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Ganztagesbetrieb

Streit um Gesamtschule geht weiter

Von Helmut Frangenberg, 22.01.10, 11:00h

Massive Kritik an Regierungspräsident Hans-Peter Lindlar: Elternvereine, SPD und Grüne werfen dem CDU-Politiker „Paragrafenreiterei“ und parteipolitisches Kalkül vor. Lindlar hatte sich geweigert, der neuen Gesamtschule den Ganztagsbetrieb zu ermöglichen.

Nippes - Die Haltung von Regierungspräsident Hans-Peter Lindlar (CDU) im Streit um eine neue Gesamtschule stößt auf massive Kritik: Der Elternverein „Mittendrin“, der sich für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern einsetzt, wirft Lindlar „Paragrafenreiterei auf dem Rücken von Kindern“ vor. Indem er zum Start der Schule nicht gleich einen gemeinsamen Unterricht genehmigen will, lege er dem Aufbau „inklusiver Strukturen Steine in den Weg“, so Vereinssprecherin Eva-Maria Thoms.

SPD und Grüne kritisieren vor allem Lindlars Weigerung, der neuen Gesamtschule den Ganztagsbetrieb zu ermöglichen. „Die Landesregierung hat den RP offensichtlich zum Oppositionsführer in Köln ernannt“, sagt SPD-Fraktionschef Martin Börschel. „Der RP handelt mal wieder rein parteipolitisch“, sodie Grünen. „Lindlar tritt den Elternwillen mit Füßen.“

Lindlar weist die Kritik zurück und nennt Zahlen zum Ausbau des Ganztagsunterrichts im Regierungsbezirk, die seiner Meinung nach deutlich machen, dass vor allem bei Gymnasien, Haupt- und Realschulen Nachholbedarf bestehe. „Das Geld zur Einführung von Ganztag kann nur einmal ausgegeben werden und der Landeshaushalt hat hier Grenzen. Es ist nur gerecht, dass möglichst viele Schüler aller Schulformen gleichermaßen von den Vorteilen profitieren“, so der RP.

Gerade diese Argumentation stößt auch innerhalb der Stadtverwaltung auf Unverständnis. Die Stadt habe mit massivem Einsatz eigener kommunaler Mittel beim Ausbau des Ganztag an Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien in den letzten Monaten trotz Haushaltsnot viel geleistet. Nahezu jeder Wunsch einer Schule sei erfüllt worden, sagt Schuldezernentin Agnes Klein. Nun werde einer neuen Gesamtschule das verwehrt, was man zuvor den anderen Schulformen ermöglicht habe. „Es geht darum, der Gesamtschule Knüppel zwischen die Beine zu werfen“, sagt Börschel. „Der Ganztag gehört zum pädagogischen Konzept einer Gesamtschule“. Wer ihn nicht genehmige, wolle den Start der Schule verhindern.

Das Problem: Um die neue Schule schon im nächsten Schuljahr starten zu lassen, müssen innerhalb der nächsten Wochen verbindliche Entscheidungen fallen. Sonst kann die Schule, die in Riehl in dem Gebäude der auslaufenden Hauptschule in der Brehmstraße starten soll, keine Anmeldungen von Eltern entgegennehmen. Wenn Lindlar bei seiner Haltung bleibt, müssen Ratsmehrheit und Stadtverwaltung entscheiden, ob sie die neue Gesamtschule als Halbtagsschule beginnen lassen wollen. Es gibt zahlreiche Politiker, Verwaltungsbeamte aber auch Leiter anderer Gesamtschulen, die einen Start als Halbtagsschule ablehnen.

Die Befürworter eines Starts auch als Halbtagsschule wollen dagegen verhindern, dass Eltern der Stadt die Schuld geben könnten. Leidtragende des Streits um ein Wahlkampfthema wären Eltern und Kinder, von denen erneut Hunderte zum nächsten Schuljahr ohne den erwünschten Gesamtschulplatz da stünden. Deshalb, so die Befürworter, solle man die Schule starten lassen und dann auf dem Rechtsweg für den Ganztagsbetrieb kämpfen.



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