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Flugsicherheit

Der neue Sprengstoffschnüffler

Von Peter Berger, 30.12.09, 21:36h

Die jüngsten Ereignisse haben der Debatte um Sicherheit an Flughäfen neuen Zündstoff gegeben. Chemiker und Ingenieure aus Bonn und Mainz scheinen eine Alternative zum Nacktscanner gefunden zu haben – sie entwickelten einen „Sprengstoffschnüffler“.

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Der Prototyp des Schnüfflers beim Praxistest an der Uni Bonn. (Bild: Frank Luerweg/Uni Bonn)
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Der Prototyp des Schnüfflers beim Praxistest an der Uni Bonn. (Bild: Frank Luerweg/Uni Bonn)
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Herzstück des Schnüfflers: die Quarzmikrowaage. (Bild: Frank Luerweg)
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BONN – Chemiker und Ingenieure an der Universität Bonn und am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz sind davon überzeugt: Wäre am Amsterdamer Flughafen Schiphol bereits einer ihrer Versuchs-Detektoren zum Einsatz gekommen, der verhinderte Attentäter Umar Farouk Abdulmutallab hätte die Maschine der Delta Airlines nach Detroit mit seinem Sprengstoff-Gemisch wohl niemals betreten. Seit 2006 arbeitet in Bonn und Mainz ein kleines Team um Professor Siegfried Waldvogel an der Entwicklung eines Sprengstoffschnüfflers, der schon bei kleinsten Mengen Alarm schlägt. Rund 500 000 Euro sind bisher in das Vorhaben geflossen, das vom Land NRW unterstützt wird und bereits mit zwei Preisen ausgezeichnet wurde. Das Forschungsprojekt wurde infolge des zweiten Golfkriegs ins Leben gerufen. „Es ging um die Entwicklung von Sicherheitstechnologien zum Schutz von Soldaten in Einsatzgebieten“, so Waldvogel.

Bisher wurde der „Schnüffler“ zwar nur an dem Sprengstoff Triaceton-Triperoxid (TATP) getestet, der bei den verheerenden Anschlägen 2004 in Madrid und 2005 in London zum Einsatz kam. Doch für das Jahr 2010 hat das NRW-Forschungsministerium neuerlich zwei Millionen Euro bewilligt, um die Technologie weiter zu entwickeln. Den Anwendungsgebieten der elektronischen Nase seien theoretisch kaum Grenzen gesetzt, sagt Siegfried Waldvogel. Ein Vorteil des Geräts sei seine extrem hohe Empfindlichkeit. Der „Schnüffler“ reagiere bereits bei wenigen Milliardstel Gramm TATP und könne damit sogar den empfindlichen Nasen von Spürhunden Konkurrenz machen. „Hunde ermüden spätestens nach 45 Minuten“, so Waldvogel. „Das Gerät arbeitet dagegen problemlos rund um die Uhr.“

Sein Herzstück ist das so genannte Riechzentrum. Es ist nur wenig größer als eine Ein-Euro-Münze und besteht aus drei kleinen Goldplättchen, die jeweils mit einer hauchdünnen „Leimschicht“ benetzt sind. An diesen Schichten bleiben selbst feinste Sprengstoffspuren aus der Luft haften. Dadurch werden die Goldplättchen etwas schwerer. Diese Gewichtsveränderung, die durch hoch empfindliche Quarz-Mikrowaagen festgestellt werden, lösen dann den Alarm aus. Inzwischen haben die Bonner Forscher verschiedene „Leimsorten“ entwickelt, die auf unterschiedliche Strukturelemente eines Sprengstoffs wie TATP ansprechen. „Das war entscheidend, weil Quarz-Mikrowaagen ähnlich wie ein Fliegenfänger reagieren. An dem bleiben ja auch nicht nur Stubenfliegen, sondern genauso gut Mücken und Bienen hängen“, so Waldvogel.

Einen Körper-Scanner könne das Gerät allerdings nicht ersetzen, dazu seien die Anwendungsgebiete zu unterschiedlich, so die Forscher: „Wenn ein Attentäter den Sprengstoff in einer luftdichten Folie verschweißt oder so in einer Metallkapsel versteckt, dass keine Moleküle ins Freie gelangen können, funktioniert es nicht.“ Derartige Pakete würden bei normalen Sicherheitskontrollen an Flughäfen aber sicherlich auffallen. Auch der Körper-Scanner allein könne keine absolute Sicherheit bieten, „weil er nur die Kontraste vor dem Körper sichtbar macht. Wenn einer etwas sehr geschickt in der Unterhose aufbewahrt, kann auch das unentdeckt bleiben.“ Waldvogel ist optimistisch, dass die elektronische Nase bei der Personen- und Gepäckkontrolle an Flughäfen in ein paar Jahren zum Standard gehören könnte. Das Land NRW hat über Provendis, die Patentvermarktungsgesellschaft der NRW-Hochschulen, Kontakte zu internationalen Unternehmen aufgenommen, die die Geräte in Serie herstellen wollen. Die Materialkosten liegen unter 1000 Euro.



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