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Umfrage

Afghanen sehen die Zukunft positiv

Von Tobias Peter, 11.01.10, 14:38h, aktualisiert 11.01.10, 16:18h

Während im Westen, darunter in Deutschland, die Zustimmung zum Einsatz am Hindukusch sinkt, sind die Afghanen überraschend zufrieden mit der Lage im Land. Die Bundeswehr erlitt allerdings einen Vertrauensverlust.

Afghanische Kinder
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Afghanische Kinder vor einem Soldaten der US-Armee. (Bild: rtr)
Afghanische Kinder
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Afghanische Kinder vor einem Soldaten der US-Armee. (Bild: rtr)
KÖLN - Man stelle sich vor, die versammelte Ärzteschaft beäugt bei der Visite kritisch den Patienten – und es werden Stimmen laut, ihn vielleicht doch besser sich selbst zu überlassen. Plötzlich aber unterbricht der Kranke und sagt so laut er nur kann: „Mir geht es besser. Und ich will mit erhöhter Medikation weiterbehandelt werden.“ Genau so verhält es sich mit der deutschen Afghanistan-Diskussion im Vergleich zur Stimmung in der Bevölkerung am Hindukusch.

Trotz Gewalt, Armut und Korruption blickt eine große Mehrheit der Afghanen seit Jahren erstmals wieder zuversichtlich in die Zukunft. 70 Prozent sehen ihr Land auf dem richtigen Weg, mehr als doppelt so viele wie vor einem Jahr. Sechs von zehn Menschen im Land glauben, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden – wie die neue repräsentative Umfrage der Sender WDR, ABC und BBC unter rund 1500 Afghanen zeigt. Überraschende Ergebnisse, die komplett der Entwicklung der politischen Debatte in Deutschland widersprechen.

Vertrauen in Obama, Ärger über die Bundeswehr

Ein Schlüssel für den Stimmungsumschwung in Afghanistan ist offenbar, dass es wie in großen Teilen der Welt auch hier einen Vertrauensvorschuss für den neuen US-Präsidenten Barack Obama gibt. 60 Prozent befürworten seine Strategie einer befristeten Aufstockung der Truppen – weil sie ihm nach eigenen Angaben zutrauen, die damit verbundenen Ziele zu erreichen. Die Mehrheit der Menschen glaubt an Fortschritte beim Aufbau eigener Sicherheitskräfte. Und sie denken, dass sich El Kaida und die Taliban zumindest so weit wie möglich in Schach halten lassen. „Yes, we can“, Obamas Botschaft ist auch in Afghanistan angekommen.

Für die internationalen Truppen ergibt sich damit insgesamt ein geteiltes Bild: Die US-Armee bleibt zwar unbeliebt, aber die Menschen glauben an mögliche Erfolge. Für die Gewalt im Land machen sie Aufständische und Terroristen verantwortlich – und nicht mehr die Amerikaner. Deutschland dagegen, das in der Vergangenheit hervorragende Werte erreicht hat, erleidet nach dem Luftangriff von Kundus einen spürbaren Ansehensverlust. Die deutsche Rolle im Land wird nur noch von 31 Prozent der Befragten positiv beurteilt, ein Minus von elf Punkten.

Vorschuss für Karsai

Einen neuen Vertrauensvorschuss erhalten nicht nur die USA, sondern auch Präsident Hamid Karsai, trotz bislang fehlender Erfolge. Drei von vier Afghanen sagen, er leiste gute Arbeit, und hoffen, dass er Sicherheit und Stabilität im Land erhöhen kann. Obwohl eine Mehrheit fest von Unregelmäßigkeiten bei der Wahl ausgeht, sind sie zufrieden mit dem Ergebnis. Es herrscht Erleichterung, dass ein Machtvakuum verhindert wurde – „verbunden mit der pragmatischen Einstellung, dass Korruption ohnehin ein prägender Bestandteil des afghanischen Alltags ist“, meint Arnd Henze, der für den WDR die Umfrage betreut hat.

Ein wichtiger Faktor für die bessere Stimmung in Afghanistan sind konkrete Fortschritte in den alltäglichen Lebensbedingungen der Menschen. So bestätigen viele Befragte, dass sich die Stromversorgung spürbar verbessert hat. Für sie sind damit die Zeiten als sie, wenn überhaupt, nur stundenweise Strom hatten, vorbei. Zwei Drittel der Afghanen loben zudem den Zugang zu bezahlbaren Lebensmitteln; die Hälfte die Fortschritte beim Straßenbau und der übrigen Infrastruktur. Die Entwicklung ist zwar langsam, aber sie kommt bei den Menschen an.

Genau das mag dazu beitragen, dass die Einschätzung der Afghanen in Fragen von Krieg und Frieden positiver ausfällt, als es die Lage nach Auffassung zahlreicher Militär- und Terrorexperten hergibt. Die Botschaft der Menschen an das internationale Team um Barack Obama, auch an Deutschland, ist jedenfalls eindeutig: „Bei der Frage, wann und unter welchen Umständen ihr die Truppen abzieht, geht es nicht um euch. Es geht darum, ob es uns besser geht.“



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