Von Thorsten Moeck, 12.01.10, 21:59h
Neben der gläsernen Eingangstür hängen zwei Emailleschilder, auf denen die Schule als „Eliteschule des Fußballs“ und als „Partnerschule des 1. FC Köln“ gepriesen wird. Das Innenministerium hat der Schule den Titel „sportbetonte Schule im Verbund“ verliehen. In Nordrhein-Westfalen gibt es etwa 50 solcher Schulen, meist in der Nähe von Landes- oder Bundesleistungszentren.
Im vergangenen Jahr ist Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, eigens in Sülz vorbei gekommen, um die Arbeit der Realschule zu würdigen. Das war ein großes Ereignis für die Schule und für Beate Weisbarth persönlich. „Wenn man sich für Leistungssport als Schwerpunkt seiner Schule entscheidet, schreien nicht alle sofort Hurra. Der Leistungssport hat in der Gesellschaft noch nicht den gleichen Stellenwert wie zum Beispiel die Musik“, stellt die Schulleiterin immer wieder fest. Doch inzwischen gibt es kaum noch jemanden, der die „sportbetonte Schule“ bloß für ein Fitnessstudio mit Tafeln an den Wänden hält.
In den Sportklassen wird jede Woche fünf Stunden Sport unterrichtet. Die meiste Zeit davon verbringen Bienvenue Basala-Mazana und Reinhold Yabo auf dem nahe gelegenen Trainingsgelände des 1. FC Köln. Beide sind im vergangenen Jahr mit der U 17-Nationalmannschaft Europameister geworden. In der Schule waren die beiden 17-Jährigen während der Turnierwochen nicht. Dafür erhielten sie nach ihrer Rückkehr Einzelunterricht, zum Teil auch sonntags. „Sie durften Klausuren nachschreiben und bekamen Zusatzunterricht. Dabei haben vor allem die Referendare und die Lehrer der Geißbock-Akademie des 1. FC Köln geholfen“, sagt Weisbarth.
Etwa 30 Kinder werden nach den Sommerferien die neue Sportklasse bilden. Inzwischen gibt es an der Elsa-Brandström-Realschule in jedem Jahrgang eine Sportklas se. Turnerinnen, Hockeyspieler, Fußballer, Eishockeyspieler und Judoka lernen hier gemeinsam. „Die sollten Vorbildcharakter an unserer Schule haben. Sport leistet viel im Präventionsbereich, denn keiner der Sportler kann es sich leisten, zum Beispiel mit einer Zigarette in der Hand gesehen zu werden“, weiß Weisbarth.
Die Ausarbeitung der Stundenpläne für die Sport klassen ist jedoch in etwa so kompliziert wie die des Fahrplannetzes in einer Großstadt. Denn die Realschule muss sich mit dem Apostelgymnasium und dem Hildegard-von-Bingen-Gymnasium in Lindenthal und Sülz abstimmen, wo talentierte Sportler ebenfalls besonders gefördert werden. Hinzu kommt das Berufskolleg Alfred-Müller Armack in Zollstock, an dem es für Leistungssportler eine Besonderheit gibt: Die Sportler haben drei statt zwei Jahre Zeit, um das Fachabitur zu erlangen. Zweimal in der Woche stehen die Fußballer des FC schon um acht Uhr morgens auf dem Trainingsplatz und gehen anschließend in die Schule.
Im Büro von Beate Weisbarth sieht es aus wie in der Geschäftsstelle eines Sportklubs. An den Wänden hängen unterschriebene Trikots und Fotos von Sportlern. Taner Yalcin (19) ist inzwischen Profi beim 1. FC Köln und hat seiner ehemaligen Schulleiterin sein Trikot mit einer persönlichen Widmung geschenkt. Der Eishockey-Torhüter Sebastian Kinader (Kölner Haie) hat Weisbarth ein riesiges Foto zukommen lassen und sich auf diese Weise für die „tolle Unterstützung“ bedankt.
Am 30. Januar wird sich eine neue Generation von Sportlern an der Schule präsentieren. Vielleicht schickt der ein oder andere irgendwann auch mal eine Autogrammkarte vorbei.
Anmeldeschluss für den Aufnahmetest an der Elsa-Brandström-Realschule ist der 27. Januar. Interessierte Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen müssen eine Vereinszugehörigkeit nachweisen. Anmeldungen unter 0221 / 28 550 60.
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