Erstellt 07.02.10, 21:01h
Die US-Internet-Firma Zynga, Betreiber des im Juni 2009 gestarteten Spiels, zeigt sich überrascht von dem Erfolg. In einem Interview sagte Gründer Marc Pincus, er habe für Ende des Jahres vielleicht um die fünf Millionen Nutzer erwartet. Aber Spiele wie Farmville erleben in Online-Netzwerken gerade einen Boom. Mit Zynga kann man sich ein Aquarium basteln (Fishville), Haustiere pflegen (Petville), eine Gaststätte führen (Cafe World) oder sich durch die Unterwelt kämpfen (Mafia Wars). Konkurrent Playfish ist mit ähnlichen Spielen wie Gangster City, Pet Society oder Country Story am Start. Im November übernahm der Computerspiele-Entwickler Electronic Arts Playfish. Das ließ sich EA einiges kosten.
Erfahrungspunkte gegen GeldDie virtuellen Welten bringen den Betreibern reales Geld. Bei Farmville zum Beispiel kann man zwar zunächst kostenlos mit Fleiß „Erfahrungspunkte“ sammeln und virtuelles Geld verdienen, um sich Saatgut und Tiere kaufen zu können. Dafür muss der Farmer regelmäßig nach seinen Pflanzen sehen, sonst gehen sie ein. Begehrte Elemente wie Häuser kriegt man aber schneller, wenn man für echtes Geld sein Farmville-Konto auffüllt. Das geht per Kreditkarte oder über den Bezahldienst Paypal.
Kritiker zweifeln allerdings daran, ob alles sauber zugeht in den niedlichen Online-Welten. So sollen Partner von Zynga dubiose Geschäftspraktiken angewandt haben. Sie boten Nutzern Farmville-Geld an, wenn diese Software oder Handy-Klingeltöne kauften. Kritiker wie das IT- Blog TechCrunch sahen dahinter eine Abo-eine Sammelklage gegen Facebook und Zynga. Der Spiele-Anbieter stoppte daraufhin die Abo-Praktiken.
Vage DatenschutzerklärungSpannend wird es auch beim Thema Datenschutz. Wer sich das Spiel auf sein Facebook-Profil lädt, erlaubt Zynga den Zugriff unter anderem auf die eigenen Profilinformationen, Fotos und Informationen über Freunde. „Die Datenschutzerklärung ist teilweise sehr vage und der Anbieter behält sich vor, so gut wie alles abzurufen“, sagt Henry Krasemann vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein.
Das Unternehmen erstellt ein Profil der Nutzer, für das es Daten aus etlichen Quellen zusammensetzt: Etwa „Zeitungen, Internetquellen wie Blogs, Kurzmitteilungsdiensten, Zynga-Spielen und von anderen Zynga-Nutzern“, wie es auf der Website des Unternehmens heißt. Zusammen mit Browser-Informationen über die besuchten Websites werden diese Daten für gezielte Werbung genutzt. Nach deutschem Recht ist das fragwürdig, wenn nicht gar unzulässig, sagt Krasemann, genauso wie die dauerhafte Speicherung der Daten durch Zynga.
Die 25-jährige Münchnerin Anna Tschochner war anfangs eine fleißige Farmerin. Viele ihrer Facebook-Freunde machten mit, durch die ständig nötigen Aktivitäten und Statusmeldungen war das Spiel immer auf der Startseite ihres Netzwerks präsent - für Tschochner war es ein vergnüglicher Zeitvertreib. Dann buchte Zynga jedoch von ihrem Paypal-Konto dreimal Geld ab, obwohl sie nie ihre Zustimmung dazu gegeben hatte. Vielleicht ein Versehen.
Zynga äußerte sich dazu auch auf Anfrage nicht. Anna Tschochner hat nun ihre Facebook-Freunde vor dem Spiel gewarnt. Ihr Geld hat die junge Frau zwar wiederbekommen, die Lust an Farmville ist ihr jedoch vergangen. (dpa / tis)
Gerüchte: Hat Facebook ein Universal-Passwort?
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