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Natascha Kampusch

Demütigung und Schikane

Von Jan Philipp Hein, 24.01.10, 21:32h, aktualisiert 24.01.10, 21:40h

Natascha Kampusch spricht im „Ersten“ über „3096 Tage Gefangenschaft“. 1998 wurde die damals Zehnjährige auf dem Weg zur Schule entführt und in einem Kellerverlies festgehalten. Achteinhalb Jahre später gelang ihr die Flucht.

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Natascha Kampusch spricht im „Ersten“ über „3096 Tage Gefangenschaft“.
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Natascha Kampusch spricht im „Ersten“ über „3096 Tage Gefangenschaft“.
Am 2. März 1998 entführte der Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil die damals zehnjährige Natascha Kampusch auf dem Weg zur Schule und brachte sie in ein Kellerverlies in seinem Haus in einem Wiener Vorort. Achteinhalb Jahre später, am 23. August 2006 gelingt der mittlerweile 18-Jährigen die Flucht. Noch am gleichen Tag nimmt sich ihr Peiniger das Leben.

Der Film „Natascha Kampusch - 3096 Tage Gefangenschaft“ erzählt, was in der Zeit dazwischen geschah. Der Drehbuchautor und Journalist Peter Reichard, der fast zwei Jahrzehnte als Polizist arbeitete, gewann das Vertrauen der jungen Frau, die wegen ihres Schicksals zum Medienstar wurde. Zwei Jahre nach seiner ersten Anfrage - kurz nach ihrer Flucht aus Priklopils Gefangenschaft - entschied sich Kampusch für eine Zusammenarbeit mit Reichard. „Oft erschien ich in der Zwischenzeit in den Schlagzeilen. In dem, was dabei über mich gesagt wurde, konnte ich mich allerdings häufig nicht wiederfinden“, so Kampusch im Begleitheft des NDR, der den Film fürs Erste produzierte.

Die junge Frau berichtet in Reichards Film, den der gemeinsam mit der Regisseurin Alina Teodorescu drehte, beinahe abgeklärt von den Jahren der Gefangenschaft, davon, wie Priklopil sie demütigte und schikanierte: „Er hat mich immer mehr in seinen Haushalt da integriert und hat mich immer mehr als Arbeitstier verwendet.“ Dazu die Bilder der düsteren Behausung Priklopils. „Es muss eine wahnsinnige Genugtuung für ihn gewesen sein, dass er einfach jemanden eingesperrt hat, der dann nun für ihn ist. Und dass noch nicht mal seine Mutter und seine Großmutter davon wissen.“

Nicht nur Kampusch berichtet aus Priklopils Welt. Ernst Holzapfel, Freund des Nachrichtentechnikers, kommt ebenfalls zu Wort. Ihm wurde immer wieder eine Beteiligung an der Entführung nachgesagt. „Herr Priklopil“ nennt er ihn in der Dokumentation: „Herr Priklopil war sehr auf Hygiene und Sauberkeit bedacht“, sagt er etwa. Was weit weniger banal klingt, wenn die Filmemacher das mit einem Satz Kampuschs verbinden: „Er hatte einen totalen Putzzwang und hat natürlich auch immer alles abgewischt, was ich angegriffen haben könnte. Und ich durfte auch nichts anfassen, weil Fingerabdrücke sind gleich so hässliche Fettflecken, die man nirgends haben möchte.“ Falls doch, habe Priklopil dann die Abdrücke mit ihrem Handrücken entfernt.

So reihen sich in dem Film Details an Details. Beinahe unglaublich ist es, wie reflektiert Kampusch ist, die aus ihrer Gefangenschaft und ihrem Leben als öffentliche Person berichtet, als läge das Grauen Jahrzehnte hinter ihr: „Ich löse in vielen Menschen unbewusste Aggressionen aus“, sagt sie. Das läge vielleicht daran, dass die Tat Aggressionen auslöse und dass sie diese abbekomme, weil sie nach dem Selbstmord Priklopils die einzige Person sei, die noch zu greifen sei. Reichards Film macht nicht aggressiv. Er zeigt eine Frau, die sich „einen normalen Umgang" der Menschen mit sich wünscht.



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