Von Maria Machnik, 12.01.10, 18:24h, aktualisiert 12.01.10, 18:26h
Doch unscheinbar hin, unscheinbar her: Die zweiteilige Anlage in 57 Metern Höhe ist ein Gewinn - für die Bürger, für den Meteorologen Jörg Kachelmann und für den Übertragungsnetzbetreiber Amprion an der Von-Werth-Straße. Die Bürger können sich nun rund um die Uhren über Temperatur, Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Luftfeuchtigkeit, Sonnenscheindauer und Niederschlagsmengen an der „Wetterstation Pulheim-Brauweiler“ informieren. Ein Klick auf die Internetseite der Kachelmann-Firma „Meteomedia“ genügt.
Die Lieferantin präziser Daten sieht auch der Meteorologe aus Leidenschaft, Jörg Kachelmann, als Gewinn an. „Hier war eine Lücke“, stellte er fest, als er und Joachim Vanzetta, Leiter „Systemführung Netze Brauweiler“ im Hause Amprion, die Messstation gestern offiziell in Betrieb nahmen. Den Mitarbeitern, die sich dazugesellt hatten, gab Kachelmann gleich noch Tipps, was sie beim Warten der filigranen Anlage beachten sollten.
Da eine Abteilung im Hause „Meteomedia“ mit 780 eigenen Messstationen die Energieversorger im Lande mit Wetterprognosen versorge, habe er schon länger damit geliebäugelt, in Brauweiler eine Wetterstation errichten zu können. Schon länger habe er Gespräche mit Amprion geführt. Nun sei er froh, dass die Lücke geschlossen sei, die Station stehe und Daten liefere. „Wer lokal vorhersagen möchte, der muss lokal messen“, gab der Fachmann für Wetterfragen unumwunden zu. Wie wichtig ein engmaschiges Wetterstationsnetz ist, machte Kachelmann an einem Beispiel klar: Es komme vor, dass die auf Kölner Stadtgebiet gemessenen Temperaturen sich um bis zu zehn Grad unterschieden. Höchste Messgenauigkeit garantiere nur ein dichtes Stationsnetz.
Ganz angetan von der Messstation auf dem Amprion-Gelände ist auch Joachim Vanzetta. Wetterprognosen seien für die Stromproduktion immens wichtig. „Die Prognosen ermöglichen es uns, ein Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch herzustellen“, sagt der Leiter „Systemführung Netze Brauweiler“. Je mehr Messpunkte es im Land gebe, umso präziser seien die Prognosen, die Amprion von fünf oder sechs Wetterdienstleistern beziehe und permanent aktualisiere.
Eine wichtige Größe sei der Wind. Der aus ihm gewonnene Strom werde nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz ins Stromnetz eingespeist. „Wenn wir wissen, wie viel Strom der Wind liefert, dann wissen wir auch, wie viel Strom wir an der Strombörse vermarkten müssen.“
Ungleichgewicht
Unerlässlich für eine gezielte Planung seien auch die Größen Temperatur und Sonnenscheindauer. Wenn es kalt sei, dann werde mehr Strom verbraucht, sobald es dunkel werde, werde in vielen Haushalten gleichzeitig das Licht eingeschaltet, so Vanzetta. Sei der Bedarf dann doch höher als am Vortag geplant, „regeln wir das Ungleichgewicht, indem wir von hier aus Wasserkraftwerke zum Beispiel in den Alpen und in Luxemburg anfahren. Die Energie transportieren wir über unser Höchstspannungsnetz zu den Stromkunden.“
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