Von Evelyn Binder, 04.02.10, 01:25h, aktualisiert 04.02.10, 01:59h
Dabei gingen bereits im vergangenen Jahr 77 Prozent der Pleiten auf das Konto von Mittelständlern. „Weit über 80 Prozent“ könnten es im laufenden Jahr sein, prognostiziert Rödl. „Ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent reicht nicht, um die Insolvenzwelle zu stoppen.“
Der Handel stehe für rund 30 Prozent der Insolvenzen. Angesichts schwindender Aufträge und fehlender Reserven gehe nun aber zunehmend auch Dienstleistern die Puste aus. Härter als in den Jahren zuvor treffe es auch das verarbeitende Gewerbe. „Aber eigentlich ist es bemerkenswert, dass viele Firmen angesichts von Umsatzeinbrüchen von zum Teil mehr als 40 Prozent überhaupt noch existieren“, sagt Rödl. „Die meisten Betriebe haben sich wacker geschlagen.“
Ein Fünftel der rund 185 000 Insolvenzen in Westeuropa - gut 34 000 - wurde im vergangenen Jahr in Deutschland angemeldet. Mehr Pleiten gab es nur in Frankreich mit knapp 56 000. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Pleiten in Westeuropa um 22 Prozent. Den deutlichsten Anstieg meldete Spanien, wo die Zahl der Pleiten sich binnen Jahresfrist auf 4900 fast verdoppelte. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Unternehmen im Lande gab es die höchste Insolvenzquote in Luxemburg (242 Insolvenzen je 10 000 Unternehmen), gefolgt von Österreich (235 je 10 000) und Frankreich (188). Deutschland liegt mit 96 im Mittelfeld.
Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist kräftig gestiegen: Mit 361 000 zahlungsunfähigen Verbrauchern belief sich das Plus europaweit auf zwölf Prozent. Auch im laufenden Jahr sei angesichts der zu erwartenden schlechteren Lage auf dem Arbeitsmarkt mit einem deutlichen Anstieg der Verbraucherinsolvenzen auf europaweit bis zu 400 000 (Deutschland: 138 000) zu rechnen, so Rödl.
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