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Schauspiel

Kostenabenteuer oder Kulturchaos?

Von Christian Bos, 22.01.10, 22:35h, aktualisiert 03.02.10, 10:05h

Mit einem Bürgerbegehren entzündet sich der Streit um den Neubau des Schauspielhauses erneut. Das Bündnis „Mut zu Kultur“ fordert den Erhalt und die Sanierung des Riphahn-Theaters. Viele schließen sich der Initiative an.

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Abriss oder Sanierung? Rückwärtige Ansicht des Riphahn-Ensembles mit Oper (links) und Schauspielhaus. (Bild: Worring)
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Abriss oder Sanierung? Rückwärtige Ansicht des Riphahn-Ensembles mit Oper (links) und Schauspielhaus. (Bild: Worring)
„Als mein Vorvorgänger 1979 sein Amt übernahm“, seufzt Kölns Kulturdezernent Georg Quander, „wurde ihm gesagt: das dringendste Problem sei die Sanierung des Opernhauses.“ Am 17. Dezember 2009, also 30 Jahre später, beschloss der Rat der Stadt Köln endlich die Sanierung der Oper und auch den Neubau des Schauspielhauses. Das Architekturbüro JSWD soll Sanierung und Neubau zu den Gesamtkosten von 295 Millionen Euro bewerkstelligen.

Geht es allerdings nach dem Willen der Initiative „Mut zu Kultur - Inhalt vor Fassade“ hat die Diskussion ihren Endpunkt noch nicht erreicht. In einem gemeinsamen Aufruf fragen hier die beiden Bürgerinitiativen „Kölner Komment“ und „Köln kann auch anders“: „Dürfen wir akzeptieren, dass die Stadt Köln das bedeutende Erbe der 50er-Jahre-Moderne hat verwahrlosen lassen, und nun angeblich nur noch der Abriss bleibt?“ Der Abriss des Baus von Wilhelm Riphahn und der Neubau durch das Architekturbüro JSWD stellt nach Meinung von „Mut zu Kultur“ ein „Kostenabenteuer mit ungewissem Ausgang“ dar. Der Rat solle bei einer Entscheidung dieser Tragweite den Dialog mit den Bürgern suchen. Deshalb will man nun ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen, dass den Erhalt und die Sanierung des Riphahn-Theaters fordert.

Zahlreiche prominente Politiker und Kulturschaffenden haben sich bereits dem Aufruf angeschlossen, unter ihnen Lale Akgün, Dirk Bach, Maxim Biller, Peter Busmann, Jürgen Flimm, Dominik Graf, Candida Höfer, Udo Kier, Alice Schwarzer und Rosemarie Trockel. Dementsprechend zuversichtlich gibt sich „Mut zu Kultur“: Bis zum Stichtag am 15. März will man 30 000 Unterschriften gesammelt haben.

Für Georg Quander kommt das Bürgerbegehren „zum völlig falschen Zeitpunkt“. „Wir haben viereinhalb Jahre gebraucht, um zur jetzigen Entscheidung zu gelangen. Und jetzt sollen wir bei Null anfangen?“ Auch OB Jürgen Roters verkündete, er wolle dafür kämpfen die einmal gefällte Entscheidung durchzusetzen. Sollte das Bürgerbegehren und ein sich daran anschließender Bürgerentscheid erfolgreich sein, mahnt Quander, könne sich die Interimszeit für das Schauspielhaus um acht Jahre verlängern. „Dann ist das Schauspiel tot.“ Auch Opern-Intendant Uwe Eric Laufenberg zeigte sich entsetzt vom geplanten Bürgerbegehren: „So produziert man nur acht bis zehn Jahre Chaos, vielen, die hier unterschrieben haben, ist das wahrscheinlich gar nicht klar.“ Die Gegner der jetzigen Lösung hätten zehn Jahre Zeit gehabt, ihren Widerspruch geltend zu machen: „Jetzt missachten sie alle vorangehenden demokratischen Prozesse. Das ist zutiefst undemokratisch.“

Reihlich spät?

Die Intendantin des Kölner Schauspiels schreckt das Bürgerbegehren indes nicht: „Man muss immer abwägen, was man auszuhalten bereit ist“, sagte Karin Beier der „Kölnischen Rundschau“ und nennt den Neubau eine Fehlentscheidung, die sie akzeptieren müsse.

In der Tat mag man sich fragen, ob ein Bürgerbegehren nach dem langen Vorlauf der Ratsentscheidung nicht reichlich spät kommt. „Fritz Schramma hat ja im Juli 2009 einen Planungstopp verordnet. Wir sind davon ausgegangen, dass in dieser Zeit auch die Option einer Sanierung für das Schauspielhaus geprüft wird“, sagt Jörg Jung, Sprecher von „Mut zu Kultur“. Eine gründliche, abwiegende Entscheidung hat seiner Ansicht nach jedoch nicht stattgefunden. Zudem geht Jung davon aus, dass sich die auch aus seiner Sicht dringende notwendige Sanierung des Opernhauses von der Entscheidung Für und Wider den Neubau des Schauspielhauses abkoppeln lässt.

Dem widerspricht der Kulturdezernent: Die Pläne zur Opernsanierung stammen von JSWD, gehören also zum Gesamtpaket, dass den Schauspielhausneubau umschließt. „Schon vergaberechtlich könnten wir diese Pläne nicht nutzen.“ Jörg Jung wiederum verweist auf das Gutachten, dass die Planungsgesellschaft „Gerling + Arendt“ im Jahr 2003 im Auftrag der Bühnen der Stadt Köln erstellt hat. Dies spreche sich klar für einen Sanierung von Oper und Schauspiel aus, deren Kosten, auch wenn man sie auf die jetzigen Bedingungen hochrechne, auf jeden Fall unter 200 Millionen Euro lägen. Dass das Gutachten nun von der Stadtverwaltung als nicht mehr belastbar bezeichnet würde, sei schlicht skandalös. Quander verneint: Bei dem Gutachten sei es lediglich um die Sanierung des Bestandes gegangen. „Der Neubau umfasst einen neuen Standort für die Kinderoper, wesentlich mehr Probebühnen, Vormontagehallen und eine vollkommen neue Anlieferung.“ Auch gebe es inzwischen neue Umweltanforderungen, von der Klimaanlage bis zur Wärmeschutzdämmung. „Hier reden doch Leute, die von Theater gar keine Ahnung haben.“

Das kann man Achim Sell, dem Geschäftsführer von „Gerling + Arendt“ nicht vorwerfen. Seine Firma ist auf die Planung und Sanierung von Theatern spezialisiert. „Unser Auftrag umfasste den Erhalt des Bestandes und die bauliche Neuorganisation der betrieblichen Abläufe. Dabei war sowohl die Kinderoper miteingeplant, als auch die Rückholung der ausgelagerten Vormontagehallen und Proberäume.“

Nun scheine allerdings stärker im Vordergrund zu stehen, ein neues Wahrzeichen für Köln zu bauen, schätzt Sell und gibt zu bedenken, dass sich doch auch der alte Riphahn-Bau, gründlich saniert, als solches eigne.



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