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Soziale Probleme

Der Frust sitzt tief

Von Petra Wischgoll, 03.02.10, 16:05h, aktualisiert 03.02.10, 16:06h

Karitative Einrichtungen fordern Hilfe für Lindweiler, einen Stadtteil mit großen sozialen Problemen. Die Mitarbeiter der sozialen Einrichtungen vor Ort sind frustriert.

Lindweiler
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Bolzplatz am Marienberger Weg (Bild: Wischgoll)
Lindweiler
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Bolzplatz am Marienberger Weg (Bild: Wischgoll)
Lindweiler - Die Forderung ist deutlich: „In Lindweiler muss sich endlich Neues entwickeln. Der Stadtteil hat große soziale Probleme“, sagt Helga Blümel, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Köln und Region. „Alle sind sich einig, dass etwas getan werden muss“, fügt Peter Krücker, Vorstand der Caritas-Dienste, hinzu. „Aber es passiert - nichts.“

Der Frust sitzt tief bei den Mitarbeitern der sozialen Einrichtungen vor Ort. Seit Jahren kritisieren sie den Zustand des Stadtteils im Kölner Norden, in dem es ihrer Meinung nach viel zu viele Probleme gibt, die nicht mehr ignoriert werden dürfen. Bei einem Rundgang durch das gerade einmal 3500 Einwohner zählende Viertel machten sie nun erneut auf die Defizite aufmerksam. Und diese gibt es zuhauf - wie auch ein städtischer Bericht belegen dürfte, der in diesem Jahr fertig gestellt werden soll.

Erste Ergebnisse liegen bereits vor; seit 2006 wird das Viertel vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik auf seine sozialen, demographischen und infrastrukturellen Gegebenheiten hin untersucht. Demnach liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei rund 15 Prozent, rund 43 Prozent aller unter 15-Jährigen und 22 Prozent der 15- bis 64-Jährigen beziehen Sozialleistungen. Laut eines Berichts des städtischen Gesundheitsamts von 2009 liegt der Anteil an übergewichtigen Kindern mit rund 18 Prozent deutlich über dem städtischen Durchschnitt von 12 Prozent. Hinzu kommt die Infrastruktur: Der Ort ist von Autobahnen, Schnellstraßen und Bahnlinien umschlossen und somit quasi isoliert, die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht. Wer zu einem Discounter, einer Bank oder einer Apotheke will, muss Lindweiler verlassen - was sich besonders zum Nachteil für ältere und mobil eingeschränkte Menschen auswirkt. Als Konsequenz verlassen vor allem jüngere Bewohner den Stadtteil - seit 1980 hat sich die Einwohnerzahl um 21 Prozent verringert.

Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik ist sich der Problematik durchaus bewusst. So soll laut Amtsleiterin Maria Kröger der Bericht in diesem Jahr fertig gestellt werden. Der Rat muss dann entscheiden, ob Lindweiler ein Gebiet für das städtebauliche NRW- Programm „Soziale Stadt“ werden soll, durch das der Ort Fördermittel erhält.

Erste Überlegungen, wie und wo das Geld eingesetzt werden könnte, haben die karitativen Einrichtungen bereits angestellt. So ist auf dem rund 9000 Quadratmeter großen Gelände des Lino-Clubs ein Stadtteilzentrum mit vielschichtigen Angeboten für Menschen allen Alters angedacht. Spielplätze wie etwa am Hartenfelsweg und Gebäude sollen saniert, die Infrastruktur enorm verbessert, die sozialen Probleme in Angriff genommen und eine Lärmschutzwand für die Autobahn errichtet werden. Die Einrichtung Lindweiler Treff soll erweitert und die Finanzierung sozialer Projekte gesichert werden. Insgesamt soll das Image von Lindweiler ordentlich aufpoliert werden.

Allerdings kritisieren alle Beteiligten, dass die Stadt so lange brauche, um ihren Bericht fertig zu stellen. „Seit 2006 fragen wir bei der Verwaltung nach, wann der Bericht endlich da ist“, sagt Hans-Josef Saxler, Geschäftsführer des Lino-Clubs. „Wir werden immer wieder vertröstet. Aber wir fordern, dass die Stadt endlich handelt. Wir haben lange genug gewartet.“



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