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Zwei Kaffee

Anwältin der Eltern

Von Susanne Hengesbach, 27.01.10, 15:50h, aktualisiert 01.02.10, 20:05h

Andrea Kilian bezeichnet sich selbst als „Anwältin der Eltern“. Im Gespräch kritisiert die ehemalige Schul-Direktorin schonungslos die Bildungspolitik. Anzeichen für Verbesserungen sieht sie nicht. Im Gegenteil.

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Andrea Kilian (Bild: Rakoczy)
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Andrea Kilian (Bild: Rakoczy)
In dieser Rubrik sind schon viele Menschen zu Wort gekommen, die in irgendeiner Form Berührung mit Schule haben. Das trifft auch auf Andrea Kilian zu. Überraschend ist diese Begegnung für mich dennoch, weil die 43-Jährige eine Position eingenommen hat, die es als Berufsgattung nicht gibt, obwohl Mütter und Väter von Schülern sich sicher oft einen solchen Menschen wünschten. Über ihre Tätigkeit sagt sie: „Ich betrachte mich als Anwältin der Eltern.“

Ihrer Erzählung nach war Kilian sieben Jahre lang Schulleiterin an Gymnasien in Süddeutschland. Vertraut mit nahezu allen Problemen im schulischen Bereich, lautete einer ihrer Schlüsse: „Eltern erdulden oft viel zu viel und leisten im entscheidenden Moment keinen Widerstand.“ Wogegen sollten sie das Ihrer Ansicht nach?, frage ich. „Gegen Übergriffe seitens der Lehrer. Gegen Lehrer, die Schüler mobben. Aber auch gegen Unterrichtsausfall.“ Ihrer Einschätzung nach, dauert es oft viel zu lange, bis Eltern realisieren, wenn etwas an einer Schule nicht gut läuft. Das sei kein Wunder, da Schulleiter aus Angst vor Rufbeschädigung Missstände in der Regel unter der Decke hielten.

Um die Nöte der oft „extrem verunsicherten“ und vielfach fehlinformierten Eltern wissend, beschloss Kilian, ihre Insiderkenntnisse offen zu legen. Sie habe im vergangenen Jahr ein Buch „Geheimwissen Schule“ geschrieben und damit „ein Nachschlagewerk“ verfasst, das Eltern kontinuierlich in die Hand nehmen können“. Darin fänden sie nicht nur Ratschläge, wie sie sich im Konfliktfall verhalten sollten, sondern auch Tipps, wie sie ihr Kind beim Lernen unterstützen können und worauf sie bei der Schulwahl achten sollten.

Die Neu-Kölnerin legt im Laufe unseres Gesprächs sehr schonungslos den Finger in die Wunden unseres Bildungssystems. Mehrfach fallen die Wörter „Gleichgültigkeit“ und „Frust“. Anzeichen für Verbesserungen sieht sie nicht, im Gegenteil. Das neue Schlagwort von der „demographischen Rendite“, sei Augenwischerei. Sinkende Kinderzahlen garantierten keineswegs, dass künftig für jedes einzelne mehr Geld bleibe.

Wie reagieren Menschen - was erzählen sie, wenn man sie auf der Straße anspricht und zum Kaffee einlädt?



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