Von Ralf Rohrmoser-von Glasow, 26.01.10, 14:42h, aktualisiert 27.01.10, 09:11h
Eine Startrampe wie an der Stachelhardt in Ruppichteroth hat er nicht nötig, ein Motor treibt ihn an und in die Höhe. 40 Kilogramm wiegt das 21 PS starke Aggregat mit vollem Tank, entsprechend anstrengend ist der Start. Bis zu drei Stunden beträgt die Flugdauer. Genug Zeit, damit der ausgebildete Ultraleichtflieger - das ist die Qualifikation für den Motorgleitschirmflug - über dem Rhein-Sieg-Kreis seine Bahnen ziehen kann. Und Göhring frönt dort droben seinem zweiten Hobby, der Luftbildfotografie.
Meist hat er einen Auftrag oder sich selbst ein Ziel gesteckt. Denn die Aufnahmen, die er aus der Luft macht, verkauft er. 45 Euro pro Immobilie berechnet er. Damit finanziert er allerdings nicht sein aufwändiges Freizeitvergnügen, nicht einmal die Kosten für den Sprit zieht Göhring ab. Jeden Cent leitet er weiter an gemeinnützige Organisationen. Den Löwenanteil erhält das Ehepaar Jagsch vom Missionskreis der Liebfrauenkirche. "Die sind mir sehr sympathisch. Und ich kann mir sicher sein, dass das Geld eins zu eins nach Afrika in ihre Projekte fließt", erklärt der 55-Jährige.
"Ärzte ohne Grenzen", Cap Anamur und die Andehri-Hilfe, die Operationen für Blinde in Indien finanziert, sind die anderen Nutznießer dieses ungewöhnlichen Arrangements. Rund 1000 Euro kommen im Jahr zusammen, seine "Kunden" sind Privatleute, auch ein Immobilienmakler heuert ihn immer wieder an.
Seit 1996 hängt er am Gleitschirm, 2001 hat er den Motorgleitschirmflug erlernt, eine komplett neue Ausbildung. 240 Menschen haben das damals gemacht, inzwischen sind es 2600. "Ich fliege immer mit Motor, das ist einfacher", schmunzelt Göhring, der in jungen Jahren Fallschirmspringer war und nach 20 Jahren Pause wieder in die Luft ging. Mit dem Motor hat er sich unabhängig von der Thermik gemacht, den Aufwärtsbewegungen der Luftmassen durch Erwärmung speziell an Hängen. Göhring fliegt meist zwischen 350 und 400 Meter hoch, durch die Nähe zur Kontrollzone des Flughafens sind größere Höhe kaum machbar. Bestimmte Ziele kann er deshalb nicht anfliegen, die Innenstadt ist zum Beispiel tabu.
Sicherheit ist für ihn das oberste Gebot. "Ich schaue in den Himmel und weiß, ob ich fliegen kann", beschreibt er die wichtigsten Startvorbereitungen. Ausgestattet mit Navigationsgerät und speziellem Computer hebt er ab. Ein Motorausfall kann ihn nicht schocken, der Gleitschirm lässt ihn sanft zu Boden kommen, außerdem hat er immer ein Auge auf Landemöglichkeiten. "Die Optik ist das Faszinierende, die Erde von oben zu sehen", schwärmt er und ergänzt: "Ein ganz normaler Tag kann am Abend ein unvergesslicher sein." Er war in Tunesien über der Sahara und in Namibia über der Namib-Wüste, hat Inversionswetterlagen erlebt, wenn über der kalten, feuchten Luft am Boden plötzlich majestätische Fernsicht herrscht. Sein vielleicht eindrücklichstes Erlebnis aber war ein anderes: "Ich bin ein Stück mit den Wildgänsen geflogen."
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