Schriftgröße

Pro Verbot

Ein richtiges Signal aus Frankreich

Erstellt 27.01.10, 13:20h, aktualisiert 30.04.10, 13:00h

Die Würde des Menschen ist unantastbar: Dies ist ein Kernsatz unserer Verfassung. Die Burka zu ächten, ist auch eine Frage der demokratischen Selbstachtung, findet Thorsten Keller.

Burka-Trägerinnen
Bild vergrößern
Burka-Bann: In Frankreich sollen Ganzkörperschleier geächtet werden. (Bild: dpa)
Burka-Trägerinnen
Bild verkleinern
Burka-Bann: In Frankreich sollen Ganzkörperschleier geächtet werden. (Bild: dpa)
In der amerikanischen Verfassung ist der Deklaration der Grundrechte ein wichtiger Halb-Satz vorangestellt: "We hold these truths to be self-evident that...". Frei übersetzt: Wir betrachten diese Wahrheiten als unveränderlich und selbst-erklärend. Das ist vielleicht etwas zu pathetisch formuliert, und das "all men are created equal" von 1776 trägt zudem den erheblichen Makel, dass afrikanische Sklaven nach damaliger Lesart eben keine "Menschen" waren.

Aber trotzdem zeigt dieser Satz ein Selbstbewusstsein, an dem wir uns im Jahr 2010 in Europa ein Beispiel nehmen könnten: Es ist die stolze Überzeugung, dass bestimmte Grundwerte bedingungslos zu gelten haben, und dass sich dem niemand mit dem Hinweis auf ethnische Abstammung oder religiöse Empfindlichkeiten entziehen darf.

In Deutschland ist der Artikel 1 Grundgesetz ein solcher Kernsatz: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Im Umkehrschluss bedeutet das, dass eine Ideologie, die diesen Satz infrage stellt, durchaus geächtet werden darf. Im Gegensatz zum islamischen Kopftuch, das nur das Haupthaar verhüllt und dessen Verbannung aus Klassenzimmern oder Hörsälen übertrieben und intolerant wäre, löscht die Burka die Individualität ihrer Trägerin aus. Eine Frau wird in ein Stück Stoff eingepfercht und so entmenschlicht – bis auf das Sichtgitter, das nicht zufällig an ein stilisiertes Gefängnisfenster erinnert. Das bleibt auch dann eine Menschenrechtsverletzung, wenn Muslimas – wie nun in Frankreich – die Freiwilligkeit ihres Handelns beteuern.

Es geht nicht nur um eine visuelle Zumtung im öffentlichen Raum, sondern um das große Ganze, die demokratische Selbstachtung. Die Detailfrage, ob Burka-Trägerinnen "nur" in Behörden im Nachbarland nicht mehr bedient werden, oder auch in Bussen und Bahnen draußen bleiben müssen, interessiert mich dabei nur am Rande. Wir bewegen uns hier auf dem Feld der Symbolpolitk, wie Nicolas Sarkozy im vergangenen Jahr betonte: Ein Staat, der sich Laizismus und die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf die Fahnen geschrieben hat, zeigt, dass die Burka in Frankreich "nicht willkommen" ist. Und dieses Signal ist richtig.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Anzeige


Hintergrund


Der satirische Wochenrückblick


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Bildergalerien


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Die andere Meinung


Dienste