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Zum Schauspielhaus-Streit

Im Zweifelsfall Volksbefragung

Erstellt 28.01.10, 21:52h, aktualisiert 03.02.10, 10:05h

Die Kölner haben gute Gründe, den Rat bei der Schauspielhaus-Planung im Auge zu behalten. Daher ist das Bürgerbegehren zum Stopp des Altbau-Abrisses begrüßenswert. Ein Beitrag des Herausgebers des „Kölner Stadt-Anzeiger“, Alfred Neven DuMont.

Schauspielhaus / Oper
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Das Kölner Schauspielhaus (links) soll nach einem Beschluss des Rates vom 18. Dezember am Offenbachplatz neu gebaut werden. Zugleich wird das Opernhaus (Mitte) saniert. Eine Initiative will den Abriss des Riphahn-Baus nun mit einem Bürgerbegehren verhindern. (Bild: Worring)
Schauspielhaus / Oper
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Das Kölner Schauspielhaus (links) soll nach einem Beschluss des Rates vom 18. Dezember am Offenbachplatz neu gebaut werden. Zugleich wird das Opernhaus (Mitte) saniert. Eine Initiative will den Abriss des Riphahn-Baus nun mit einem Bürgerbegehren verhindern. (Bild: Worring)
Hitler ist an allem Schuld. Als in der zweiten Hälfte der späten vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Altvorderen der Länder, die als unangefochtene Demokraten das Nazi-Regime überlebt hatten, sich in Herrenchiemsee zusammengesetzt hatten, um das Grundgesetz für die zukünftige Bundesrepublik Deutschland zu verfassen, waren sie getragen von der Furcht vor der Willkür des Volkes, der Massen. Zugegeben, die Massen haben Hitler nach oben gespült, und das war der Anfang einer grausigen Tragödie. Da sollte im Parlament ein Bollwerk entstehen. Letzten Endes verleugnet dies, dass die Repräsentanten eines Staates nur das Spiegelbild der Bevölkerung darstellen. So kam es, dass das Plebiszit in der Bundesrepublik Deutschland eine mehr als stiefmütterliche Rolle im öffentlichen Leben spielt. Andere Länder beschließen per Plebiszit, also Volksbefragung, über Europa. Deutschland, wir, die unmündigen Bürger, werden durch unsere allzu klugen und weisen Politiker vertreten. Dass darunter die Achtung für die Demokratie in der Bevölkerung sinkt, wird als Resultat von den Politikern gerne in Kauf genommen.

Viele schlechte Erfahrungen

Die Bürger der Stadt Köln haben angesichts der jüngeren Geschichte der Stadt allen Grund, den Rat der Stadt Köln und die Spitzen-Repräsentanten im Auge zu behalten. Da sind genug Beispiele anzuführen, ganz vorne natürlich der Einsturz des Stadtarchivs. Aber auch kleinere Beispiele fallen ins Gewicht, so das jahrelange Verneinen des Rates der Stadt Köln, eine großzügige Stiftung eines Bürgers anzunehmen, aus rein formalen Gründen. Der Stifter hatte sich bereit erklärt das Stadtmuseum, eines der Juwele dieser Stadt, baulich zu verdoppeln und damit inhaltlich die Attraktivität wesentlich zu steigern. Es ist schon einigermaßen erschütternd, dass so ein Geschenk den Kölner Bürgern von den verantwortlichen Stadtvätern bewusst vorenthalten wird.

Wenn sich jetzt eine Bürgerbewegung aufmacht, um die Beschlüsse, die zu der Um- und Neugestaltung von Oper- und Schauspielhaus führen, anzuzweifeln, erscheint dieser Impuls unter den gegebenen Umständen als durchaus begrüßenswert. Hinzu kommt, dass, wenn sich jetzt die Verantwortlichen zu der vorliegenden Vorlage der Stadt Köln lauthals bekennen, einschließlich des neuen Oberbürgermeisters, der eigentlich neu anfangen wollte, das noch lange kein Indiz für eine überzeugende Priorität ist. Schon beim ersten Betrachten der Situation kommt es beim Bürger merkwürdig an, dass in einer Zeit, wo eine Stadt wie Köln im wahrsten Sinne des Wortes pleite ist, sie sich jetzt plötzlich einen Neubau für das Schauspielhauses leisten möchte. Erstaunlich! Dieser Schritt ist nie richtig der Bevölkerung deutlich gemacht worden, ist vielleicht auch gar nicht deutlich zu machen. Es scheint so zu sein, dass sein muss, was geplant ist, die Stadt also auf Biegen und Brechen ihre alten Pläne verwirklichen will. Ärgerlich wird es erst, wenn man erfährt, dass der Neubauplan des Schauspielhauses, wenn man alt und neu gegenüberstellt, die wesentlich teurere Version darstellt.

Sicher lassen sich die beiden Konzeptionen, die auch gestern noch einmal im Kölner Stadt-Anzeiger ausgebreitet worden sind, nicht exakt berechnen. So muss man von den gegebenen Zahlen von heute ausgehen. Hinzu kommt der Verdacht, dass, wenn der kostspielige Neubau des Schauspielhauses durchgeführt worden ist, es später zu Einsparungen im Spielbetrieb führen kann.

Es ist vor diesem Hintergrund nicht unerheblich, ob sich die Kölner Bürger mit ihrem Engagement durchsetzen werden. Ich persönlich möchte den Initiatoren Erfolg wünschen und anmelden, dass ich mich in meiner Eigenschaft als Ehrenbürger dieser Stadt gerne hinter die grundsätzliche Überlegung der Initiatoren stelle.



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