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20-Jährige getötet

Harte Strafen für „Ehrenmörder“

Erstellt 29.12.09, 11:06h, aktualisiert 29.12.09, 12:40h

Wegen des Mordes an der 20-jährigen Kurdin Gülsüm muss der 50-jährige Vater lebenslang in Haft. Das Gericht sah die heimtückische Tötung der jungen Kurdin durch ihren gleichaltrigen Bruder als erwiesen an. Der Vater soll Initiator der Tat sein.

Prozess 'Ehrenmord'
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Der «Ehrenmord» an der 20-jährigen Gülsüm hat landesweit Entsetzen ausgelöst. (Archivbild)
Prozess 'Ehrenmord'
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Der «Ehrenmord» an der 20-jährigen Gülsüm hat landesweit Entsetzen ausgelöst. (Archivbild)
KLEVE - Im Prozess um den sogenannten „Ehrenmord“ an einer 20-jährigen Kurdin fim niederrheinischen Rees ist der Vater des Opfers zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Einen 20-jährigen Drillingsbruder der jungen Frau verurteilte das Landgericht Kleve am Dienstag zu einer Jugendhaftstrafe von neun Jahren und sechs Monaten. Ein 37-jähriger Helfer muss für siebeneinhalb Jahre hinter Gitter.

Motiv für die grausame Tat war nach Ansicht des Gerichts, dass Gülsüm keine Jungfrau mehr war und heimlich eine Abtreibung hatte vornehmen lassen. Der Bruder des Opfers hatte die Tat nach seiner Festnahme in einer Polizeivernehmung gestanden.

Knapp unter Jugendhöchststrafe geblieben

"Gülsüm ist einem furchtbaren Verbrechen zum Opfer gefallen", sagte der Vorsitzende Richter Christian Henkel. "Es ist die Tat von Vater und Sohn." In dem Indizienprozess sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Bruder und sein aserbaidschanischer Bekannter die junge Frau Anfang März in einen Hinterhalt gelockt, sie gewürgt und ihr mit Knüppeln das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert hatten. Damit sollte die Familienehre wieder hergestellt werden.

Gülsüms westlicher Lebensstil war ihrer kurdischen Familie seit langem zuwider. In ihrem 50-jährigen Vater sah das Gericht den Drahtzieher des Mordkomplotts. Der Vater schlug und verprügelte sie nach Worten des Vorsitzenden Richters immer wieder, um einen Sinneswandel zu erzwingen. Den drei Angeklagten war gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen worden.

Archaische Erziehung

Gülsüms Familie war mit zunächst sechs Kindern, unter ihnen die Drillinge, vor etwa 15 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Gülsüms Mutter hatte sich kurz nach der Ankunft 1996 unter nie ganz geklärten Umständen das Leben genommen, nachdem bei ihr Krebs diagnostiziert worden war. 1999 heiratete der Vater erneut, aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor.

   Alle Kinder wurden nach den traditionellen Regeln der Kurden und des Korans erzogen. Nach Ansicht von Sachverständigen herrschen in der Familie archaisch-patriarchalische Vorstellungen - die Ehre sichere die Existenz.

Mit den Urteilen folgte das Gericht weitgehend der Forderung der Anklage. Der Staatsanwalt hatte lebenslänglich für den Vater gefordert und eine Jugendhöchststrafe von zehn Jahren Gefängnis für den Bruder Gülsüms. (dpa, ddp, ksta)



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