Schriftgröße

Flughafensicherheit

Duty Free ohne Parfüm und Alkohol?

Erstellt 31.12.09, 15:33h

Die Polizeigewerkschaft fordert ein Verkaufsverbot für Parfüm, Hochprozentiges, Feuerzeuge und Rasierklingen in Duty-Free-Shops. Solche Artikel könnten zum Mixen eines Sprengstoffs oder als Waffen missbraucht werden.

Duty-Free-Shops
Bild vergrößern
Ein Duty-Free-Shop auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld. Das Sortiment der Flugpassagierläden ist der Polizeigewerkschaft ein Dorn im Auge. (Bild: dpa)
Duty-Free-Shops
Bild verkleinern
Ein Duty-Free-Shop auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld. Das Sortiment der Flugpassagierläden ist der Polizeigewerkschaft ein Dorn im Auge. (Bild: dpa)
BERLIN - Nach dem gerade noch verhinderten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug gerät in der Debatte über schärfere Sicherheitsmaßnahmen das Angebot der Duty-free-Shops in die Kritik. Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert ein Verkaufsverbot für Parfüm, hochprozentigen Alkohol, Feuerzeuge und Rasierklingen im Abflugbereich aller Flughäfen der Europäischen Union. Ähnlich äußerte sich die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Bundesinnenminister Thomas de Maizière bekräftigte unterdessen, vor einer Einführung von Nacktscannern an Flughäfen müssten zunächst sämtliche Bedenken zu Fragen der Gesundheit und des Persönlichkeitsrechts ausgeräumt werden.

Am vergangenen Freitag hatte ein 23-jähriger Nigerianer versucht, ein Flugzeug aus Amsterdam kurz vor der Landung in Detroit (USA) mit Hilfe von Sprengstoff zum Absturz zu bringen. Der Vorfall löste auch in Deutschland eine Diskussion über die Flugsicherheit aus.

Auflagen für Duty-Free-Shops - Kein Metallbesteck in Restaurants

Der Chef der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, kritisierte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag): "Jenseits der Sicherheitsschleusen bekommen mögliche Attentäter in Duty-free-Shops und Restaurants alles, was sie für den Bombenbau brauchen." Er forderte die Europäische Union auf, schnellstmöglich ein EU-weites Verkaufsverbot für potenziell gefährliche Stoffe zu erlassen. Zudem müsse es Restaurants untersagt werden, im Abflugbereich Metallbesteck an Fluggäste auszugeben. "Die Sicherheitsinteressen der Bürger müssen Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben", sagte Wendt.

   Der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerk, sagte dem "Tagesspiegel" (Donnerstag): "Auch das Sortiment der Duty-free-Shops kann ein Sicherheitsrisiko darstellen." Während Passagieren bei der Kontrolle häufig harmlose Sachen abgenommen würden, könnten sie gleich dahinter oft brisante Dinge erwerben. Er selbst habe in London seine Wasserflasche abgeben müssen und danach im Duty-free-Shop Rasierklingen kaufen können. Damit könne man zwar kein Flugzeug sprengen, aber die Besatzung angreifen, sagte Handwerk.

   Der Gewerkschafter Wendt sprach sich ferner für Ausweiskontrollen an den Sicherheitsschleusen der Flughäfen aus, um ein Einschleusen von Attentätern in Flugzeuge zu verhindern. "Heute können Kriminelle einfach die Bordkarte eines Dritten übernehmen, damit die Sicherheitskontrolle passieren und unerkannt die Maschine besteigen. Das ist ein riesiges Sicherheitsdefizit", warnte Wendt in der "Neuen Presse".

De Maizière sagte der "Bild"-Zeitung (Donnerstag), Studien zu den bei Nacktscannern genutzten Terahertz-Wellen besagten, dass sie für den Menschen unbedenklich sind, weil der Körper selbst Terahertz-Wellen erzeugt und abstrahlt. "Trotzdem werden wir 2010 sehr genau prüfen, ob Body-Scanner der Gesundheit schaden können", fügte der Minister hinzu. "Geräte mit Röntgenstrahlen setzen wir nicht ein."

Auf deutschen Flughäfen würden noch keine Body-Scanner eingesetzt und auch nicht getestet. Es gebe bei der Entwicklung der Geräte erhebliche Fortschritte, etwa für den Schutz des Persönlichkeitsrechts. "Es gibt Scanner, die Fremdkörper sichtbar machen, ohne die Körperkonturen zu zeigen. Man sieht nur eine Art Strichmännchen." Body-Scanner könnten die Sicherheitskontrollen von Personen schneller und besser machen. "Ein Abtasten wäre nur noch im Ausnahmefall nötig." Deswegen könnte der Einsatz eines neuen, ausgereiften Body-Scanners von den Fluggästen als geringere Belastung empfunden werden. (dpa, ksta)



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


Umfrage

Protestieren Sie gegen ACTA?
Bundesweit sind Proteste gegen das internationale Handelsabkommen ACTA geplant. Es sieht unter anderem vor, Urheberrechtsverletzungen strenger zu ahnden. Kritiker befürchten Zensur und Überwachung vor allem im Internet. Beteiligen Sie sich am Protest?

Bildergalerien


Jahresrückblick


ksta-blogs.de


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Neue Videos – Politik/Nachrichten




Meistgelesene Artikel


Kolumne


Hintergrund


Die andere Meinung


Mein ksta.de


Forum


Brutto / Netto Rechner

Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.) Steuerklasse

Dienste