedliche Strukturelemente eines Sprengstoffs wie TATP ansprechen. „Das war entscheidend, weil Quarz-Mikrowaagen ähnlich wie ein Fliegenfänger reagieren. An dem bleiben ja auch nicht nur Stubenfliegen, sondern genauso gut Mücken und Bienen hängen“, so Waldvogel.
Einen Körper-Scanner könne das Gerät allerdings nicht ersetzen, dazu seien die Anwendungsgebiete zu unterschiedlich, so die Forscher: „Wenn ein Attentäter den Sprengstoff in einer luftdichten Folie verschweißt oder so in einer Metallkapsel versteckt, dass keine Moleküle ins Freie gelangen können, funktioniert es nicht.“ Derartige Pakete würden bei normalen Sicherheitskontrollen an Flughäfen aber sicherlich auffallen. Auch der Körper-Scanner allein könne keine absolute Sicherheit bieten, „weil er nur die Kontraste vor dem Körper sichtbar macht. Wenn einer etwas sehr geschickt in der Unterhose aufbewahrt, kann auch das unentdeckt bleiben.“ Waldvogel ist optimistisch, dass die elektronische Nase bei der Personen- und Gepäckkontrolle an Flughäfen in ein paar Jahren zum Standard gehören könnte. Das Land NRW hat über Provendis, die Patentvermarktungsgesellschaft der NRW-Hochschulen, Kontakte zu internationalen Unternehmen aufgenommen, die die Geräte in Serie herstellen wollen. Die Materialkosten liegen unter 1000 Euro.
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