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Ausstellung

Energische Farbhiebe

Von Jürgen Kisters, 28.01.10, 14:56h, aktualisiert 28.01.10, 14:59h

Die Richter-Schülerin Bettina Mauel präsentiert ihre Malerei in St. Theodor. Ihre Arbeiten sind ganz der Richterschen Kunstwelt verpflichtet.

Bettina Mauel
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Natur ist ein zentrales Motiv in der Malerei von Bettina Mauel. (Bild: Kisters)
Bettina Mauel
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Natur ist ein zentrales Motiv in der Malerei von Bettina Mauel. (Bild: Kisters)
Vingst - Bettina Mauel hat bei Gerhard Richter an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert. Das schreibt die Künstlerin (Jahrgang 1959) in ihrem Lebenslauf. Und beim erklärten Meister der zeitgenössischen Malerei gelernt zu haben, ist Auszeichnung und Bürde zugleich. Man kann dahingestellt lassen, ob die große kulturelle Wertschätzung Richters berechtigt ist oder nicht. Die in kraftvolle Farben getauchte Malerei von Bettina Mauel zeigt sich jedenfalls ganz der Richterschen Kunstwelt verpflichtet. Das heißt: detailgenaue Malerei auf der einen Seite, häufig akzentuiert mit dem Mittel einer Verschwommenheit, welche die Wirklichkeit ins Licht des Geheimnisses tauchen soll. Auf der anderen Seite steht die freie gegenstandslose Abstraktion, die ihre Farben schwungvoll über die Leinwand zieht.

Pflegt Gerhard Richter diese beiden malerischen Ansätze jeweils parallel zueinander auf verschiedenen Leinwänden, bringt Mauel sie in einigen Gemälden zusammen. Über die Landschaft aus laublosen Sträuchern oder das Motiv eines knochigen Baumes setzt sie die abstrakte Spur. Als wolle sie die zuvor gemalten Gegenstände mit einem energischen Farbhieb wieder vom Tisch wischen. Oder als wolle Bettina Mauel ihnen eine Bewegung und Dynamik einhauchen, die ihnen in der realistischen Darstellung fehlt.

Wie entschlossen wirken dieser Malerei gegenüber die entschiedenen malerischen Hiebe der Impressionisten oder Expressionisten, die dem Gegenstand Leben und Tod, Poesie und Drama einhauchen. Und wie entschlossen wirken demgegenüber die sachlichen oder unheimlichen Zuspitzungen in der fotorealistischen oder fantastischen Malerei. Und wie entschlossen wirken dagegen die impulsiven Würfe abstrakt-expressiver Maler, die jede Bindung an vorgegebene Strukturen überwinden wollen. Bettina Mauel scheint das künstlerische Problem ihres Lehrers Richter geerbt oder sogar bewusst übernommen zu haben. Ihre realistischen Darstellungen erscheinen seltsam statisch, sogar wenn sie eine Tänzerin beim Tanz oder Bäume im Wind malt. So bleibt im Grunde nur der abstrakte, additive Zusatzschwung, um die Szenerie aufzumischen und jene Bewegtheit zum Ausdruck zu bringen.

Die interessantesten Bilder in der Ausstellung sind daher die beiden Großformate, in denen beide Tendenzen im Motiv der Naturdarstellungen einander durchdringen. Dennoch bleibt Bettina Mauel auch dann in einer seltsamen Unentschiedenheit gefangen, die auch der Kunst von Gerhard Richter stets anhaftet. Aber vielleicht wird darin stärker als in jedem Motiv der derzeitige Charakter der gegenwärtigen Kultur sichtbar. Nicht als erklärtes Thema, sondern in der Art des malerischen Vorgehens. In dem eben, was zwischen den Farben schwingt.

Pfarrkirche St. Theodor, Burgstraße 42, So 12-13 Uhr, bis 10.2.



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