Schriftgröße

Auszeichnung

Halb-Marathon mit Multipler Sklerose

Von Susanne Hengesbach, 31.01.10, 19:18h, aktualisiert 31.01.10, 19:19h

Manuel Geiger hat durch den Sport gelernt, besser mit seiner schweren Erkrankung umzugehen. Im vergangenen Oktober lief Geiger den Halb-Marathon - und erhielt von seinem "Club" sogar eine Auszeichnung.

Manuel Geiger
Bild vergrößern
Im Fitness-Club neben dem „Weißhaus“-Kino trainiert Manuel Geiger seine Ausdauerleistung. (Rakoczy)
Manuel Geiger
Bild verkleinern
Im Fitness-Club neben dem „Weißhaus“-Kino trainiert Manuel Geiger seine Ausdauerleistung. (Rakoczy)
Köln - „Wenn Sie durch diese Tür hinausgehen, hat sich ihr Leben komplett verändert. Und Sie werden nichts mehr so machen können wie bisher!“ Manuel Geiger wird diesen Moment im Mai 2006 nie vergessen, als ihn sein Arzt mit diesen Worten entließ. Ihm war zwar bewusst, dass mit seinem Körper irgendwas nicht stimmte. Er hatte schon seit Wochen ein taubes Gefühl in den Beinen, fühlte sich müde, antriebslos und konnte kaum lesen, „weil die Buchstaben verrutschten“. Du wirst wahrscheinlich eine Brille brauchen, denkt er sich. Als er Wochen später nach unzähligen Untersuchungen und Tests mit der Diagnose Multiple Sklerose konfrontiert wird, ist der damals 22-Jährige fassungslos. Er war erst vor kurzer Zeit von seinem Heimatort in der Nähe von Ravensburg nach Köln gezogen. Hatte ein Studium „Versicherungswesen“ begonnen und jobbte nebenher in einem Versicherungsbüro.

Eigentlich sollte sein Leben gerade erst richtig beginnen. Doch dann scheint binnen kürzester Zeit alles wegzubrechen: Seine Beziehung geht zu Ende, er verliert seinen Job, weil man ihn für unzuverlässig hält, und ihm wird der Studienkredit entzogen, weil er die erforderlichen Leistungsnachweise nicht erbringen kann. „Ob Sie Grippe haben oder was anderes, ist uns egal“, bekommt er zur Antwort, als er seine Ausfälle mit der Krankheit begründet. Es ist der Tiefstand in seinem Leben, der Augenblick, in dem er sich ernsthaft fragt: „Warte ich jetzt nur noch bis ich im Rollstuhl sitze oder spring ich gleich vom Balkon?“

Manuel hatte damals noch keine Freunde in Köln. Aber er hat Eltern, die ihn seelisch und finanziell stützten. Trotzdem weiß er nicht, wie es weitergehen soll. Er, der seine „ganze Jugend Fußball gespielt“ hatte, liegt noch im Bett und starrt buchstäblich an die Decke, weil er weder lesen noch fernsehen kann. Eines Tages sagt sein Vater zu ihm, dass er sich entscheiden müsse. Für oder gegen das Leben. Der Sohn, inzwischen gut 15 oder gar 20 Kilo schwerer als früher, entscheidet sich dafür. Obwohl der Arzt Bedenken äußert, meldet er sich im Fitness-Studio auf der Bonner Straße an.

Es dauert nicht lange, bis er Veränderungen spürt. „Ich konnte mich wieder besser konzentrieren.“ Die grippeähnlichen Symptome, die sich fast jeden Abend nach der Medikamenten-Spritze einstellten, werden schwächer. Geiger erlebt zwar immer wieder gesundheitliche Rückschläge, aber er verliert sein Ziel nicht aus den Augen. „Ich muss die Krankheit in mein Leben mit einbeziehen!“

Der heute 26-Jährige hat insofern Glück, dass ihm Disziplin leicht fällt. Er weiß, dass sich lange, alkoholreiche Nächte sofort rächen. Also meidet er sie. Er bedauert, dass „die Unbeschwertheit weg“ ist, glaubt auf der anderen Seite jedoch, auch etwas dazugewonnen zu haben. Früher habe ihn körperliches Training oft Überwindung gekostet. Heute gehe er mit Freude hin. Drei- oder viermal in der Woche, je nachdem, was ihm sein Körper morgens rät.

Als Manuel Geiger 2008 gemeinsam mit seinem Bruder einen Fernsehbericht über den Kölner Marathon sieht, steht sein Ziel fest: „2009 will ich dabei sein!“

Sein Arzt habe daraufhin gemeint, „ich spinne“, berichtet Geiger lächelnd. Rückblickend kann er das medizinische Veto besser verstehen. „Ich darf mich nicht auspowern. Sonst rächt sich der Körper sofort.“

Der inzwischen in Sülz wohnende Student kann nicht wie andere Läufer nach einem festgelegten Programm trainieren. Er muss seinen Streckenplan dem Tagesbefinden anpassen und öfter auch feststellen: „Heute geht es gar nicht!“ Wenn er Rückschläge durch die Krankheit erlebt, denkt er an seine Fußball-Vorbilder und daran, dass sich ein Oliver Kahn nach Niederlagen und Enttäuschungen auch „immer wieder neu motivieren muss“.

Seine Disziplin und sein Durchhaltevermögen - egal ob auf dem Laufband oder am Crosstrainer oder auf der Strecke rund um den Decksteiner Weiher - haben sich ausgezahlt. Im vergangenen Oktober lief Geiger den Halb-Marathon in Köln in zwei Stunden und neun Minuten. Für diese Leistung und seinen konsequenten Trainingseinsatz wurde er nun von „seinem“ Club mit dem „Fitness First New You Achievement Award“ ausgezeichnet.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Anzeige


Umfrage

Mehr autofreie Zonen für Köln?
Der Platz vor der Eigelsteintorburg ist schon autofrei, nun soll der Chlodwigplatz folgen. Auch für den Neumarkt schlägt der Masterplan vor, eine Seite für den Verkehr zu sperren. Ist das sinnvoll?


Special


Anzeige




Modisch aufgefallen


Junge Zeiten


Bildergalerien


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Neue ksta.tv-Videos aus Köln




Offene Schulen


Top-Links (Anzeige)



Weitere Serien


ksta shop


Aktuelle Verkehrsinfos


Service


Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Aktion


Aktion



Hintergrund


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste