Von Jan Freitag, 04.02.10, 23:17h
Vom Zuschauer gemocht, vom Feuilleton häufig verschmäht, die nette Chiffre argloser Abendunterhaltung, überhäuft mit leichten Schmunzel- und Schmachtrollen, in ewiger Wartehaltung auf Anspruchsvolleres, ein Filmversprechen auf nicht ganz so langen Beinen. Heute zeigt sie es wieder, dieses überraschend selbstironische Spiel mit den Stereotypen ihres Kapitals und Fluch in einem: dem eigenen Körper. In dem Degeto-Film „Liebe und andere Delikatessen“ ist Diana Amft eine erfolgreiche Werberin namens Franka, die aufgrund einer Männerintrige ihren Job verliert und daraufhin ins eigene Geschäft als Gastronomin stolpert.
Heitere Verwicklungsgeschichten
Sie ist immer auf der Suche nach dem Traumboy, immer etwas unbeholfen, zickig und verspielt, hyperromantisch, aber realitätsbewusst, also ziemlich nah dran an dem, was Durchschnittsdeutsche von modernen Frauen erwarten: Kerle, Karriere, Kinderwunsch, alles zeitgleich und möglichst klaglos mit viel Erotik, viel Spaß und viel Demut vor der gesellschaftlichen Rollenzuweisung. Feminine Selbstausbeutung im 21. Jahrhundert. Nun spielt Diana Amft diese Multifunktionsfrau meistens mit großem Humor und gewaltiger Freude. Man würde ihr Rollen wie diese also durchaus abkaufen, wäre da nicht das übliche Paarungsrevier, von Nörglern „Schmonzette“ getauft: heitere Verwicklungsgeschichten von A(RD) bis Z(DF) und dazwischen reichlich Sat. 1.
Über Fräulein Amft scheint darin stets die Filmsonne, Hindernisse werden frohgemutes beiseite geräumt, das Gute bringt alles Böse bezaubernd zur Strecke und liegt sich zum Geigenfinale kollektiv in den Armen. Der Freitagabend eben, zumal im Ersten, ein Märchen - wie ihr eigener Weg ins berufliche Fach. „Wenn das so märchenhaft gewesen wäre“, sagt die 34-Jährige mit dem scheuen Augenaufschlag des alterslosen Wildfangs und nestelt sich am viel zu engen Dekolleté herum, „hätte mich ja ein Prinz geheiratet“. Aber so ganz fern von dem war Dennis Gansel gar nicht. Vor zehn Jahren hat der Regisseur die junge Diana als noch jüngere Inken im belanglosen, aber immens erfolgreichen Teenyquatsch „Mädchen, Mädchen“ an die Spitze besetzt. Das hat ihr zwar einige Türen zugeschlagen, wie sie bekennt, „aber auch viele geöffnet“.
Ein rasanter Kaltstart, von Null auf Ulknudel, immerhin. Vorher nämlich war alles andere alles andere als glatt gelaufen in ihrem Leben. Die renommierte Essener Volkwangschule hatte die Videothekengehilfin aus der westfälischen Provinz abgelehnt. Ein Rückschlag für den Kinderwunsch, Schauspielerin zu werden. Doch er steckte so tief in ihr, dass sie mehr mit der Jury als sich selbst haderte: „Ich dachte, die freuen sich wie Bolle, dass ich endlich komme“, erzählt die Wahl-Kölnerin beim Interview, „und dann schmeißen die mich in der ersten Runde raus“. Naiv, nennt sie das heute, nicht arrogant. Denn das Ziel war ja klar, der Weg dorthin auch, nur ihr Tempo musste gedrosselt werden. Mit etwas mehr Gelassenheit im Rücken nahm sie die nächste Schauspielschule auf, in München. Es folgten filmische Gehversuche auf niedrigem Niveau - Freischwimmerrollen, zum Lachen vor allem, seichtes Zeugs, Romanzen, Pubertätszoten mit Titeln wie „Unschuldige Biester“, „Knallharte Jungs“ oder „Eine Liebe auf Mallorca“.
Viel Lob für „Doctor's Diary“
Bis, ja bis RTL ihrem Kindheitstraum endlich echte Nahrung gab: „Doctors Diary“. Mit großer Hingabe spielte sie dort ein energisches Vollweib im Kampf mit - da haben wirs wieder: Kerlen, Karriere, Kinderwunsch und diesmal ein paar Kilos zu viel. Doch BMI hin, Kurven her: Ihre Gretchen Hase war lustig, voll Esprit, überdreht, nie albern und bisweilen gar tiefgründig. Es hagelte Lob, Preise - und Drehbücher. Diana Amft ist besser gebucht denn je. Davon zeugen zwei Hauptrollen in zwei Wochen, beide banal, aber Visitenkarten auf dem Weg zur ersten Garde. Auf den Spuren der Ferres: geliebt vom Publikum, gehasst von der Kritik. Für Neid auf Kolleginnen wie Felicitas Woll, die nach „Mädchen, Mädchen“ eine steile Leiter ins seriösere Fach erklomm, ist Diana Amft allerdings „zu ausgeglichen“, wie sie selbst sagt. „Ich sehe die Schauspielerei buddhistisch: ein Kelch der Möglichkeiten.“
„Liebe und andere Delikatessen“, Freitag, 20.15 Uhr, ARD
Yep
05.02.2010 | 11.49 Uhr | rodelaax
Und in zehn Jahren wird Fräulein Amft zu alt aussehen und ihre mittelmäßige Kariere beenden müssen.
Hoffentlich endet sie dann nicht wie Jennifer…
röschtösch :-)
05.02.2010 | 02.14 Uhr | DeVochel
Ein wirklich sehr langer Artikel für einen Film und eine Schauspielerin, oder wie die Profis sagen: Gesichtsvermieterin, die die Welt nicht braucht.…
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