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A-Capella-Festival

Mit Maultrommel und Unterwäsche

Von Roland Meurer, 27.01.10, 10:40h, aktualisiert 28.01.10, 14:58h

30 Vocal-Ensembles kamen zum Wettstreit ins Bürgerhaus Kalk. Insgesamt standen mehr als 200 Sänger auf der Bühne. Zahlreiche Besucher kamen ins Bürgerhaus.

Scampi
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Das Quintett Scampi (Bild: Meurer)
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Das Quintett Scampi (Bild: Meurer)
Kalk - „Mit ohne alles“ lautet nicht etwa die Bestellung einer warmen Mahlzeit in einer Kölner Pommesbude. Vielmehr haben sich fünf junge Sänger aus Aachen vor knapp zwei Jahren diesen ungewöhnlichen Namen gegeben. Seitdem sind sie als A-cappella-Quintett im Großraum Aachen unterwegs und dort längst keine Unbekannten mehr. Jetzt zog es sie ins Kalker Bürgerhaus, wo sie mit weiteren 29 Vocal-Ensembles an einem landesweiten A-cappella-Gesangswettbewerb, dem zweiten Landes-Contest NRW, teilnahmen. Im Rahmen der „German a-cappella“-Initiative präsentierte der Chorverband NRW (CV) dort ein fulminantes Festival, das die zahlreich erschienenen Besucher so schnell nicht vergessen werden.

Mehr als 200 Sänger stellten sich an drei Tagen in den Kategorien Pop, Schlager, Jazz und Barbershop einer vierköpfigen Fachjury unter der Leitung von Michael Schmoll vom CV. In der Hoffnung, dass sich die Amateure und semiprofessionellen Gruppen für den großen Bundeswettbewerb, der vom 18. bis 20. Juni in Sendenhorst ausgetragen wird, qualifizieren, wuchsen manche Formationen geradezu über sich hinaus. In der Kategorie Klassik lagen diesmal, im Gegensatz zum letzten Landes-Contest 2007, allerdings keine Anmeldungen vor.

Für das Rahmenprogramm des beliebten Festivals hatten die Veranstalter neben anderen Formationen, das bekannte A-Cappella-Sextett „6-Zylinder“ eingeladen. Wegen Krankheit eines Mitsängers mussten die sechs Herren aus Münster jedoch leider absagen. Die Gruppe „High Five“ aus Offenburg sprang kurzfristig ein. Während sich die Juroren zwischen den Wettbewerben zur Beratung zurückzogen, konnten sich die teilnehmenden Gruppen auf einer „offenen Bühne“ zwanglos präsentieren und in lockerer Atmosphäre mit den Gästen auf Tuchfühlung gehen.

Auch die Juroren gaben auf Anfrage wertvolle Ratschläge, um die eigene gesangliche Darbietung zukünftig besser zu gestalten. Außerdem hatte der Cheforganisator des Festivals, Matthias Greifenberg, den Beatboxer „Pete the Beat“, Peter Stohl, verpflichtet. Der bekannte Vocal Percussionist bot im Keller des Gebäudes Workshops zum Thema Mouth Drumming an. Der schnell hintereinander gesprochene Fragesatz: „Biste bekifft, biste bekifft, biste bekifft?“, erzeugte schon ein brauchbares Ergebnis in Sachen Schlagzeugimitation mit einfachen Mitteln.

Für Matthias Greifenberg sind die Atmosphäre und das Flair, die diese Art von Gesangsveranstaltungen prägt, von großer Bedeutung. Hermann Otto, Präsident des Chorverbandes NRW ergänzt: „Neben den traditionellen Chören hat sich in den letzten Jahren eine größer werdende Zahl von Vokalensembles gebildet, die weitestgehend in einer freien Szene agieren.“ Ziel sei, dieser Szene eine landes- und bundesweite Bühne zu geben und damit eine Vernetzung Gleichgesinnter zu schaffen.

Der Chorverband ist mit mehr als 3000 Chören und rund 250 000 Sängern der mitgliederstärkste Kulturverband in NRW. Die sehr lebendige deutsche A-cappella-Gesangsszene wird auch eindrucksvoll durch fantasievolle Ensemble-Namen und ganz unterschiedliche Musikstilrichtungen beschrieben. Während beispielsweise die Bonner „Klangküsse“ gesanglich den Rhythmus des Lebens beschreiben, groovt „Die 4te Frau“ mit einem Mann an Bord, der das Quintett mit „ts-ts“ und „tschack-tschack“-Lauten versorgt. Bei „Quattro Voci“ denkt man eher an eine neue Pizzavariante, als an das neu gegründete Herrenquartett aus dem Großraum Köln.

So unterschiedlich die Namen der Gruppen sind, so unterschiedlich ist auch die Art und Weise von Darbietung und Choreographie. Das Quintett „Scampi“ lässt sich mit vorher verteilter Damenunterwäsche auf der Bühne bewerfen. Das Sonsbecker Quartett „GMBH“ dagegen bringt es zusammen schon auf mehr als 80 Jahre Gesangserfahrung.

Obwohl sich die Verantwortlichen mit dem Verlauf des Festivals zufrieden gaben, bleibt abzuwarten, ob sich der alle zwei Jahre stattfindende Landes-Contest NRW in Köln etablieren wird. Zunächst folgt im Juni der Bundes-Contest.

Die ersten Plätze beim Kölner A-cappella-Festival belegten unter den Amateuren: 1. Platz: Bonn Voice, Bonn; 2. Platz: Wireless, Bochum; 3. Platz: Klangküsse, Bonn.

Unter den semiprofessionellen Gruppen hat „Dacapella“ aus Köln den ersten Platz erreicht.



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