Von Jörg Schindler, 30.12.09, 11:34h, aktualisiert 30.12.09, 12:48h
Seefahrer importierten Kracher
Was uns Heutige in jeder Silvesternacht mehr oder weniger erquickt, war für die Altvorderen kein allzu großer Spaß. Die ersten fliegenden Raketen - bezeugt sind sie aus Chinas Sung-Zeit (960-1279) - dienten zunächst dazu, Gegnern im Kampf Feuer unterm Hintern zu machen. Dazu bedurfte es des Schwarzpulvers, ein Gemisch aus Salpeter, Holzkohle und Schwefel, das die Chinesen wohl schon vor knapp 2.000 Jahren erfanden. Weil die Böller auf dem Schlachtfeld ordentlich was hermachten, weckten sie selbstverständlich das Interesse kriegsfreudiger Europäer: Im 13. Jahrhundert brachten holländische Seefahrer die frühen China-Kracher mit auf den Alten Kontinent. Dort notierte der englische Franziskaner-Mönch und Pyromanen-Ahn Roger Bacon: "Lass das gesamte Gewicht dreißig sein, jedoch von Salpeter nehme man sieben Teile, fünf vom jungen Haselholz und fünf von Schwefel, und du wirst Donner und Zerstörung hervorrufen, wenn du die Kunst beherrschst." Die Kunst beherrschten bald immer mehr. Kein vernünftiges Heer kam fortan mehr ohne Feuerwerker aus.
Wie so oft mit Kriegserfindungen sickerte das Schwarzpulver-Handwerk nach und nach auch in friedlichere Gefilde. Für das Jahr 1379 ist eine Pfingstfeier in Florenz dokumentiert, in deren Mittelpunkt eine funkensprühende Taube stand - man nimmt heute an, dass die Geschichte des Freudenfeuerwerks damit begann. Die Deutschen mussten auf derlei Zauber noch eine ganze Weile warten. Erst 1506, während des Reichstages zu Konstanz, beglückte Maximilian I. sein Volk mit einem Feuerwerk über dem Bodensee.
Dämonen mit Lärm vertreiben
Wann genau es zum Brauch wurde, zum Jahreswechsel Raketen himmelwärts zu schicken, ist nicht ganz klar. Dass es soweit kommen musste, kann niemanden überraschen. Im germanischen Volksglauben ging man seit jeher davon aus, dass sich Geister und Dämonen am Jahresende am besten durch allerlei Lärm vertreiben ließen. Also machten die Menschen in der Nacht zunächst mit einfachen Trommeln, Peitschen und Dreschflegeln ordentlich Krawall, später dann mit Glocken, Pauken und Trompeten. Und noch später mit Böllern und Gewehren. Letzteres blieb jedoch, allein schon aus Kostengründen, noch einige Jahrhunderte lang ein Privileg des Adels. Im Barock (ca. 1600 bis 1770), der Epoche des ungezügelten Spieltriebs, erlebte die "Lustfeuerwerkerei" einen Höhepunkt. Regelrechte Schwarzpulver-Schauspiele, teils Tage lang, versetzten Zuschauer mit illuminierten Schlössern und feuerspeienden Drachen ins Staunen. Das ging so lange gut, bis auch der Adel ziemlich abgebrannt war.
1838 gründete Georg Berckholz die erste deutsche Feuerwerkfirma, um es jedermann zu ermöglichen, das Firmament zu erleuchten. Schnell fanden sich Nachahmer. Und weil es inzwischen auch Oxidationsmittel, Metallnitrate und Chlorate gab, mit denen aus den schwächlichen Kohlefunken bonbonfarbene Sternschnuppen wurden, wurde das Feuerwerk zum Massenphänomen. Seit dem 20. Jahrhundert verpulvern die Deutschen an jedem 31. Dezember millionenfach "Chinaböller". Bis heute kommt es dabei jedes Jahr zu unzähligen Verletzten, bisweilen auch zu Toten. Was wiederum beweist, dass wir auch in dieser Hinsicht seit den Tagen des alten Ludwig wenig dazugelernt haben.
Feuerwerk / Finanzkrise
31.12.2009 | 22.15 Uhr | stratira
Für mich zeigt es vor allen Dingen, daß es uns noch immer sehr gut geht. Wenn wir für so einen feinstaub- und schwermetallprozieren Mist, der auch…
STOP das Abbrennen von Feuerwerken!!!
31.12.2009 | 10.44 Uhr | Aldo
Wir fordern die politisch Verantwortlichen auf, das Abbrennen von Feuerwerken und das Zünden von Böllern generell zu verbieten. Sollte dies nicht…
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