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Leitartikel zu Afghanistan

Geld statt Soldaten

Von Jan W. Brügelmann, 28.01.10, 23:01h, aktualisiert 27.02.10, 16:37h

Die Alliierten haben keine Lust mehr auf das Wagnis Afghanistan. In London hat man beschlossen, dass die Afghanen wieder selbst für ihre Sicherheit sorgen sollen. Nun soll Geld den Frieden bringen. Eine zweifelhafte Strategie.

Karsai
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Umstritten: Afghanistans Präsident Karsai. (Bild: Getty)
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Umstritten: Afghanistans Präsident Karsai. (Bild: Getty)
Seit vielen Jahren beschäftigt Afghanistans Schicksal die internationale Staatengemeinschaft und geändert hat sich eigentlich nicht viel. Hamid Karsai ist immer noch Präsident und kann sich auf wachsende Hilfszusagen und die ausländischen Truppen verlassen - obwohl es massive Kritik an seiner Regierungsführung gibt und die Kompetenz seines Kabinetts bezweifelt wird. Dessen ungeachtet wurde jetzt in London ein Strategiewechsel beschlossen. Die fremden Soldaten sollen abziehen und statt dessen noch mehr Geld fließen für neue Straßen, Schulen, Häuser und Fabriken.

Für ihre Sicherheit sollen die Afghanen künftig selbst sorgen. Die USA und ihre Verbündeten, darunter die Deutschen in der vordersten Front, wollen Ausbilder schicken und damit einen Einsatz beenden, der zu Hause immer unpopulärer wird. Doch kann dieser Ansatz wirklich gelingen? Afghanistans Armee hat vor mehr als 20 Jahre aufgehört zu existieren, seither üben Warlords die Macht aus. Mehr als 70 Prozent der Rekruten sind Analphabeten, nach acht Jahren Krieg gegen die Taliban gibt es keine afghanische Brigade, die ohne ausländische Unterstützung einsatzfähig wäre. Es gibt kaum Offiziere, ganz zu schweigen von logistischer Unterstützung, ohne die keine moderne Streitkraft funktionieren kann.

Allenfalls halbherzig ist der Ansatz, aussteigewilligen Taliban-Kämpfern eine Prämie zu zahlen und dabei zwischen „Moderaten“ und „Radikalen“, zwischen Guten und Bösen zu unterscheiden. Ohne die afghanischen Taliban-Führer im pakistanischen Exil wird es keine politische Lösung geben. Die westliche Staatengemeinschaft wird noch sehr lange einen Prozess begleiten - und bezahlen - müssen, dessen Ende völlig offen ist. Dass es eines Tages eine starke afghanische Zivilgesellschaft gibt, in der radikale Islamisten keine Chance haben, bleibt eine Hoffnung - mehr nicht. Auch nicht nach acht Jahren Krieg.



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