Von Stefanie Schmidt, 24.01.10, 20:18h, aktualisiert 12.03.10, 20:47h
Doch auch hier: Keine Banner, keine Plakate. Dafür überall bunt angemalte Elefantenskulpturen. Aber kein buntes „Ruhr 2010“-Zeichen. Ist das Kulturhauptstadtjahr in Hamm noch nicht angekommen oder mangelt es am Interesse? Eine repräsentative Infratest-Umfrage hat ergeben, dass in Nordrhein-Westfalen 85 Prozent der Bevölkerung die Kulturhauptstadt 2010 bekannt ist. Eine nicht ganz so repräsentative Umfrage in der Hammer Innenstadt bestätigt das. „Klar, das ganze Ruhrgebiet ist dieses Jahr Kulturhauptstadt, wir also auch“, sagt Marlies Bosten. „Aber was jetzt hier passiert, weiß ich nicht.“ So geht es den meisten: Schon mal gehört, aber keine genaue Vorstellung. Warum wohl? „Vielleicht sind wir hier nicht so der Schlag Menschen, der sich gerne selbst feiert“, mutmaßt ein älterer Herr im Vorbeigehen.
Das ist vielleicht etwas ungerecht, schließlich laufen die Vorbereitungen hinter den Kulissen schon seit drei Jahren, berichtet Ellen Schwinzer, Direktorin des Gustav-Lübcke-Museums. Etwas zu spät kommt sie - die Termine - und erzählt von den vielen laufenden Projekten. Die Ruhrkunstmuseen etwa, ein Zusammenschluss von 20 Institutionen, die sich gegenseitig ergänzen wollen, um ein komplettes Bild des Ruhrgebiets zu zeichnen. „Mapping the Region“ heißt das Projekt, in dem jedes Museum in verschiedenen Kunstformen Aspekte des Ruhrgebiets abbildet. Im Gustav-Lübcke-Museum ist das eine Ausstellung von Andreas Siekmanns Installation „Aus: Gesellschaft mit beschränkter Haftung“, in der er sich mit der Ökonomisierung und Privatisierung des öffentlichen Stadtraums beschäftigt.
„Natürlich ist so ein Kulturhauptstadtjahr viel mehr Arbeit für uns, man will ja etwas besonderes bieten“, sagt Schwinzer. „Wir sind in ein Netzwerk eingebunden, müssen uns treffen und absprechen.“ Ein Aufwand der sich lohnen wird? „Meine Erwartungshaltung ist eher abwartend“, sagt Schwinzer. Mit deutlich mehr Besuchern aus der eigenen Region rechnet sie eher nicht, vielleicht gibt es aber einen „Mitnahmeeffekt“, der Touristen aus ganz Deutschland ins Ruhrgebiet zieht, die dann vielleicht auch Hamm besuchen.
Optimistischer ist da der Hammer Kulturhauptstadtbeauftragte Ulrich Weißenberg. Natürlich sei bislang noch wenig große Werbung gemacht worden, aber das komme alles noch. Spätestens zur „Local Hero Woche“ im April werde es große Banner in der Stadt geben, die auch auf die weiteren Termine hinweisen, das Jazzfest, die Hammer Kulturnacht, die Biennale für internationale Lichtkunst. Allerdings ist das Geld für Werbung knapp. Die Haushaltsplanung ist noch nicht abgeschlossen, aber der Kulturetat von 12 Millio nen Euro aus dem Vorjahr werde laut Weißenberg in Zeiten knapper Kassen 2010 wohl „um einige 100.000 Euro geringer ausfallen“. Dafür gibt es aber noch Geld von der Dachorganisation der Kulturhauptstadt: Zwei Euro pro Einwohner, macht in Hamm 360.000 Euro. „Davon werden wir die Sonderveranstaltungen finanzieren“, sagt Weißenberg.
Wie die Kulturhauptstadt Hamm liegt auch das Wahrzeichen der Stadt noch im Winterschlaf. Der 25 Meter hohe Glaselefant im Maximilianpark ist geschlossen, der Aufzug im Rüssel des weltweit größten Gebäudes in Tiergestalt steht still. Und dennoch ist der Maximilianpark ein perfektes Beispiel für den Sinneswandel, den das Kulturhauptstadtjahr in den Köpfen bewirken soll: Das Ruhrgebiet im Wandel von der dreckigen Bergbaugegend, in eine liebens- und lebenswerte Region. Auf dem Gebiet der ehemaligen Zeche Maximilian ist ein Park entstanden, mit riesigem Abenteuerspielplatz für Kinder und naturbelassenem Areal für Ruhesuchende. Aus der ehemaligen Kohlewäscherei hat der Architekt Horst Rellecke im Rahmen der ersten Landesgartenschau in NRW (1984) den Glaselefanten gestaltet, in dem sich heute ein Café mit Palmen und kinetischen Skulpturen befindet. Von hier stammen auch die bunten Elefanten, die zum 25-jährigen Bestehen des Parks dort ausgestellt waren und die nun in die Stadt umziehen.
Im Mai ist der Maximilianpark teil der Aktion „Schachtzeichen“, bei der alle Zechen mit einem riesigen gelben Heliumballon gekennzeichnet werden. Zu diesem Anlass werden im Park riesige Plakate mit Luftbildaufnahmen des Fotografen Gerhard Launer ausgestellt. Die Bilder zeigen ungewöhnliche Perspektiven auf das Ruhrgebiet, aber auch auf den Rest von Deutschland. „Während ganz Deutschland auf das Ruhrgebiet schaut, gibt es bei uns die Möglichkeit, von Hamm aus auf ganz Deutschland zu schauen“, erklärt Thomas Simonis, Marketingleiter des Parks, die Idee. Und unterstützt damit die These des Herren aus der Fußgängerzone, der glaubt, dass man sich in Hamm nicht so gerne in den Mittelpunkt drängt.
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