Von Katja Hoppe, 21.01.10, 12:46h
Seit der Einführung der Bachelor-Studiengänge haben die Studenten der Gummersbacher Fachhochschule den Eindruck, stärkerem Druck ausgesetzt zu sein - aber die wenigsten reden offen darüber. „Wenn man in Verzug mit den Fachprüfungen gerät, ist das echt stressig. Trotzdem ist Prüfungsangst eigentlich bei uns kein Thema. Fast alle finden es problematisch, darüber zu sprechen“, sagt Andreas Trenkmann, Studierender der technischen Informatik. Das Leben zu genießen, fällt schwer, wenn man lernen und noch einem Job nachgehen muss, weiß der 25-Jährige. Genau dort liegt ein großes Problem aller Studierenden: Durch den Bachelor bleibt weniger Zeit zum Jobben und Leben.
Diese Erfahrung hat auch der stellvertretende Gummersbacher Fachschaftsvorsitzende Robert Täubl gemacht. „Du weißt ja eigentlich, dass du etwas kannst und auch der Bachelor-Studiengang ist durchaus zu schaffen. Aber drum herum gibt es noch so viel zu regeln und so wenig Zeit. Und gerade dieser zeitliche Druck löst bei den Kommilitonen oft die Angst aus - nicht der umfangreiche Stoff.“
Dabei können sich die Studenten bei diesen Problemen beraten lassen. Zuständig ist Dr. Gaby Jungnickel von der Abteilung Psycho-Soziale Beratung des Kölner Studentenwerks. Sie hilft den Studierenden bei Problemen rund um das Thema Prüfungsangst.
Bald soll es sogar eine eigene Anlaufstelle in Gummersbach geben. Die Planungen dazu laufen, erklärt Manfred Stern von der FH, konkret sei aber bislang noch nichts. Seine Empfehlung: Gegen die Angst, den Kontakt zum Prüfer suchen und mit ihm nach einer Lösung suchen, sich vielleicht auch zum Lernen noch einmal Tipps geben lassen. „Und die Tutorien besuchen - dafür bieten wir sie ja an.“
Die Prüfungsangst ist bei Studenten durch die Umstellung auf den Bachelor nicht unbedingt größer geworden, hat Dr. Rose Haferkamp vom Allgemeinen Studierendenausschuss festgestellt. Die Ethnologin kümmert sich an der Kölner FH um ausländische Studenten. Neben möglichen Sprachproblemen und Heimweh belastet die Studenten die Finanzierung des Studiums. Denn je länger es dauert, desto länger müssen viele Familien den Studenten unterstützen. „Es bleibt eben kaum Zeit für einen Job bei dem großen Pensum an Stoff.“ Haferkamp hat die Erfahrung gemacht, dass ausländische Studierende aus Gummersbach allerdings eher selten den Weg zu ihr finden. „Die Strecke ist zu weit. Deshalb gibt es Überlegungen, in Gummersbach auch von uns eine Beratungsstelle einzurichten, in der ich eine Sprechstunde anbieten werde.“ Der Bedarf sei da.
Eine wichtige Anlaufstelle für Studierende mit Prüfungsangst ist aber schon jetzt die Gummersbacher Fachschaft. „Wir vermitteln Kontaktadressen und Ansprechpartner und hören zu“, sagt Täubl. „Wenn man sich Hilfe holt, kann eigentlich nichts mehr schief gehen.“
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