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NRW

SPD will Turboabitur reformieren

Von Heinz Tutt, 02.02.10, 18:38h, aktualisiert 02.02.10, 18:41h

Sollte die SPD bei den Landtagswahlen im Mai erfolgreich sein, will sie in der Bildungspolitik andere Wege einschlagen. So sollen Gymnasien wählen können, ob sie das Abitur nach zwölf oder 13 Schuljahren anbieten.

Abitur
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Die SPD will bei einem Wahlsieg das Turboabitur reformieren. (Bild: dpa)
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Die SPD will bei einem Wahlsieg das Turboabitur reformieren. (Bild: dpa)
DÜSSELDORF - Für den Fall eines Wahlsiegs im Mai 2010 hat die SPD-Fraktion einen drastischen Wandel in der Bildungspolitik angekündigt. Ein generelles Abitur nach zwölf Jahren werde abgeschafft, sagte die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Ute Schäfer, am Dienstag in Düsseldorf. Schülern soll neben dem Turboabitur auch der Weg offen gehalten werden, nach 13 Jahren die Hochschulreife abzulegen. Den Gymnasien soll in Absprache mit den Schulträgern und den Eltern die Möglichkeit gegeben werden, selbst zu entscheiden, ob sie das Abitur nach zwölf oder 13 Jahren anbieten wollen.

Alle Schulen mit Turboabitur sollen in Ganztagsschulen mit Mensa und Rückzugsmöglichkeiten für Lehrer und Schüler umgewandelt werden. Vor allem die Schüler in Klasse fünf bis sieben müssten von dem unerträglichen Leistungsdruck befreit werden. Weil die Lehrpläne nicht entsprechend angepasst seien, müsste derzeit zehn bis zwölfjährige Schüler inklusive ihrer Hausaufgabenzeit eine Arbeitswoche mit mehr als vierzig Stunden bewältigen. Schäfer: „Das ist ein Arbeitspensum, das oft Berufstätige nicht leisten müssen.“

Schäfer verwies auf Umfragen, wonach nur noch 31 Prozent der Bürger der CDU eine gute Schulpolitik zutrauten. 35 Prozent hätten mehr Vertrauen in eine sozialdemokratisch geprägte Schulpolitik. 60 Prozent hätten sich zudem für längeres gemeinsames Lernen über die Grundschulzeit hinaus ausgesprochen.

Die Lehrergewerkschaft VBE erwartet, dass sich die Landesregierung mit dem Wunsch nach längerem gemeinsamen Lernen auseinander setzt, erklärte VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. Dieser Wunsch zeige sich auf allen Ebenen. Beckmann: „Kommunen beantragen Gesamtschulen oder entwickeln andere Konzepte, um ein wohnortnahes vollständiges Schulangebot in neuer Form anbieten zu können. Eltern wollen, dass die Schulabschlüsse für ihre Kinder möglichst lange offen gehalten werden. Immer mehr Hauptschulen schließen, die Nachfrage nach Plätzen in Gesamtschulen wächst.“ Die Landesregierung dürfe diese Entwicklungen nicht länger ignorieren. Den Vorschlag der SPD-Fraktion, das Abitur alternativ nach 12 oder 13 Schuljahren anzubieten, bezeichnete Beckmann als diskussionswürdig. „Wenn die Nachfrage danach besteht, sollte ein solches Angebot auch geschaffen werden können.“

NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) lehnte ein solches Wahlrecht ab. Dadurch könne das Bild entstehen, es gebe „Gymnasien erster und zweiter Ordnung“. Der Philologenverband warf der SPD eine „Demontage des Gymnasiums“ vor. Der Versuch, diese Schulform abzuschaffen, werde auf heftigen Widerstand bei Eltern, Lehrern und Schülern treffen. „Die Partei der Einheitsschule sollte sich warm anziehen“, sagte der Landesvorsitzende des Philologenverbands, Peter Silbernagel. Auch CDU und FDP kritisierten die Pläne der SPD. Dagegen sagte Grünen-Schulexpertin Sigrid Beer, das Abitur nach zwölf Schuljahren habe den Praxistest nicht bestanden. Die Landesregierung sei auf den doppelten Abiturjahrgang 2013 völlig unzureichend vorbereitet. (mit dpa)



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