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Rosenmontagszug

Zwei Geheimwagen für Afrika

Von Anja Katzmarzik, 29.01.10, 15:13h, aktualisiert 30.01.10, 11:01h

Diese Überraschung ist gelungen: Wolfgang Niedecken, BAP-Frontmann und bekennender Karnevalsflüchtling, hat die zwei Geheimwagen erdacht, die am Freitag vorgestellt worden sind. Und es wird politisch: bei beiden geht es um das Thema Afrika.

Rosenmontagszug Niedecken
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Weckjezäppt!
Einer der beiden Geheimwagen, die von Wolfgang Niedecken erdacht wurden, zeigt ein Wohlstands-müdes Ehepaar, das versucht, an Afrika-Problemen wie Flüchtlingsbooten und Aids vorbeizuschalten. (Bild: Worring)
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Einer der beiden Geheimwagen, die von Wolfgang Niedecken erdacht wurden, zeigt ein Wohlstands-müdes Ehepaar, das versucht, an Afrika-Problemen wie Flüchtlingsbooten und Aids vorbeizuschalten. (Bild: Worring)
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Der zweite Wagen mit einer Darstellung von Industriemagnaten und Politbossen, die sich dank Kinderarbeit die Taschen voll machen. (Bild: Worring)
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BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken goes Karneval: Von ihm stammt die Idee für die beiden Geheimwagen zum Thema Afrika. (Bild: Worring)
Rosenmontagszug Niedecken
Rosenmontagszug Niedecken
Köln - „Nit för Kooche“ - aber für Afrika: Dem Festkomitee Kölner Karneval ist es gelungen, BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken als Ideengeber für zwei Persiflage-Themen im Rosenmontagszug zu gewinnen. Der bekennende Karnevalsflüchtling hatte 1982 mit einem gleichnamigen Lied den Eindruck erweckt, als wollte er um keinen Preis etwas mit dem organisierten Karneval zu tun haben.

„Das ist jedoch in einer ganz anderen Situation entstanden - und wirklich verdammt lang her“, rechtfertigte Niedecken seine Zusage zu der wohl überraschendsten Zusammenarbeit im Karneval. So konnte Zugleiter Christoph Kuckelkorn „das Idol meiner Jugendzeit“ am Freitag als Ideengeber zweier Geheimwagen präsentieren, deren Themen im Karnevalsmuseum vorgestellt wurden.

Der eine Entwurf wird an 37. Stelle im Zoch erwartet und zeigt ein Wohlstands-müdes Ehepaar, dass Afrika-Probleme wie Flüchtlingsboote und Aids versucht weg zu „zappen“. Der zweite folgt als nächster Persiflage-Wagen mit der Nummer 39 mit einer Darstellung von Industriemagnaten und Politbossen, die sich dank Kinderarbeit die Taschen voll machen. Die Aktion, für die sich Niedecken engagiert, kümmert sich unter anderem um die Wiedereingliederung von Kindersoldaten und klärt über die Zusammenhänge von Krieg und wirtschaftlicher Bereicherung durch die „erste Welt“ auf. Mit den beiden Wagen will er einen Finger in eine Wunde legen, aber niemanden die Stimmung verderben. „Auch bei mir ist manchmal der Bedarf an Grausamkeiten gedeckt. Ich schließe mich da gar nicht aus.“

Weil sich Kuckelkorn das Thema Afrika gewünscht hatte, hatte er Niedecken als langjährigen Botschafter der Aktion „Gemeinsam für Afrika“ als fachlichen Berater angefragt - und der sagte zur Überraschung aller zu. Auch für Niedecken kam das Angebot unerwartet. Für ihn sei das Thema seiner angeblichen Feindschaft zum Festkomitee „schon lange gegessen“. Der Künstler schwärmt von einer Kindheit am Severinstor, wo er vom Fenster aus den Zoch verfolgte - und das er vor allem das Spiel um „Jan und Griet“ und die Nubbelverbrennung liebte. Er erinnert daran, dass er sogar einmal bei der alternativen Sitzung namens „Schnieke Prunz“ auf der Bühne stand - und wirkt nun erleichtert: „Da waren viele Klischees im Umlauf.“

Niedecken, der deshalb während Karneval immer weite Reisen unternahm, wird sich in diesem Jahr den Zoch wahrscheinlich sogar live angucken und staunt immer noch über diese Tatsache. Das Angebot einer Mitfahrt auf dem Zugleiter-Wagen musste er wegen eines Innenband-Risses, der ihm langes Stehen verbietet, jedoch ablehnen. So wird er wohl auf einer Tribüne zu finden sein - aber gut kostümiert. „Meine Frau ist komplett jeck und schafft es sicher, mir ein Kostüm zu basteln, in dem ich unerkannt bleibe. Vielleicht komm ich ja in Burka.“

Nach mehrtägigen gemeinsamen Diskussion im Team mit Kuckelkorn sowie den Wagenbauern Ernst Edgar Hillebrenner und Dietmar Willms packt das Festkomitee damit nach dem Guantanamo-Wagen vom vergangenen Jahr wieder ein heikles Menschenrechtsthema an, das aus seiner Sicht in der Öffentlichkeit nicht genug Beachtung findet.

Eine Karnevalskarriere der Band BAP schließt Niedecken - trotz Annäherung und politischer Arbeit für den Zoch - aus. „Es gibt ja auch noch andere Jungs, die ihre Familien satt kriegen müssen. Wir bleiben eine Rock and Roll-Band.“



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