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Sinnfrage

Wie viel Angst darf sein, Herr Krupp?

Erstellt 05.02.10, 16:13h, aktualisiert 05.02.10, 16:27h

Der Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft Uwe Krupp sprach mit Christiane Mitatselis über Angst, die besser Respekt wäre und die bevorstehenden Aufgaben bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver.

Uwe Krupp
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Der Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft: Uwe Krupp. (Bild: Dahmen)
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Der Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft: Uwe Krupp. (Bild: Dahmen)
Herr Krupp, bei den Olympischen Winterspielen, die am nächsten Wochenende beginnen, haben Sie ein hartes Programm vor sich. Erst spielt die von Ihnen trainierte Eishockey-Nationalmannschaft gegen Titelverteidiger Schweden, dann gegen den Silbermedaillen-Gewinner Finnland. Darf man Angst haben vor starken Gegnern?

UWE KRUPP: Angst ist nicht gut, Respekt ist gut. Du musst mit einer gewissen Courage an die Sache herangehen. Ich brauche Krieger und keine Hasenfüße.

Gegen Schweden hat das deutsche Team schon viele traurige Niederlagen erlebt, auch die Finnen liegen Ihrer Mannschaft gar nicht. Befürchten Sie nicht, dass das Turnier nach zwei schmerzhaften Auftakt-Niederlagen zum Debakel werden könnte?

KRUPP: Natürlich gehören die Schweden zu den Teams, die um die Goldmedaille spielen werden, bei uns ist das höchst unwahrscheinlich. Trotzdem versuchen wir, ein unangenehmer Gegner zu sein. Es kann natürlich sein, dass wir hinterher in der Kabine sitzen und sagen: Mensch, die Schweden waren richtig gut. Aber das werden wir sicher nicht vor dem Spiel sagen.

Im Mai findet in Köln und Mannheim die Eishockey-Weltmeisterschaft statt, Olympia muss gut laufen, damit Interesse dafür geweckt wird. Fühlen Sie sich unter Erfolgsdruck gesetzt?

KRUPP: Nein, natürlich wollen Werbung machen für unsere Heim-WM. Für uns ist es aber schon ein Erfolg, überhaupt an dem Olympischen Spielen teilzunehmen, wir haben schon einen heißen Kampf gewonnen bei dem Qualifikationsturnier. In Vancouver wollen wir uns wieder so teuer wie möglich verkaufen.

Sie mögen die Rolle des Underdogs?

KRUPP: Als Trainer darf man sich von Ergebnissen nicht blenden lassen. Es ist nicht immer alles schlecht, wenn man verliert und alles gut, wenn man gewinnt. Die Leistung ist immer wichtiger als das Ergebnis. Du kannst ein Super-Spiel spielen, aber 2:4 gegen die Schweden verlieren. Du kannst aber auch 6:0 gegen Japan gewinnen und grottenschlecht spielen. Wenn du dann mit dem 2:4 unzufrieden und mit dem 6:0 zufrieden bist, hast du ein Problem, denn dann gibst du die falschen Signale an die Mannschaft.

Sie haben fast 20 Jahre in Nordamerika Eishockey gespielt. Würden Sie Ihre Einstellung als typisch amerikanisch bezeichnen?

KRUPP: Es ist meine Art, so gehe ich die Sache an. Und es ist ganz wichtig, dass die Mannschaft das weiß und mich kennt.

Sie haben lange in der NHL, der besten Eishockey-Liga der Welt, gespielt, haben 1996 im Finale um die NHL-Meisterschaft sogar das Siegtor geschossen. Sie gelten als der beste deutsche Eishockeyspieler, den es je gab...

KRUPP: ...das hat man mal gesagt, stimmt...

...würden Sie nicht lieber ein richtig tolles Eishockey-Team trainieren - statt der deutschen Nationalmannschaft, die nur das Beste aus ihren beschränkten Möglichkeiten machen kann?

KRUPP: Etwas anderes kann ja immer noch kommen. Aber ich trainiere die deutsche Mannschaft wirklich gern, mir wurde nicht die Pistole an den Kopf gesetzt. Ich mag die Herausforderung. Sonst würde ich längst etwas anderes machen.

Früher als Spieler wurden Sie aufgrund Ihrer Körpergröße von fast zwei Metern „King Kong“ genannt. Sie waren ein harter Verteidiger. Hatten damals die Gegenspieler Angst vor Ihnen?

KRUPP: Ich war kein Spieler, vor dem man Angst hatte. Ich war unangenehm, ich war immer im Weg. Man ist nie an mir vorbei gekommen, ich wurde nie ausgespielt. Natürlich, wenn es ein Vorteil für mich war, dass ein Gegenspieler Angst hatte, dann habe ich ihm Angst gemacht. Das gehört auch dazu.



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