Erstellt 28.01.10, 01:14h
HEINZ FISCHER-HEIDLBERGER: Unser Bericht ist nur ein Zwischenbericht, der prüfen soll, ob eine Gebührenanpassung noch in der laufenden Gebührenperiode notwendig ist. Das ist unserer Ansicht nach nicht der Fall. Die Anstalten fürchten, dass ihre Einnahmen geringer ausfallen als zuvor angenommen. Wir glauben, dass die Größenordnung nicht so gravierend ist. Wir sehen noch erhebliche Sparpotenziale, zum Beispiel bei den Produktionskosten vergleichbarer Sendungen wie beim Talk oder bei den Magazin-Sendungen. Da gibt es Sendungen, die doppelt soviel kosten als vergleichbare andere. Auch im Hörfunk gibt es zwischen den Anstalten erhebliche Preisunterschiede bei den Minutenkosten. Da kann man noch was tun.
Sie fordern einen schnelleren Personalabbau. Nun sagen die Intendanten, wir wollen wir lieber Arbeit erhalten. Wie kann es ohne Stellenverluste gehen?
FISCHER-HEIDLBERGER: Wenn man keine Stellen streicht, muss man andere Möglichkeiten finden. Wir haben bei unserem 16. Bericht bei der Gebührenfestsetzung Wirtschaftlichkeitsauflagen gemacht: bei der ARD sollen 300 Stellen, beim ZDF 50 Stellen eingespart werden. Um diesen Finanzaufwand haben wir die Gebühreneinnahmen gemindert. Wir haben jetzt geprüft, ob die Auflage umgesetzt wurde. Das ist bei der ARD nicht der Fall. Wenn die ARD dieser Vorgabe nicht folgt, kann sie sich aber nicht darüber beklagen, dass ihr Mittel fehlen. Hintergrund ist: Die kleineren Anstalten kommen mit erheblich weniger Personal aus. Wir meinen, auch die vier großen Anstalten können Personal einsparen, ohne dass dies an die Substanz geht.
Sie fordern die Anstalten auf, Gebührenmuffel konsequenter aufzuspüren. Wie soll das ohne radikalere Schnüffelmethoden gehen?
FISCHER-HEIDLBERGER: Ich habe von solchen Methoden auch gelesen. Aber ich denke, es gibt auch andere Methoden, die Zahlungsbereitschaft insbesondere unter jungen Menschen zu erhöhen. Dazu gehören auch Aufklärungskampagnen.
Teure Produktionen stehen auf der Kippe. Kann es wirklich sein, dass ein Sender wie der WDR sich keine wöchentliche Ü-Wagen-Sendung mehr leisten kann?
FISCHER-HEIDLBERGER: Ob solche Ausgaben beim WDR noch gerechtfertigt sind, kann ich nicht sagen. So tief wollen und können wir gar nicht prüfen. Grundsätzlich ist es so: Die Anstalten erhalten Gebühren, mit denen sie bis zum Ende der Gebührenperiode auskommen müssen. In der Ausgabengestaltung sind sie frei.
ARD und ZDF haben über acht Milliarden Euro Jahresetat. Muss man da am Programm sparen oder die Strukturen verändern?
FISCHER-HEIDLBERGER: Das ist eine politische Frage. Anstalten und Länder sind aufgefordert, darüber nachzudenken, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk in den nächsten zehn Jahren so weiter finanziert werden kann und soll. 2020 werden wir zwei Millionen Einwohner weniger in Deutschland haben. Das sind auch zwei Millionen weniger Zahler. Man sollte prüfen, ob all das, was heute möglich ist, zukünftig noch bezahlbar ist. Dies zwingt dazu, über Strukturveränderungen nachzudenken. Auch Kooperationen bietet ein beträchtliches Sparpotenzial.
Das Gespräch führte Rüdiger Heimlich| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
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