Von Anne Burgmer, 18.01.10, 16:08h, aktualisiert 18.01.10, 23:12h
Für Überraschungen war Charlotte Roche immer schon gut. Erstmals auf sich aufmerksam machte sie mit der Musiksendung „Fast Forward“, die sie von 1998 bis 2004 erst bei Viva Zwei und dann bei Viva präsentierte. Ihr unkonventioneller Moderations- und Interviewstil und die Konzentration auf Musik abseits des Mainstreams machten sie zu einem Liebling der Kritiker. Im Jahr 2002 erhielt sie den Bayerischen Fernsehpreis, zwei Jahre später wurde sie mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Auch für Arte, 3Sat und ProSieben moderierte die 1978 in Großbritannien geborene Roche, die auch als Schauspielerin, Sängerin und Produzentin arbeitet.
Im Frühjahr 2008 veröffentlichte die Mutter einer Tochter ihren Roman „Feuchtgebiete“. Die Geschichte einer jungen Frau, die sich äußerst detailliert über ihr Sexleben, Körperflüssigkeiten und Sinn und Unsinn von Intimhygiene auslässt, wurde zu einem gigantischen Erfolg. Das Werk aus dem DuMont-Buchverlag war der Bestseller des Jahres 2008 und löste in Deutschland eine Debatte darüber aus, ob Roches unbefangener Umgang mit diesen Themen eine emanzipatorische Errungenschaft sei oder bloß die Sensationsgier der Leser befriedigen wolle.
Auch wenn sich Roche, die ihr Privatleben abschirmt und ihren Alltag als eher spießig beschreibt, immer wieder überrascht über den Erfolg des Buches äußerste, beherrscht sie das Spiel mit der Provokation doch perfekt. Als bekannt wurde, dass sie die Nachfolge von Amelie Fried bei „3 nach 9“ antreten würde, brachte sie sich durch provokante Äußerungen immer wieder ins Gespräch.
So bekannte sich Charlotte Roche in einem Interview mit dem „Spiegel“ zum Lügen: „Ich bin ja dafür, dass ein Gast lieber lügt, damit es unterhaltsam wird, als eine langweilige Wahrheit zu erzählen.“ Daraufhin stellte der Bundesvorsitzende der Deutschen Journalisten-Union, Ulrich Janßen, Roches Eignung als Moderation in Frage. Die CDU-Politikerin Elisabeth Motschmann, die im Rundfunkrat von Radio Bremen sitzt, warf Roche vor, obszön zu sein und keine Tabus zu kennen.
Aufmerksamkeit war Roche für ihren ersten Auftritt bei „3 nach 9“ im September also sicher. Der fiel dann allerdings deutlich unspektakulärer als erwartet aus. Mit beinahe biederer Flechtfrisur und ausgesprochen zurückhaltend präsentierte sie sich und erntete dafür überwiegend negative Kritiken. Auch die Einschaltquoten der dienstältesten deutschen Talkshow schnellten nicht in die Höhe. Dass die 31-Jährige nun, nach nur fünf Ausgaben, die Sendung schon wieder verlässt, überrascht dennoch. Hatte Roche doch im Juni bei der Übernahme der Moderation gesagt: „Das ist eines der ganz seltenen Angebote im Fernsehen, die man nicht ausschlagen kann.“
"in gespielter Kleinkindmanier"
18.01.2010 | 22.55 Uhr | Nichtkölner
Sehr treffend, danke! Genauso ist es. Leider ist eine Frau wie Amelie Fried als Moderatorien nur schwer zu ersetzen. Mit Roche hat sich die Sendung…
War ihr Herr di Lorenzo nicht versaut genug???
18.01.2010 | 20.24 Uhr | Mauritiustherme
Roche war immer peinlich bei 3 nach 9: in gespielter Kleinkindmanier hat sie Fragen gestellt, die nicht wirklich witzig oder innovativ waren, sondern…
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