Von Peter Hahne, 02.01.10, 07:00h, aktualisiert 05.01.10, 08:30h
Spur führt nach Frankfurt
Auf der Suche nach einer Antwort erfährt man vor allem, dass es sich hierbei um eines der bestgehüteten Geheimnisse der Bundesrepublik handelt. Anders als ein börsennotiertes Unternehmen legt der Staat seine Eigentümer- und Schuldnerstruktur nicht offen. Ausgangspunkt für 2010 ist die Zahl 357. Denn 357 Milliarden Euro frisches Kapital muss Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im kommenden Jahr an den Kapitalmärkten einsammeln, um alte Schulden zu tilgen und neue Haushaltslöcher zu stopfen.
Das Schuldenmanagement übernimmt für ihn die „Bundesrepublik Deutschland-Finanzagentur“, ein bundeseigener Dienstleister in Frankfurt, der jeden Tag Milliardendeals „im Namen und für Rechnung des Bundes“ an den Kapitalmärkten abwickelt.
So kann man zum Beispiel der „Emissionsplanung des Bundes 2010“ entnehmen, dass sich Schäuble am 6. Januar über eine Bundesanleihe zu 3,25 Prozent Zinsen sechs Milliarden Euro beschaffen will, um Kurzarbeit oder neue Straßen zu finanzieren. Dabei wird er keine Schwierigkeiten haben. Deutschland gilt trotz Schuldenexplosion weiterhin als erstklassiger Schuldner.
Bundesobligationen („Bobls“) mit einer Laufzeit von fünf Jahren oder Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn bis 30 Jahren gehen noch immer weg wie warme Semmeln. Wer aber kauft die Papiere, welche Firmen, Bürger, Banken oder Versicherungen investieren in das Unternehmen Bundesrepublik? Bei der Finanzagentur in Frankfurt erfährt man wenig. Zum Beispiel, dass im Grunde jeder Bürger dort Bundesanleihen kaufen und diese in einem kostenlosen „Schuldbuchkonto“ bei der Agentur verwahren lassen kann. Aber das sind natürlich nicht mehr als die sprichwörtlichen Peanuts.
Der weitaus größte Teil der Bundeswertpapiere geht bei jährlich rund 60 Auktionen an die Banken. Zu den wichtigsten Abnehmern für Staatspapiere zählen die amerikanische Citigroup, die Deutsche Bank, das US-Investmenthaus Merrill Lynch und die Schweizer UBS. Auch die teilverstaatlichte Commerzbank und einige Landesbanken finden sich auf der Liste der „Bietergruppe Bundesemissionen“, mehr aber verrät die Finanzagentur nicht.
Wem die Banken ihre Bundespapiere verkaufen, fällt unter das Bankgeheimnis. Wie viele Papiere die Institute selbst behalten, an andere Geldhäuser, an Unternehmen, an Bürger, an Pensionsfonds oder große Versicherungen verkaufen, bleibt Staats- respektive Bankgeheimnis. Man kann also nur mutmaßen, wer 2010 in den Genuss der knapp 40 Milliarden Euro Zinsen kommen wird, die der Finanzminister an die Gläubiger des Staates überweisen muss.
Bei der Bundesbank erfährt man lediglich, dass Geldinstitute deutsche Staatspapiere für gut 400 Milliarden Euro halten, „inländische Nichtbanken“ für gut 300 Milliarden Euro und etwa 900 Milliarden Euro im Ausland liegen. Wem die Depots gehören, erfährt man auch hier nicht. Damit bleibt die spannende Frage offen, wer genau von den hohen Staatsschulden profitiert. Ein Nutznießer ist derzeit aber klar: die Banken. Sie können sich Geld für ein Prozent bei der Notenbank leihen - und es ohne jedes Risiko in deutsche Staatsanleihen investieren, die noch immer ein paar Prozentpunkte mehr abwerfen. Ein bombensicheres Geschäft, finanziert vom Steuerzahler.
Mir nicht!
02.01.2010 | 18.11 Uhr | Quatschkopf68
Als Steuerzahler würde ich gerne handeln können wie die Banken: Ich leihe mir für 1% bei der EZB Geld und lege dieses für 3,25% in Bobls an. Die…
Bravo!
02.01.2010 | 13.12 Uhr | stringa
Sehr geehrter Herr Hahne,
endlich - endlich!
Seit Jahren suche ich Informationen über die Geldgeber, bei denen wir uns Geld leihen.
Es ist…
Wem gehört Deutschland?
02.01.2010 | 07.50 Uhr | JürgenS
Oder noch anders gefragt:
Bei wem sollen unsere Enkel noch Jahrzehnte lang Schulden abtragen?
Wer stiehlt sich selbst aus der Verantwortung für…
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