Von Christian Leinweber, 04.02.10, 16:55h
In der Reihe „Zu Gast auf dem Sofa“, die der „Rhein-Sieg-Anzeiger“ mitveranstaltet, stellt Plöger sein aktuelles Buch vor: „Gute Aussichten für morgen - Wie wir den Klimawandel für uns nutzen können“. Das Interesse an dem Vortrag ist riesengroß, der Hörsaal ist bis auf den letzten Platz besetzt. Plöger liefert Fakten jenseits von Panikmache und Scheuklappenmentalität. Aber er sagt ganz klar: „Es gibt ihn, den Klimawandel.“
Doch häufig gehe es, so findet der Meteorologe Plöger, in der Klimawandel-Diskussion um die Wahrnehmung des Wetters, nicht um das Klima selbst. Der Meteorologe erläutert den Unterschied: „Wetter ist ein extrem variables Phänomen. Wir fühlen das Wetter, nicht das Klima.“ Ein anschauliches Beispiel von Plöger: der 11. September 2001. „Sie wissen sicherlich noch genau, was Sie an diesem Tag gemacht haben“, sagt Plöger. Zahlreiche Zuschauer nicken zustimmend. So verhält es sich auch mit extremen Wetterlagen - nur die sind erinnerungswürdig.
„Klima aber ist Statistik, und somit für unsere Sinnesorgane nicht fühlbar“, erklärt Plöger. „Der Klimawandel ist dort zu sehen, wo wir nicht sind.“ Zum Beispiel in der Arktis. Statistiken zum Klimawandel belegen: Die Temperatur nahm in den vergangenen 11 000 Jahren, bis 1860, um etwa vier Grad Celsius zu, ein natürlicher Prozess. Dann kamen die Industrialisierung und eine steigenden Sonnenintensität hinzu. Im vergangenen Jahrhundert stieg die Temperatur um 0,7 Grad. 30 Milliarden Tonnen Kohlendioxid werden jedes Jahr in die Atmosphäre geschleudert. Die Auswirkung: In den kommenden 100 Jahre wird mit einem Anstieg der Temperatur um zwei bis vier Grad gerechnet.
„Es geht hier nicht um die absolute Zahl, es geht um die Geschwindigkeit“, schildert Plöger. Und: „Wir bringen ein unsichtbares, geruchloses Gas in unsere durchsichtige Atmosphäre, das ist das Problem.“ Denn die Menschen spürten nicht, was sie tun. „Stellen Sie sich vor, Sie würden nach dem Genuss einer Zigarette 20 Minuten gekrümmt auf dem Boden liegen und kotzen“, schildert Plöger mit bissigem Humor. Dann würde man das Rauchen wohl einstellen. Genauso verhalte es sich mit dem überschüssigen Kohlendioxid: „Wenn die Politiker alle mit Gasmasken auf den Köpfen zum Klimagipfel gekommen wären, wäre er wohl anders ausgegangen.“ Weg von fossilen Brennstoffen, hin zu Solarenergie lautet eine der Alternativen des Fachmanns: „Die Sonne liefert uns 5810-mal soviel Energie, wie die Menschheit 2007 benötigt hat.“
Energie sparen gehöre ebenfalls dazu: bei Stand-by-Geräten den Stecker ziehen, keine Trockner verwenden oder die Raumtemperatur um ein bis zwei Grad senken. Neu sind diese Erkenntnisse nicht, doch Plöger begründet sie anschaulich und fundiert. Sein Buch, eine Pflichtlektüre.
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