Von Susanne Hengesbach, 31.01.10, 19:18h, aktualisiert 31.01.10, 19:19h
Eigentlich sollte sein Leben gerade erst richtig beginnen. Doch dann scheint binnen kürzester Zeit alles wegzubrechen: Seine Beziehung geht zu Ende, er verliert seinen Job, weil man ihn für unzuverlässig hält, und ihm wird der Studienkredit entzogen, weil er die erforderlichen Leistungsnachweise nicht erbringen kann. „Ob Sie Grippe haben oder was anderes, ist uns egal“, bekommt er zur Antwort, als er seine Ausfälle mit der Krankheit begründet. Es ist der Tiefstand in seinem Leben, der Augenblick, in dem er sich ernsthaft fragt: „Warte ich jetzt nur noch bis ich im Rollstuhl sitze oder spring ich gleich vom Balkon?“
Manuel hatte damals noch keine Freunde in Köln. Aber er hat Eltern, die ihn seelisch und finanziell stützten. Trotzdem weiß er nicht, wie es weitergehen soll. Er, der seine „ganze Jugend Fußball gespielt“ hatte, liegt noch im Bett und starrt buchstäblich an die Decke, weil er weder lesen noch fernsehen kann. Eines Tages sagt sein Vater zu ihm, dass er sich entscheiden müsse. Für oder gegen das Leben. Der Sohn, inzwischen gut 15 oder gar 20 Kilo schwerer als früher, entscheidet sich dafür. Obwohl der Arzt Bedenken äußert, meldet er sich im Fitness-Studio auf der Bonner Straße an.
Es dauert nicht lange, bis er Veränderungen spürt. „Ich konnte mich wieder besser konzentrieren.“ Die grippeähnlichen Symptome, die sich fast jeden Abend nach der Medikamenten-Spritze einstellten, werden schwächer. Geiger erlebt zwar immer wieder gesundheitliche Rückschläge, aber er verliert sein Ziel nicht aus den Augen. „Ich muss die Krankheit in mein Leben mit einbeziehen!“
Der heute 26-Jährige hat insofern Glück, dass ihm Disziplin leicht fällt. Er weiß, dass sich lange, alkoholreiche Nächte sofort rächen. Also meidet er sie. Er bedauert, dass „die Unbeschwertheit weg“ ist, glaubt auf der anderen Seite jedoch, auch etwas dazugewonnen zu haben. Früher habe ihn körperliches Training oft Überwindung gekostet. Heute gehe er mit Freude hin. Drei- oder viermal in der Woche, je nachdem, was ihm sein Körper morgens rät.
Als Manuel Geiger 2008 gemeinsam mit seinem Bruder einen Fernsehbericht über den Kölner Marathon sieht, steht sein Ziel fest: „2009 will ich dabei sein!“
Sein Arzt habe daraufhin gemeint, „ich spinne“, berichtet Geiger lächelnd. Rückblickend kann er das medizinische Veto besser verstehen. „Ich darf mich nicht auspowern. Sonst rächt sich der Körper sofort.“
Der inzwischen in Sülz wohnende Student kann nicht wie andere Läufer nach einem festgelegten Programm trainieren. Er muss seinen Streckenplan dem Tagesbefinden anpassen und öfter auch feststellen: „Heute geht es gar nicht!“ Wenn er Rückschläge durch die Krankheit erlebt, denkt er an seine Fußball-Vorbilder und daran, dass sich ein Oliver Kahn nach Niederlagen und Enttäuschungen auch „immer wieder neu motivieren muss“.
Seine Disziplin und sein Durchhaltevermögen - egal ob auf dem Laufband oder am Crosstrainer oder auf der Strecke rund um den Decksteiner Weiher - haben sich ausgezahlt. Im vergangenen Oktober lief Geiger den Halb-Marathon in Köln in zwei Stunden und neun Minuten. Für diese Leistung und seinen konsequenten Trainingseinsatz wurde er nun von „seinem“ Club mit dem „Fitness First New You Achievement Award“ ausgezeichnet.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
Foto auf Leinwand günstig vom Testsieger
Werbeagentur Verzeichnis Köln Bonn
Werbeagentur / Internetagentur, Köln
Kfm. Umschulungen + Seminare in Köln
Holzspielzeug gesucht, gefunden, geliebt