Erstellt 08.12.09, 15:31h, aktualisiert 08.12.09, 15:38h
"Die waren begeistert und wollten kaufen. Aber es war ja nur ein Prototyp", sagt der 46-Jährige. Mittlerweile ist der Teppich mit den Polstern auf dem Weg zur Markeneinführung.
Die positiven Reaktionen in Mekka überzeugten Pirisan vollends von seiner Erfindung. Den Radio- und Fernsehladen in Kiel gab er nach 21 Jahren schließlich auf und meldete seine Erfindung zum Patent an. Seit Ende Oktober wird der orthopädische Gebetsteppich in Fabriken in Izmir und Istanbul in der Türkei gefertigt. Seitdem baut Pirisan Stück für Stück ein Vertriebsnetz auf.
Von oben betrachtet sehen die Teppiche herkömmlich aus. Auf der Unterseite befinden sich unter einer wasserabweisenden Folie jedoch Polster aus Polyethylen für Knie, Füße und den Kopf. Zusammengefaltet verwandelt sich der Teppich in eine Sitzgelegenheit oder eine Umhängetasche mit Platz beispielsweise für eine Flasche Wasser und den Koran.
Der Orthopäde Wolfgang Schultz hält eine Polsterung für die Knie beim Gebet insbesondere bei Menschen, die beispielsweise unter Arthrose leiden, für sinnvoll: "Der Druck auf das Knie ist dabei sehr stark, besonders bei längerem Hinknien", sagt der Direktor der Abteilung Orthopädie des Universitätsklinikums Göttingen.
"Mein Wunsch war es immer, einmal im Leben etwas herzustellen", sagt Pirisan. Bearbeitung und Versand der Internet-Bestellungen übernimmt das Familienunternehmen. Auch zwei deutsche Frauen hätten auf diesem Weg bereits Teppiche geordert, die sie ihren muslimischen Männern schenken wollen, sagt der Unternehmer.
Das große Interesse an dem Teppich hat den Familienvater überrascht. "Damit hatte ich nicht gerechnet", sagt er. Erst vor wenigen Tagen hatte seine junge Firma eine Anfrage aus Singapur.
Die Ziele, die er sich gesetzt hat, sind hoch: "Ich träume davon, zehn Prozent der weltweit 1,5 Milliarden Muslime zu erreichen", sagt der Unternehmer. Macht rund 150 Millionen verkaufte Teppiche. Rein rechnerisch. 40 Mal pro Tag gehe ein Gläubiger zum Beten auf die Knie, kalkuliert er. "Von zehn Leuten haben acht Knieschmerzen." Um denen zu helfen, suchte er Rat bei Imamen und auch Orthopäden. Das fertige Produkt, versichert er, genüge religiösen Ansprüchen und eigne sich auch für schwergewichtige Menschen.
Sollte das Interesse der Muslime an den orthopädischen Teppichen weiter wachsen, muss das Familienunternehmen aus Schwentinental bald expandieren. Eine zweite Verkaufsversion ist bereits in Planung. Anfang kommenden Jahres soll der orthopädische Gebetsteppich im Fernsehen beworben werden. Im Frühjahr will der 46-Jährige dann gemeinsam mit seiner Frau Yasemin erstmals selbst nach Mekka reisen -samt verkaufsfähiger Teppiche. (ddp)
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