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Viele riefen „Alaaf und Heil Hitler“

Von Rainer Rudolph, 15.01.10, 18:36h, aktualisiert 12.03.10, 15:58h

Zwei Kölner Historiker untersuchen den Karneval in der NS-Zeit. Ob Kölner Karneval, Mainzer Fastnacht oder Münchner Fasching - die Nationalsozialisten hatten überall ihre Finger drin und nutzten Sitzungssäle für antisemitische Hetze.

Karneval mi Dritten Reich
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Karnevalisten sammeln für das Winterhilfswerk der NSDAP. (Bild: Verleih)
Karneval mi Dritten Reich
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Karnevalisten sammeln für das Winterhilfswerk der NSDAP. (Bild: Verleih)
Köln - So klangen Stimmungslieder in der Karnevalssession 1936:

„Hurra, mer wäde jetzt die Jüdde los, die janze koschere Band trick nohm jelobte Land, mir laachen uns for Freud kapott, der Itzig und die Sara trecken fott!“

Es sei „zweifellos das dunkelste Kapitel in der Geschichte des deutschen Karnevals“, wie seit 1933 in Sitzungssälen und Rosenmontagszügen antisemitische Hetze betrieben wurde. „Viele Narren machten sich zu Komplizen eines menschenverachtenden Systems“, schreiben Carl Dietmar, Redakteur des „Kölner Stadt-Anzeiger“, und Marcus Leifeld in ihrem neuen Buch „Alaaf und Heil Hitler“. Die beiden Historiker arbeiten darin den „Karneval im Dritten Reich“ auf.

Egal, ob Kölner Karneval, Mainzer Fastnacht, Münchner Fasching oder schwäbisch-alemannische Fasnet - die Nationalsozialisten hatten überall ihre Finger drin. Sie nutzten Heimatverbundenheit und kollektives Erleben der Feiernden, um daran anknüpfend ihre politischen Ziele und ihre Ideologie von einer „Volksgemeinschaft“ zu propagieren.

Dirigismus und Prunk waren die Eckpunkte der NS-Politik, die auch im Karneval nichts dem Zufall überlassen wollte. So fällt die Erfindung der Prinzenproklamation im großen Rahmen in das Jahr 1936, zwei Jahre später wurde die männliche Jungfrau durch eine tatsächliche Frau ersetzt. Zugweg und Rosenmontag wurden aufwändig durchgestylt.

Trotz der Umarmung und Aufwertung des Karnevals und der entgegenkommenden Haltung bedeutender Funktionäre gelang den Nazis die vollständige Übernahme des Karnevals nicht. Einzelne Karnevalisten erwiesen sich als unbeugsam: so der Büttenredner Karl Küpper, der mit Redeverbot belegt wurde, und der Präsident des Düsseldorfer Karnevalsausschusses, Leo Statz. Weil er geäußert hatte, dass die Soldaten nicht für Deutschland, sondern „für Hitler die Knochen hinhalten“ würden, wurde er mit dem Beil hingerichtet.

Carl Dietmar / Marcus Leifeld: „Alaaf und Heil Hitler. Karneval im Dritten Reich“. Herbig Verlag, 224 Seiten, 63 Abbildungen, 24,95 Euro.



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