Erstellt 12.01.10, 10:52h, aktualisiert 12.01.10, 17:21h
Der Hochschullehrer wurde im staatlichen Fernsehen als glühender Anhänger der Islamischen Revolution, auf einer regierungskritischen Internet-Seite der Opposition jedoch als Gefolgsmann von Oppositionsführer Mirhossein Mussawi beschrieben. Offizielle Vertreter beschrieben Ali-Mohammadi als Atomwissenschaftler, der aber nichts mit dem iranischen Atomprogramm zu tun habe. Ein westlicher Physiker sagte nach Lektüre der Publikationen, der getötete Forscher habe sich theoretisch mit der Teilchenphysik befasst.
Eine Internetrecherche förderte einen Forscher gleichen Namens zutage, der sich mit "dunkler Energie", einem hochtheoretischen Teilgebiet der Kosmologie beschäftigt. Press TV beschrieb den 50-jährigen Ali-Mohammadi als Neutronenphysiker.
Der englischsprachige Sender Press TV meldete, die Bombe sei in einem Motorrad versteckt gewesen. Der ferngezündete Sprengsatz sei in der Nähe der Wohnung Ali-Mohammadis im Norden der iranischen Hauptstadt explodiert.
Der Atomexperte Mark Fitzpatrick vom Internationalen Institut für Strategische Studien in London bezeichnete es als höchst unwahrscheinlich, dass die USA oder Israel im Atomstreit mit dem Iran zum Mittel der gezielten Tötung von Wissenschaftlern greifen würden. Dazu sei die Zahl der qualifizierten Forscher und Ingenieure mittlerweile zu groß. Allerdings habe Israel in der Vergangenheit Atomwissenschaftler getötet, deren Arbeit der jüdische Staat als gefährlich eingestuft habe.
Im Juni war der am iranischen Atomprogramm beteiligte Wissenschaftler Schahram Amiri während einer Pilgerfahrt nach Mekka verschwunden. Die Führung in Teheran warf Saudi-Arabien im Dezember vor, den Forscher an die USA ausgeliefert zu haben.
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Der Anschlag auf Ali-Mohammadi wurde zu einer Phase erhöhter innenpolitischer Spannungen nach der umstrittenen Präsidentenwahl im Juni verübt. Die Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition spielen sich vor allem an den Universitäten ab, bilden doch die Studenten das Rückgrat der Reformbewegung. Laut halbamtlicher Nachrichtenagentur Fars hat Ali-Mohammadi bis 2003 mit den regimetreuen Revolutionsgarden zusammengearbeitet. Zudem habe er an zwei Hochschulen unterrichtet, die den Garden nahe gestanden hätten.
Dagegen berichtete die oppositionelle Internet-Seite Jaras, Ali-Mohammadi habe zusammen mit hunderten anderer Kollegen einen Wahlaufruf für Mussawi unterschrieben. Fars meldete unter Berufung auf eine im Ausland tätige Gruppe, eine monarchistische Organisation habe sich zu dem Anschlag auf Ali-Mohammadi bekannt.
Im Atomstreit mit der Staatengemeinschaft drohen dem Iran indes neue Sanktionen. Darüber wollen Diplomaten zufolge am Wochenende die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland beraten. Zwischen den USA und China ist allerdings strittig, ob die Zeit für neue Strafmaßnahmen reif sei, hieß es. (rtr)
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