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Kommentar zur Nachhilfe

Kein Vertrauen ins Schulsystem

Von Kerstin Meier, 28.01.10, 22:14h

Die aktuellen Zahlen über Nachhilfe sind ein Armutszeugnis für das deutsche Schulsystem. Eltern trauen den angestellten Lehrern offenbar nicht mehr zu, ihre Kinder fit für das Arbeitsleben zu machen. Aber es geht auch anders.

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1,1 Millionen Kinder erhalten in Deutschland Nachhilfe. (Bild: dpa)
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1,1 Millionen Kinder erhalten in Deutschland Nachhilfe. (Bild: dpa)
Mehr als eine Million Schüler nehmen regelmäßig Nachhilfe - das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Dafür bezahlen deutsche Eltern im Jahr bis zu 1,5 Milliarden Euro. Erfreuliche Zahlen - schließlich belegen sie, dass Deutschlands Schüler sogar außerhalb der Schulzeit noch fleißig lernen, anstatt mit ihren Freunden im Einkaufszentren rumzulungern. Außerdem ist durch die Nachhilfe ein Arbeitsmarkt mit ansehnlichem Umsatz entstanden. Eine Art Schatten-Schulsystem, ein Segen vor allem für arbeitslose Lehrer und Studenten.

Warum die Studie jenseits der Ironie ein Armutszeugnis für das deutsche Schulsystem ist? Weil nicht alle Eltern ihre Kinder jeden Donnerstagnachmittag zum promovierten Mathematiker schicken können, der Viertklässler mit Rechenschwäche fit fürs Gymnasium macht. Nicht zufällig lautet der Slogan des Nachhilfe-Unternehmens „Schülerhilfe“: „Mehr wissen, mehr Chancen.“ Andersherum bringt der Slogan das Problem auf den Punkt: Weniger teure Nachhilfe, weniger Chancen. Da niemand gerne unnötig Geld ausgibt (selbst die nicht, die genug davon haben), bedeuten Millionen für Nachhilfe: Eltern trauen der Schule nicht zu, ihre Kinder angemessen zu fördern. Und Eltern haben große Angst, dass ihr Kind auf einer Real- oder Hauptschule kaum Karrierechancen hat. Deswegen kommen Nachhilfelehrer vor allem am Ende der Grundschulzeit zum Einsatz.

Internationale Beispiele wie Kanada oder die Niederlande zeigen, dass es auch ohne die Schattenschule geht. Denn dort kommen die Schüler laut Bertelsmann-Stiftung weitgehend ohne Nachhilfe aus und haben nach einem anstrengenden Schultag Zeit, ganz entspannt mit ihren Freunden im Einkaufszentrum rumzulungern.



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