Von Jan-Philipp Hein, 12.01.10, 17:18h
Das klingt nach solider Wissenschaft. Doch schaut man sich den Laden näher an, ergeben sich Zweifel. Das geht mit der Mitarbeiterliste los. Das Institut besteht aus seiner Leiterin Sabine Schiffer und einer „wissenschaftlichen Assistenz“, die auch für „Büroorganisation“ zuständig ist. Ein knappes Dutzend weiterer Namen sind unter „ständige freie Mitarbeit“ gelistet. Schiffer sagt dazu: „Das Institut ist im Wesentlichen ein Netzwerk.“
Seltsames Netzwerk
Und dieses Netzwerk ventiliert vor allem eine These: Die deutschen Medien würden anti-islamische Stereotype verbreiten. Von „Gehirnwäsche“ sprach Schiffer neulich gar in einem Interview. Die Fragen stellte Seyyed-Hedayatollah Shakrony vom staatlichen iranischen Auslandssender „IRIB“. Bei den Funkern der Mullahs, die im eigenen Land Journalisten drangsalieren, rennt Schiffer offene Türen ein. Doch auch anderswo sind die Expertisen des Ein-Frau-Instituts gefragt. Die Grünen im bayrischen Landtag laden sie zu einem Vortrag über „Medienkompetenz - haben die neuen Medien einen Platz in der Bildung?“ ein. Beim Kölner Kirchentag referierte sie über das Islambild der Medien, beim Ostermarsch der Bremer Friedensbewegung argumentierte sie als Hauptrednerin, dass „die Köpfe des kapitalistischen, zinsfördernden Systems alles daran setzen werden, ihr System zu erhalten und dafür jegliche Zerstörung in Kauf nehmen oder sogar noch befördern“, um schließlich einen „umfassenden Systemwechsel“ zu fordern.
Ihre Arbeit „Der Islam in deutschen Medien“ wird bei der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht, Schiffer nahm auch an der Islamkonferenz der Bundesregierung teil und der öffentlich-rechtliche Bayerische Rundfunk bringt nach dem Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini in einem Dresdner Gerichtssaal ein Interview mit ihr. Um das Verbrechen ging es auch in Schiffers Interview mit dem iranischen Staatssender. Darin unterstellte sie einem deutschen Polizisten rassistische Motive. Deswegen sieht sich Schiffer mit einem Strafbefehl über 6000 Euro oder zwei Monate Haft konfrontiert.
Alles Verschwörung
Ob die seriösen Auftraggeber wissen, was Schiffer sonst so treibt? Sie sieht sich selbst als Teil einer „Aufklärungs- und Widerstandsbewegung“, die das Ziel verfolge, „die Bevölkerung über die fatalen, zum Teil verdeckt in Politik und Gesellschaft ablaufenden Prozesse aufzuklären, um gegen diese ankämpfen zu können“. Eines ihrer Lieblingsthemen: Verschwörungstheorien um die Attentate vom 11. September 2001. Schiffer muss aufgefallen sein, dass viele ihrer Mitaufklärer eine starke Affinität etwa zu anti-aufklärerischem Judenhass haben. Vermutlich deshalb veröffentlichte sie mit zwei Co-Autoren im Internet den Essay „Konspiration auf dem Kunstrasen - Reframing 9 / 11“.
Im sperrigen Text heißt es: „Informations-Kontaminationen führen vor dem Hintergrund des Reframings also in erster Linie dazu, dass die Thesen der 9 / 11-Truth-Bewegung inkompatibel zu einer von den Leitmedien dominierten öffentlichen Meinung werden. Es geht also viel weniger um ein Erstarken von Extremisten, sondern viel eher um eine Schwächung der Aufklärer.“ Und wer „kontaminiert“, wie es im Text genannt wird, nach Meinung von Frau Schiffer? Natürlich auch Geheimdienste: „Dass eine einflussreich werdende Bewegung, die die Machteliten stört, durch gezielte (Geheimdienst-)Operationen geschwächt oder umgelenkt werden soll, ist bekannt.“ In ihrem Traktat fragt sie aber nicht, warum Menschen, die die These vertreten, das World-Trade-Center sei von der US-Regierung attackiert worden, zum Beispiel zum Judenhass neigen. Auf Nachfrage sagt sie zum 9 / 11-Komplex: „Die Darstellung von Bush ist auch eine Verschwörungstheorie.“
Keine Angst vor Extremisten
Keine Angst vor Kontaminationen hat Schiffer im Umgang mit Extremisten. So preist sie obskure Internetseiten als seriöse Quellen. Auf ihnen fänden sich „wesentlich zuverlässigere Informationen als auf ARD, ZDF oder den meisten unserer hoch angesehenen Printmedien“. Auch die linksradikale „Junge Welt“, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, liefere „Bedenkenswertes“. Es ist unwahrscheinlich, dass Sabine Schiffer wegen ihrer inhaltlichen Arbeit so oft auf Podien sitzt, Vorträge hält oder Interviews gibt. Aber sie ist „Institutsleiterin“. Das reicht als Eintrittskarte zu den Medien offenbar aus.
Sabine Schiffer im Interview
25.11.2011 | 01.39 Uhr | uniquolol
Ein bemerkenswertes Interview gab Sabine Schiffer in einer Radiosendung, welche (laut Wikipedia*) - von dem rbb in Auftrag gegeben wurde. Hier ein…
"Natürlich darf auch ein Hein(i) seine Meinung äußern..."
14.01.2010 | 22.03 Uhr | acjj2006
Natürlich darf er das! Oder muss er sie vorher fragen? Aus welchem schlechten Film kommen sie denn? Es ist mehr als anmaßend, wenn sie die…
Suggestion statt Information
14.01.2010 | 10.11 Uhr | MartinSchwein
Ich habe mal den Artikel "Konspiration auf dem Kunstrasen" auf hintergrund gelesen und muss sagen, bin von der akribischen Recherche und sorfälitgen…
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