Erstellt 30.12.09, 22:17h
Mitarbeiter beschreiben den 1919 in Tumlingen (Gemeinde Waldachtal im Kreis Freudenstadt) geborenen Bauschlosser als „fit und agil“. An diesem Donnerstag wird Fischer 90 Jahre - ohne große Party im Kreis der Familie. Dabei gibt es im Hause Fischer einiges zu feiern: Zum Jahreswechsel sind genau 30 Jahre vergangen, seit Fischer sein 1948 gegründete Unternehmen in Waldachtal im Schwarzwald an seinen Sohn Klaus (59) übergab. Dieser feiert im August 2010 seinen 60. Geburtstag - und bereits 2008 hatte der Kunststoff-Dübel sein 50-Jähriges.
„Wir sind eine Familienunternehmen durch und durch“, sagt ein Sprecher. Der Handschlag zur Begrüßung sei selbstverständlich. Seit mehr als zehn Jahren gelten verbindliche Unternehmenswerte: innovativ, eigenverantwortlich, seriös. Ingenieur Fischer junior sieht sich als Impulsgeber und treibende Kraft des Familienbetriebes, den er - basierend auf dem Knowhow seines Vaters - zielstrebig zu einem weltweit agierenden Unternehmen ausgebaut hat mit derzeit rund 3750 Mitarbeitern.
Zum Wohlgefallen seines Vaters. „Meinem Sohn ist es gelungen, die Modernisierung und die Internationalisierung der Firma voranzutreiben und sie auf neue Herausforderungen vorzubereiten. Und auch die Innovationskraft hat er erhalten“, meint er 30 Jahre nachdem er ihm die Verantwortung übertragen hat. Den Angaben zufolge kommen aus der Belegschaft jährlich 14,41 Patentanmeldungen pro 1000 Mitarbeiter. Der Industriedurchschnitt liege bei 0,57, so Fischer. Damit läge die Fischerwerke Artur Fischer GmbH unter den wichtigen Patentanmeldern in Deutschland auf Rang drei.
Ihm selbst seien „viele Ideen morgens unter der Dusche eingefallen“, verriet der Jubilar einst. Den Durchbruch als Unternehmer schaffte der Sohn eines Schneiders 1958 mit dem Dübel aus Polyamid. Eine bahnbrechende Erfindung machte Fischer jedoch schon viel früher im Jahr 1949, als er ein Blitzlichtgerät für Fotoapparate mit synchroner Auslösung ent wickelt. Auslöser war - wie meist - ein Alltagsproblem: Eine Fotografin weigerte sich, in seiner niedrigen Mansardenwohnung mit dem herkömmlichen Magnesiumblitzlichtbeutel mit Zündschnur ein Foto von der frisch geborenen Tochter zu machen.
Monate später hatte Fischer das Patent für das erste Synchronblitzlichtgerät in der Tasche. 1950 biss der Agfa-Konzern an und erteilte einen Großauftrag - und der kleine Werkstattbetrieb wurde zur Fabrik mit mehr als 100 Beschäftigten, die nach Tumlingen umzog. Inzwischen werden die Produkte der Fischerwerke in mehr als 100 Ländern vertrieben, das Unternehmen verfügt über rund 2100 Patente. Nach einer Rekordbilanz im vergangenen Jahr will das Unternehmen auch 2009 trotz Wirtschaftskrise schwarze Zahlen schreiben. 2008 hatte es einen Umsatz von 560 Millionen Euro erzielt.
Trotz des Erfolges und vieler Ehrungen - Fischer erhielt als erster Nicht-Akademiker den Werner-von-Siemens-Ring - ist der Tüftler bodenständig geblieben. Auch seine treibenden Kräfte sind über die Jahre gleich geblieben: Neugier und Mut. (dpa)
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