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Unterricht

„Geheimsprache“ soll Neugier wecken

Von Claudia Hauser, 08.01.10, 17:13h, aktualisiert 08.01.10, 17:15h

Kinder lernen die Gebärdensprache: Ein Projekt vom Landschaftsverband Rheinland soll die Neugier der Kinder für die „vermeintliche Andersartigkeit“ anderer wecken und ihr Konzentrationsvermögen stärken.

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Gehörlosenpädagogin Anne Warnking bringt den Kindern in der Michaeli-Schule die „Geheimsprache“ bei. (Bild: Bause)
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Gehörlosenpädagogin Anne Warnking bringt den Kindern in der Michaeli-Schule die „Geheimsprache“ bei. (Bild: Bause)
Köln - Jacqueline lernt seit der ersten Klasse Englisch und seit der zweiten Französisch. Die dritte Fremdsprache, die das neunjährige Mädchen spricht, kann man nicht hören, aber sehen. Ihre Mutter Mandy Fredenhagen ist taub, Jacqueline unterhält sich mit ihr in der Gebärdensprache. Ihre Hände wirbeln dabei durch die Luft, als würde sie ein Bild malen. Das Mädchen selbst hat ein Hörvermögen von 60 Prozent. Mit Hilfe eines Hörgeräts kommt sie gut klar in der Michaeli-Schule in der Südstadt, einer integrativen Waldorfschule.

Für ihre beste Freundin Erna ist es sehr aufregend zu sehen, wie Jacqueline ihre Hände formt, ihre Augen rollt und ihren Mund bewegt, wenn sie mit ihrer Mutter spricht. Dass der Blickkontakt ganz wichtig ist, hat Erna schon gelernt. Und einiges mehr. Die beiden Mädchen unterhalten sich manchmal quer durch die S-Bahn - ohne ein Wort zu sagen und ohne dass jemand sie versteht. Diese „Geheimsprache“ gefällt Erna.

Nun sollen auch Jacquelines andere Mitschüler aus der zweiten Klasse und ihre Lehrer die Gebärdensprache erlernen - mit Hilfe der Gehörlosenpädagogin Anne Warnking. „Es ist für mich sehr spannend, hörende Kinder zu unterrichten“, sagt sie. „Am Anfang ist es schwierig, die Hände und die Augen zu koordinieren - die Sprache ist eben dreidimensional.“

Gefördert wird das Projekt, das ein Jahr läuft, vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). Laut Michael Mertens, LVR-Dezernent Schulen, soll der Unterricht vor allem die Neugier der Kinder wecken für die „vermeintliche Andersartigkeit“ anderer. Der LVR hat einen Finanzpool eingerichtet, um Kindern mit Handicap den Besuch einer allgemeinen Schule zu ermöglichen. „Wir würden das Projekt gerne an weiteren Schulen durchführen“, sagt Mertens. Siegfried Cremers, Jacquelines Klassenlehrer, glaubt, dass der Gebärdensprachkursus den Zweitklässlern auch dabei helfen wird, ihr Konzentrationsvermögen zu stärken. „Beim Sprechen mit Mimik und Gebärden werden ganz unterschiedliche Bereiche des Gehirns beansprucht“, sagt er.

Mandy Fredenhagen wünscht sich, dass der Unterricht auch nach dem ersten geförderten Jahr weitergeht. „Es ist wie bei allen Fremdsprachen: Ohne kontinuierliches Üben vergisst man das Gelernte schnell wieder“, sagt sie. Für sie ist es sehr wichtig, dass Jacqueline sich auch mit anderen in der Gebärdensprache unterhalten kann. „Sie taucht sonst immer mehr ab in die Welt der Hörenden.“



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