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EKD-Chefin klagt

Jahr des programmierten Tabubruchs

Erstellt 26.12.09, 11:28h, aktualisiert 26.12.09, 11:33h

Die evangelische Ratsvorsitzende Margot Käßmann rügt die abnehmende Achtung der Menschenwürde im TV. Sie kritisiert etwa Castingshows, in denen Jugendliche teilweise vorgeführt würden - aber auch den Umgang mit No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa.

Margot Käßmann
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Mit Margot Käßmann wurde erstmals eine Frau zur Repräsentantin der 25 Millionen Protestanten in Deutschland gewählt. (Bild: dpa)
Margot Käßmann
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Mit Margot Käßmann wurde erstmals eine Frau zur Repräsentantin der 25 Millionen Protestanten in Deutschland gewählt. (Bild: dpa)
HAMBURG - Die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat die TV-Sender aufgefordert, "sich ihrer Verantwortung für die Menschenwürde wieder bewusst" zu werden. Mit Blick auf das Medienjahr 2009 sagte die 51-Jährige dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut Vorabbericht, es gehe "offenbar nur noch um den programmierten Tabubruch, um nichts anderes." Ihr "tun die Menschen leid, die vor die Kamera gezerrt werden und oft die Folgen gar nicht absehen können. Der Schutz der Privatsphäre scheint nichts mehr wert".

Jugendliche, die in Castingshows gingen und sich dort blamierten, weil sie vielleicht nicht singen könnten, "werden zig Mal vorgeführt", sagte Käßmann. Sie fügte hinzu: "Die ganze Nation lacht drüber. Wie sollen solche Kinder am nächsten Tag wieder mit Selbstbewusstsein in die Schule gehen?"

Die EKD-Vorsitzende kritisierte auch den Print-Journalismus: "Der Umgang mit einer HIV-infizierten Sängerin hat für mich Grenzen überschritten. Mehr kann man einen Menschen nicht bloßstellen." Gegen die No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa hatte die Staatsanwaltschaft Darmstadt im April Haftbefehl erlassen, weil sie zwischen 2004 und 2006 mit drei Männern ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt haben soll, ohne diese auf ihre HIV-Infektion hinzuweisen. Einer der Männer soll sich dabei infiziert haben. Der Haftbefehl war im Juli aufgehoben worden. (ddp)



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