Von Martin Dowideit, 05.01.10, 18:19h, aktualisiert 05.01.10, 20:50h
Kurz nach Neujahr hatte sie eine bittere Erfahrung beim Bezahlen einer Rechnung über 800 Euro in einem deutschen Hotel gemacht. Das Kartenlesegerät meldete einen Fehler und Gintens fühlte sich, als wollte ihr der Hotelangestellte einen versuchten Betrug unterstellen. Am nächsten Tag in der Bankfiliale wusste auch noch niemand, dass der Fehler im System lag. „Die haben alle gedacht, ich wäre zu blöd die EC-Karte zu benutzen“, sagt sie.
Mittlerweile ist klar, dass in den vergangenen Tagen viele Deutsche ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Gleich mehrere zehn Millionen Konto- und Kreditkarten sind von einem „Jahrzehntproblem“ heimgesucht worden. Die Software eines Chips des Herstellers Gemalto kann das Jahr 2010 nicht problemlos verarbeiten. „In bestimmten Fällen und Konfigurationen sind Gemalto-Karten betroffen“, bestätigte Marketing-Chef Christoph Siegelin. Durch enge Zusammenarbeit mit den Bankenverbänden sei das Problem weitgehend in den Griff gebracht worden. Ein Vorfall, wie er für den Jahrtausendwechsel durchaus für möglich gehalten worden war, ist damit mit zehn Jahren Verzögerung und unerwartet aufgetreten.
Betroffen sind nur deutsche Karten, da die ein Betriebssystem auf den Chips verwenden, das in anderen Ländern nicht genutzt wird. „Es ist eine äußerst peinliche Angelegenheit für die Banken“, so Christoph Strauch, Partner bei der auf Zahlungssysteme spezialisierten Beratungsfirma PaySys in Frankfurt. Mit einer Notlösung aktualisierten die im Zentralen Kreditausschuss (ZKA) zusammengefassten Banken die meisten Geldautomaten mit einer Software, so dass diese die defekten Karten statt über den Chip derzeit über die Magnetkarte auslesen konnten. An einer ähnlichen Lösung für die betroffenen Bezahlterminals in Supermärkten oder Restaurants arbeiten die Systembetreiber noch. Einzelhändler klagten darüber, dass „eines der wichtigsten Zahlungssysteme nur noch teilweise funktioniere“, so ein Sprecher des Handelsverbandes HDE.
Für Ulrich Waldmann, Experte für Kartensicherheit beim Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt, ist „das Ausweichen auf den Magnetstreifen nur eine temporäre Lösung sein.“ Denn die goldenen, auf die Karten aufgedruckten sogenannten EMV-Chips verfügen über wesentlich bessere Verschlüsselungsfunktionen und können wesentlich mehr Informationen verwalten als Magnetstreifen. Eigentlich sei es daher am besten, die betroffenen Karten auszutauschen. Angesichts der Zahl der Fälle sei davon jedoch nicht auszugehen. Eine Reihe von Banken kündigte jedoch an, einen Kartenaustausch zu prüfen.
Nach Angaben des Sparkassenverbandes DSGV werden trotz der angekündigten Software-Aktualisierung für Zahlterminals in Deutschland rund 3,5 Millionen Kreditkarten an etwa 40 Prozent der Zahlstellen nicht funktionieren. Probleme wird es in den kommenden Tagen oder Wochen vor allem beim Bezahlen im Ausland geben. Denn dort können die Zahlsysteme und Geldautomaten nicht so einfach mit neuer Software ausgestattet werden, da diese weniger zentral als in Deutschland verwaltet werden. Für die wichtigsten Urlaubsländer werde derzeit nach einer Lösung gesucht, so der DSGV.
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Offenbarungseid der Finanzbranche
06.01.2010 | 16.35 Uhr | FlötenSchlumpf
Leider haenge ich in dieser Branche beruflich indirekt selber drin. Spätestens nach der Finanzkrise ist es mir peinlich das zuzugeben und ich komme…
"Betroffen...
05.01.2010 | 22.51 Uhr | Art Vandelay
...sind nur deutsche Karten, da die ein Betriebssystem auf den Chips verwenden, das in anderen Ländern nicht genutzt wird." Es hat also hierzulande…
Wie schön, dass es doch noch...
05.01.2010 | 22.29 Uhr | Nestbeschmutzer
Banken mit einem richtigen Filialnetz gibt, über die man seine kargen Kröten bekommen kann; so kommen einen die ach so billigen Direktbanken am Ende…
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