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Skandal

Terrys Affäre wird zum Politikum

Von Barbara Klimke, 01.02.10, 21:57h, aktualisiert 02.02.10, 21:21h

Im vergangenen Jahr war er „Vater des Jahres“, doch jetzt steht John Terry am Pranger des Boulevards: Der verheiratete Kapitän der englischen Nationalmannschaft soll eine Sex-Affäre gehabt haben. Sogar die Politik mischt sich ein.

John Terry
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Im Fokus der Boulevard-Blätter: Englands Nationalmannschaftskapitän John Terry soll eine außereheliche Affäre gehabt haben. (Bild: dpa)
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Im Fokus der Boulevard-Blätter: Englands Nationalmannschaftskapitän John Terry soll eine außereheliche Affäre gehabt haben. (Bild: dpa)
LONDON - Außereheliche Beziehungen sind bei Fußballern der englischen Premier League fast schon ein Statussymbol, so wie der Ferrari in der Garage. Wenn es sich bei der Auserwählten noch dazu um ein Unterwäschemodel handelt, zeugt das nach Auffassung eines Großteils der Briten zunächst einmal von gutem Geschmack. Der jüngste Fall sorgt allerdings für Aufruhr auf der Insel. Im Mittelpunkt einer vermeintlichen Affäre steht John Terry, Verteidiger des FC Chelsea und der Nationalmannschaft. Sogar der britische Sportminister schaltete sich ein.

Dem 29-Jährigen wird unterstellt, eine Liaison mit Vanessa Perroncel (28) begonnen zu haben, einer ehemaligen Nachbarin im Örtchen Oxshott in der Grafschaft Surrey, einem der teuersten Fle cken im Land. Vanessa Perroncel war die Lebensgefährtin seines Kollegen Wayne Bridge, der mittlerweile für Manchester City spielt. Am Sonntag trugen die ManCity-Spieler Carlos Tevez, Nigel de Jong und Stephen Ireland im Liga-Match gegen Portsmouth als Sympathiebekundung unter ihren Trikots T-Shirts mit der Aufschrift „Team Bridge“.

Terry, zweifacher Familienvater, gilt als eine Art Vorzeigemann: Nicht nur für jene Briten, die 2009 an einer Umfrage teilnahmen, um ihn zum „Daddy des Jahres“ zu küren. Sondern auch für das englische Fußball-Nationalteam, als dessen Kapitän er fungiert.

Zu den Führungsqualitäten eines Kapitäns gehört nach Meinung des britischen Sportministers Gerry Sutcliffe ein robustes Defensiv-Verhalten, wenn es darum geht, sich die Freundin eines Kollegen vom Leib zu halten - selbst wenn sie, wie in diesem Fall, nur die Ex-Freundin des Kollegen ist. „Auf dem Platz ist John Terry ein fantastischer Spieler und guter Mannschaftsführer“, lautet das sportmoralische Urteil des Ministers. „Aber als Mannschaftsführer hat man einen größeren Verantwortungsbereich für das Land. Falls sich die Anschuldigungen als wahr erweisen - im Moment sind es ja nur Anschuldigungen - muss das Kapitänsamt in Frage gestellt werden“, sagte Sutcliffe am Sonntag in einem TV-Interview. Er kündigte eine Erörterung des Themas mit dem Verband, der Football Association (FA), an.

Damit erhielte eine Angelegenheit, die nur das Ehepaar Terry betreffen sollte, politisches Potenzial. Es ist keine Frage, dass der fußballinteressierte Teil der Nation, einschließlich des Ministers, Gefahr für Englands Chancen bei der WM in Südafrika wittert, falls ein Konflikt in der Mannschaft schwelt.

Das englische Team hatte sich erst vor zwei Jahren weltweit blamiert, als es die Qualifikation für die Europameisterschaft verpasste; übrigens mit Terry als Kapitän, der den damals aussortierten David Beckham beerbte. Die FA hat seitdem enorme Anstrengungen unternommen, um vom ramponierten Image loszukommen. Der neue Nationaltrainer Fabio Capello probierte fast ein halbes Jahr lang diverse Spieler als Mannschaftsführer aus, ehe er die Binde mit großer Geste erneut an Terry übertrug. Entscheidend sei dessen Charakterstärke, hieß es damals, denn der Auserwählte müsse „ein Botschafter für die Mannschaft“ sein. Das Ansehen des Rasen-Diplomaten habe aber nun zumindest in der Kabine erheblich gelitten, schrieb die „Times“, passenderweise auf ihren politischen Seiten.

Terrys Trainer beim FC Chelsea, Carlo Ancelotti, denkt daran, ihm die Kapitänsbinde zu nehmen, die er auch im Verein übernommen hat. „Er hat sein Privatleben zu kontrollieren. Ich kontrolliere das Team“, stellte Ancelotti klar. „Und ich bin stolz darauf, Terry in der Mannschaft zu haben.“ Fabio Capellos Urteil steht noch aus.



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