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Interview mit Kölner Ärztin

„Die eigenen Kinder bestohlen“

Erstellt 03.02.10, 18:03h

Die Kölner Ärztin Barbara Höfler sammelt in der Heimat Spenden für „ihre“ Schüler aus Haiti. Mit Claudia Hauser sprach sie über die Bedeutung der Erdbeben-Katastrophe für ihre Arbeit und die Verwendung der Spendenmittel.

Barbara Höfler
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Die Ärztin Barbara Höfler bei der Untersuchung eines Kindes in Haiti. Derzeit sammelt sie in Deutschland Spenden für ihre Projekte. (Bild: Privat)
Barbara Höfler
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Die Ärztin Barbara Höfler bei der Untersuchung eines Kindes in Haiti. Derzeit sammelt sie in Deutschland Spenden für ihre Projekte. (Bild: Privat)
Köln - Wie haben Sie persönlich das Erdbeben in Haiti erlebt?Ich war in meinem Haus in Port-au-Prince und dachte zuerst, ich träume. Dann bin ich auf die Straße gerannt. Das Haus ist kaum beschädigt, nur die Küchenschränke sind umgekippt. Ich hatte Glück, da ich in der Gegend lebe, in der es die meisten Todesfälle und Zerstörungen gab.

Was bedeutet die Katastrophe für Ihre Arbeit?

HÖFLER: Wir müssen ganz von vorne anfangen. Fast alle Schulen der Salesianerpatres Don

Boscos wurden zerstört, das Verwaltungsgebäude und ein dreistöckiger Kindergarten, den wir in 14 Tagen einweihen wollten. Was geblieben ist, haben Horden von Plünderern mitgenommen - Computer, Möbel, Werkzeug. Sie haben unser Lager ausgeräumt, in dem Lebensmittel waren, mit denen wir 20 000 Kinder ein halbes Jahr lang versorgen wollten. Die Menschen, für deren Kinder das Schulsystem aufgebaut wurde, haben ihre eigenen Kinder bestohlen.

Woher nehmen Sie die Motivation, trotzdem weiterzumachen?

HÖFLER: Ich brauche keine Motivation. Ich lebe seit zwölf Jahren in Haiti. Mit den Kindern, denen ich dort helfe, verbindet mich sehr viel. Ich bin nur für einige Tage nach Deutschland gekommen, um Bericht zu erstatten und Gelder aufzubringen. Bevor ich gefahren bin, haben Kinder mein Auto angehalten und gesagt: „Wir haben Hunger, Doktor Barbara.“ Ich habe ihnen erklärt, dass ich weg muss, um ihnen helfen zu können.

Können Sie denn weiterhin mit ihrer mobilen Ambulanz durch die Elendsviertel fahren?

HÖFLER: Ich kann zur Zeit nur einen Punkt mit meinem Kleintransporter anfahren. Von dort schicke ich Boten los, die allen sagen, dass ich da bin. Wenn ich zurück komme, werde ich bestimmt viele Kinder mit Erkältungen behandeln, weil alle im Freien schlafen müssen. Während des Bebens haben sich viele Kinder verbrannt oder sich Gliedmaßen gebrochen. Ich führe auch kleine Operationen durch.

Wie können Sie die Spenden am sinnvollsten einsetzen?

HÖFLER: Ich werde tun, was ich noch nie getan habe: Den Menschen das Geld direkt in die Hände geben. Sie sind seit dem Erdbeben gefangen in den Slums und brauchen Geld für Holzkohle, um etwas kochen zu können.

(Das Gespräch führte Claudia Hauser)


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