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Busbegleiter

„Das Wort ist die Waffe“

Von Jan Sting, 02.02.10, 16:05h

Realschüler aus Opladen sind zu Busbegleitern geschult worden. Die Streitschlichter scheuen keinen Konflikt und lernten vor allem eins: bei Schwierigkeiten stets Ruhe bewahren.

Leverkusen - Wie lernt man Gelassenheit? Ein Training, das in manchem Managerseminar womöglich für viel Geld angeboten wird, erarbeiteten sich 20 Schüler der Theodor-Heuss-Realschule in Opladen jetzt mit der Polizei, der Verkehrswacht und der Wupsi in den vergangenen Wochen selbst. Die Ruhe zu bewahren, wenn Störenfriede drängeln, Füße auf die Sitze hieven, und sie auf die Bitte, sie runter zu nehmen, einfach liegen lassen, diese Fähigkeit macht einen Busbegleiter aus.

Am Montag erhielten die Schüler im Alter zwischen 14 und 16 Jahren nach erfolgreicher Ausbildung mit Wupsi-Busfahrer Andreas Stein und dem Bezirkspolizisten Uli Leyendecker ihre „Fahr-Fair-Ausweise“ samt Passfoto. „Denkt daran: Das Wort ist die Waffe.“ Diesen Tipp gab Leyendecker seinen Schützlingen mit auf den Weg. Und für Vanessa Christ (15) ist klar, dass sie auch dann keinen Streit anzetteln will, wenn sie provoziert wird. Bammel vor ihrem neuen Ehrenamt im Bus habe sie nicht.

Die Ruhe zu bewahren, das lernten die Schüler in selbst erfundenen Rollenspielen. Und Marc Kretkowski, Vorstand der Wupsi, kann nach acht Jahren, die es das Projekt jetzt an mittlerweile acht Schulen in Leverkusen und im Rheinisch-Bergischen Kreis gibt, sagen, dass Gewalt und Vandalismus deutlich zurück gegangen sind. Zwar zahle die Wupsi im Jahr immer noch 70.000 Euro für Reparaturen zum Beispiel demolierter Fenster und Sitze. Doch liege sie damit weit unter den Ausgaben in vielen Vergleichsunternehmen.

Respektspersonen

Egon Hufenstuhl, Geschäftsführer der Deutschen Verkehrswacht in Leverkusen und früher im Wupsi-Vorstand, weiß aus Erfahrung, dass die Busbegleiter anfangs ausgelacht wurden. Mittlerweile würden sie aber in vielen Schulbussen als Respektspersonen angesehen. Sie tragen dazu bei, gewaltträchtige Situationen zu entspannen, können zwischen Streithähnen vermitteln und gefährliche Situationen entschärfen. Auch Richard Knäbe, Konrektor der Theodor-Heuss-Realschule, staunte, wie gut die Busbegleiter unter 961 Schülern der Realschule das Chaos in den Griff bekamen. Er selbst sei an seiner früheren Schule in Mönchengladbach schon zu spät zum Unterricht gekommen, weil der Bus wegen der Drängler nicht vom Fleck kam.



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