Von Anja Katzmarzik, 29.01.10, 15:13h, aktualisiert 30.01.10, 11:01h
„Das ist jedoch in einer ganz anderen Situation entstanden - und wirklich verdammt lang her“, rechtfertigte Niedecken seine Zusage zu der wohl überraschendsten Zusammenarbeit im Karneval. So konnte Zugleiter Christoph Kuckelkorn „das Idol meiner Jugendzeit“ am Freitag als Ideengeber zweier Geheimwagen präsentieren, deren Themen im Karnevalsmuseum vorgestellt wurden.
Der eine Entwurf wird an 37. Stelle im Zoch erwartet und zeigt ein Wohlstands-müdes Ehepaar, dass Afrika-Probleme wie Flüchtlingsboote und Aids versucht weg zu „zappen“. Der zweite folgt als nächster Persiflage-Wagen mit der Nummer 39 mit einer Darstellung von Industriemagnaten und Politbossen, die sich dank Kinderarbeit die Taschen voll machen. Die Aktion, für die sich Niedecken engagiert, kümmert sich unter anderem um die Wiedereingliederung von Kindersoldaten und klärt über die Zusammenhänge von Krieg und wirtschaftlicher Bereicherung durch die „erste Welt“ auf. Mit den beiden Wagen will er einen Finger in eine Wunde legen, aber niemanden die Stimmung verderben. „Auch bei mir ist manchmal der Bedarf an Grausamkeiten gedeckt. Ich schließe mich da gar nicht aus.“
Weil sich Kuckelkorn das Thema Afrika gewünscht hatte, hatte er Niedecken als langjährigen Botschafter der Aktion „Gemeinsam für Afrika“ als fachlichen Berater angefragt - und der sagte zur Überraschung aller zu. Auch für Niedecken kam das Angebot unerwartet. Für ihn sei das Thema seiner angeblichen Feindschaft zum Festkomitee „schon lange gegessen“. Der Künstler schwärmt von einer Kindheit am Severinstor, wo er vom Fenster aus den Zoch verfolgte - und das er vor allem das Spiel um „Jan und Griet“ und die Nubbelverbrennung liebte. Er erinnert daran, dass er sogar einmal bei der alternativen Sitzung namens „Schnieke Prunz“ auf der Bühne stand - und wirkt nun erleichtert: „Da waren viele Klischees im Umlauf.“
Niedecken, der deshalb während Karneval immer weite Reisen unternahm, wird sich in diesem Jahr den Zoch wahrscheinlich sogar live angucken und staunt immer noch über diese Tatsache. Das Angebot einer Mitfahrt auf dem Zugleiter-Wagen musste er wegen eines Innenband-Risses, der ihm langes Stehen verbietet, jedoch ablehnen. So wird er wohl auf einer Tribüne zu finden sein - aber gut kostümiert. „Meine Frau ist komplett jeck und schafft es sicher, mir ein Kostüm zu basteln, in dem ich unerkannt bleibe. Vielleicht komm ich ja in Burka.“
Nach mehrtägigen gemeinsamen Diskussion im Team mit Kuckelkorn sowie den Wagenbauern Ernst Edgar Hillebrenner und Dietmar Willms packt das Festkomitee damit nach dem Guantanamo-Wagen vom vergangenen Jahr wieder ein heikles Menschenrechtsthema an, das aus seiner Sicht in der Öffentlichkeit nicht genug Beachtung findet.
Eine Karnevalskarriere der Band BAP schließt Niedecken - trotz Annäherung und politischer Arbeit für den Zoch - aus. „Es gibt ja auch noch andere Jungs, die ihre Familien satt kriegen müssen. Wir bleiben eine Rock and Roll-Band.“
Mit Persiflage-Wagen: Künstler-Demo
Bildergalerie: Die Wagen des Rosenmontagszugs
Linktipp: Gemeinsam für Afrika
Die...
31.01.2010 | 20.48 Uhr | mengel08
...Anbiederung des ehemaligen Protestsängers Wolfgang N. an die Karnevalsbonzen muss man vor dem Hintergrund sehen, dass er mit zunehmenden Alter…
Zwei Geheimwagen für Afrika
30.01.2010 | 14.00 Uhr | Hilfskraft
meinetwegen können die auch geheim bleiben.
Dieser angepaßte, oportune Kladeradatsch ist nur für die Stadtkasse wichtig.
H.
Loss et sin
30.01.2010 | 13.33 Uhr | paul2008
schlimm genug das uns Herr Niedecken mit seinem Zäng huh arsch ussenander geklimper genervt hat. Jetzt muss er auch noch den kölschen Karneval für…
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