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Contra Verbot

Ein Angriff auf die Freiheit

Erstellt 27.01.10, 13:20h, aktualisiert 27.01.10, 14:48h

Kein Land in Europa feiert sich für die eigene Freiheit so gerne selbst wie Frankreich. Ausgerechnet hier sollen Burka tragende Frauen verboten werden? Das kann nicht gut gehen, meint Christian Parth.

Keine Burka
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Keine Burka: Ein Model präsentiert in Paris die Kollektion des Modeschöpfers Khaled El Masri. (Bild: dpa)
Keine Burka
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Keine Burka: Ein Model präsentiert in Paris die Kollektion des Modeschöpfers Khaled El Masri. (Bild: dpa)
Es ist noch gar nicht lange her, da stritt man in Köln über den Bau einer Großmoschee, die schleichende Islamisisierung und Frauen, die in Burkas gehüllt das Stadtbild verschandeln. Ralph Giordano sagte damals: "Ich will auf deutschen Straßen keine Burka-Trägerinnen sehen." Seine Kritik endete schließlich in einer entwürdigenden Entgleisung. Frauen in der traditionellen islamischen Ganzkörper-Verhüllung seien nichts als "menschliche Pinguine".

Nun hat Frankreich einen kühnen Vorstoß gewagt und gefordert, Burka tragende Muslima zu unerwünschten Personen zu erklären. Sie sollen aus dem öffentlichen Leben verschwinden. Sein Land könne es nicht hinnehmen, dass Frauen "als Gefangene hinter Gittern" lebten, sagte Staatschef Nicolas Sarkozy. Dies sei kein religiöses Problem, betonte er, sondern eines von Freiheit und Würde der Frau.

Was bedeutet Freiheit?

Doch genau an diesen Begriffen entzündet sich die Debatte. Denn der Begriff der Freiheit definiert sich maßgeblich über die Freiheit des Individuums und nicht über den vorgefertigten Freiheitsbegriff einer gesamten Gesellschaft. Dieser Grundsatz muss immer und für jeden gelten. Es stellt sich nun die Frage, wie unfrei und unwürdig fühlt sich eine Frau eigentlich in einem Gewand, das der Westen zum Ganzkörpergefängnis erklärt hat. Antworten darauf erhält man kaum von den Betroffenen, sondern meist von den Kritikern, die sich zugleich gerne zu Wächtern über Freiheit, Moral und Würde machen.

Frauen in Burkas aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, ist aber nicht nur ein Verstoß gegen den Freiheitsbegriff, der ironischerweise in Europa nirgendwo so euphorisch zelebriert wird wie bei den Franzosen. Ein Verbot würde zudem jegliche Bemühung unterlaufen, Muslime besser in die Gesellschaft zu integrieren. Was sollen Frauen in Burkas tun, die nicht mehr in den Supermarkt gehen dürfen oder denen es verwehrt wird, ein paar Briefmarken zu kaufen, nur weil sie ihre Überzeugung offen zu Schau tragen? Eine vorgeblich Gefangene würde von Staatswegen eingekerkert, das Heim würde zum Privtknast, zu einem Ort ohne Zugriff, in dem die gefürchtete Radikalisierung besser gedeihen kann als irgendwo sonst.

Obendrein schafft sich Frankreich ein bürokratisches Problem. Denn wer soll ein solches Verbot überwachen? Die Gendamerie ist nicht überall. Soll es eine Hotline geben, bei der man melden kann, wenn gerade ein "Ganzkörpergefängnis" durch den Arc de Triomphe wandelt? Das zumindest hätte etwas von Denunziation. Eine seltsame Vorstellung in einem Land, das Freiheit zum Staatsmotto erkoren hat.



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