Von Tilmann P. Gangloff, 25.01.10, 19:00h, aktualisiert 25.01.10, 19:03h
Der promovierte ZDF-Redakteur verabschiedete sich in den 90er Jahren vom traditionellen Erklärfernsehen und begann, Dokumentationen durch rekonstruierte Szenen zu ergänzen. So entstanden ganz neue Spannungsbögen. Am 28. Januar wird Knopp in New York von einer internationalen Vereinigung von TV-Produzenten für sein Lebenswerk ausgezeichnet. ZDF-Intendant Markus Schächter spendet großes Lob: die Redaktion Zeitgeschichte habe unter Knopps Leitung „eine eigene Kunstform der Dokumentation geschaffen“, die sich weltweit in fast 150 Ländern verkaufe.
Ausgerechnet jetzt erhebt der „Focus“ schwere Vorwürfe. Im Zusammenhang mit der ZDF-Reihe „Majestät!“ soll Knopp zehn Tage lang in einem thailändischen Luxushotel residiert haben; sein Auftritt im Rahmen der Reihe habe gerade mal 48 Sekunden gedauert. Leopold Hoesch, Inhaber der beauftragten Kölner Produktionsfirma Broadview TV, ordnet den Vorgang so ein: „Für mich ist der Bericht des »Focus« Teil einer Neiddebatte. Herr Knopp war Teammitglied, die Reise und die Kosten waren mit dem ZDF vorher in verschiedenen Kalkulationsgesprächen mit den Fachabteilungen vereinbart. Aus Sicherheitsgründen wohnte das ganze Team im gleichen Hotel. Preis pro Nacht und Zimmer waren übrigens 138 Euro.“
Auch das ZDF weist die Vorwürfe als „haltlos“ zurück. Knopp sei für „Majestät“ nicht nur als Moderator tätig gewesen, „sondern als Initiator der Reihe insbesondere auch als Leiter des Gesamtprojekts und der jeweiligen Sendung. Als solcher war er bei wichtigen Produktionen dieser Reihe als verantwortlicher und betreuender Redakteur vor Ort.“ Eine gleichfalls bemängelte Neuseelandreise, die Knopp offenbar im Rahmen einer Südsee-Reihe unternommen hat, sei nötig gewesen, weil allein in Neuseeland „eine funktionierende Filmindustrie vorhanden“ sei.
"So beliebt wie Pfarrer Fliege"
An Vorwürfe ganz anderer Art hat Guido Knopp fast schon gewöhnt. In der Satirezeitschrift „Titanic“ hieß es mal sinngemäß, er sei bei Historikern genau so beliebt wie Jürgen Fliege bei Theologen; eine Charakterisierung, auf die Geschichtsprofessoren gern verweisen. Wulf Kansteiner warf Knopp gar „Geschichtspornografie“ vor. Es wird zwar respektiert, dass es Knopp gelungen sei, viele Menschen für deutsche Zeitgeschichte zu interessieren, aber übel nimmt man ihm „seine merkwürdige Hitler-Zentriertheit“, wie es sein Kollege Rainer Wirtz ausdrückt: „Knopp macht sich die Faszination des Bösen zunutze.“ Der Historiker der Universität Konstanz setzt sich seit vielen Jahren kritisch mit der Geschichtsvermittlung im Fernsehen auseinander.
Knopp räumt ein, seine Redaktion habe sich vor allem in den Jahren 1995 bis 2005 intensiv Themen der NS-Zeit gewidmet, in deren Mittelpunkt zunächst aus gutem Grund der Diktator gestanden habe. „Aber es folgten eben auch andere Sendereihen, über Mittäter und Mitläufer. Wir haben uns dabei nicht die Faszination des Bösen zunutzte gemacht, sondern gezeigt, in welche Abgründe die Zeitgenossen eine solche Faszination führte.“
Wirtz sieht in Knopps Filmen zum Nationalsozialismus eine gewisse Doppelbödigkeit, die sich nicht zuletzt im Widerspruch zwischen Wort und Bild zeige: „Im Kommentar wird immer sehr eifrig auf Hitlers Verbrechen und den Holocaust hingewiesen, aber die Bilder erlauben es dem Zuschauer, historischen Machtfantasien anzuhängen. Die Aufnahmen stammen schließlich größtenteils aus dem Propagandamaterial der Nationalsozialisten.“
Auch diesen Vorwurf weist Knopp entschieden zurück: „Man muss die Zuschauer nicht für dumm erklären - und auch nicht die Macher der Filme. Wir diskutieren mit namhaften Historikern und Fachberatern schon im Drehbuchstadium nicht nur über die Fakten, sondern auch über die Gesamtwirkung unserer Dokumentationen bis hin zu einzelnen Sequenzen.“
Reihen wie „Hitler - Eine Bilanz“ (1995) oder „Hitlers Helfer“ (1996/98) erreichtem bis zu acht Millionen Zuschauer. Zum Verdruss der Historiker hat dieser außerordentliche Erfolg und damit die Machart der Filme Schule gemacht auch bei der ARD. Differenziertere Filme zeigten ARD, ZDF oder die dritten Programme, klagt Wirtz, „erst gegen Mitternacht, als Sandmännchen für Intellektuelle.“ Ein Fernsehfilm, erwidert Knopp, sei nun mal „keine Doktorarbeit und hat auch keine Fußnoten.“ Seine Arbeit sieht er trotzdem als Brückenbau zwischen Universitäten und Zuschauern.
Aua
26.01.2010 | 16.46 Uhr | bigtank
an dem Artikel gibt es nicht zu kommentieren, zu kommentieren sind höchstens die meisten Kommentare,den es gibt Leute die kommentieren alles auch…
Mister History???
26.01.2010 | 10.41 Uhr | Luis13
Ich mich warum. Seine Arbeit ist unseriös. Es ist viel mehr Sensationalismus drin als Fakten. Wann kommt die Folge "Hitlers Kanninchen" raus?
Fragwürdig
26.01.2010 | 08.32 Uhr | lee_iacocca
Man kann sich dem Vorkommentator nur anschließen. Knopp besetzt eine sozusagen eine Marktlücke. Ich würde uns allen Wünschen er würde es etwas…
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