Von Peter Pauls, 05.02.10, 21:12h, aktualisiert 15.03.10, 12:04h
Wirtschaft und Gesellschaft haben sich in der wirtschaftlichen Krise tief verändert. Jeder kennt das aus seinem Umfeld. Arbeitsbereiche werden auf den Kopf gestellt, Lebensplanungen verändert. Familien stellen Anschaffungen zurück oder streichen sie. Insoweit sticht das Argument nicht, die Stadt plane nun schon seit geraumer Zeit den Neubau eines Schauspielhauses und müsse sich treu bleiben. Wenn die Verhältnisse sich gravierend ändern, dann plant man eben um.
Zur Beschwichtigung wird eingewendet, die Stadt habe die Neubaukosten "Schauspielhaus" gedeckelt. Deshalb könnten sie nicht steigen. Aber wie arbeitet dieses Prinzip? Und warum hat man diesen Kostendeckel nicht schon beim Bau der Nord-Süd-U-Bahn eingeführt? Denn deren Baukosten haben sich auf rund eine Milliarde Euro verdoppelt. Es ist auch dieser U-Bahn-Bau, der in Form von Giga-Baustellen, von Dreck, Chaos, Stau bis hin zur schlichten Verwüstung des Stadtarchivs den Zweifel an der Stadt geschürt hat. Ein zweites Mal würde niemand mehr wagen, ein solches Projekt zu beginnen. Zum Bild der Unvollkommenheit trägt bei, dass schlicht versäumt wurde, die Querung dieser Bahn über die Rheinuferstraße zu planen. Diese letzte verbliebene Verkehrsader Kölns wird dann vom Zukunftsprojekt wie zu Kaisers Zeiten per Bahnübergang überquert. Der Stau lässt grüßen.
Im Grunde rechnet man in Köln nicht mit dem Bürger. Zwar darf er sich auf Befragen - Stichwort Bürgerhaushalt - etwas wünschen. Aber wenn er mitgestalten möchte oder gar kritisiert, wird es schwierig. Der erste Spatenstich zum neuen Godorfer Hafen wurde von Sicherheitsvorkehrungen begleitet, als habe man mit Terror-Anschlägen zu rechnen. Dabei hatte lediglich eine Bürgerinitiative das Großprojekt kritisiert. Und wenn diese Zeitung immer wieder darauf hinweist, dass die Stadt Stifter und Mäzene vergrault, so tut sie das nicht, weil sie glaubt, dass sich dadurch die katastrophale Finanzsituation Kölns ändern würde. Es ist vielmehr das Denken und Handeln von Politik und Verwaltung. So muss man fürchten, dass Impulse aus der Bürgerschaft geradezu mit System nicht genutzt werden.
Nun also das Schauspielhaus. Unversehens befindet Köln sich in der Situation, dass eine Schauspielchefin in der städtischen Wirklichkeit aufführt, was sonst der Bühne vorbehalten ist. Karin Beier ist unbequem, mischt sich ein, bezieht einen Standpunkt und gibt damit dem weit verbreiteten Unbehagen ein kämpferisches Gesicht. Die Stadt ist gut beraten, den Prozess Bürgerentscheid ernst zu nehmen und nicht mit Verfahrensfragen auf die lange Bank in Richtung Sommerloch zu schieben. Die Zahl prominenter Unterstützer des Bürgerbegehrens wächst praktisch stündlich. Nun sympathisieren auch noch Karnevalisten und der 1. FC Köln mit der Situation.
Manchem geht es um mehr als allein um das Schauspielhaus. Der Verdruss von Jahren bricht sich Bahn. Es ist Zeit, die Scheuklappen abzulegen. Die Pläne sollten neu gesichtet und bewertet werden. Davon sprach schon im Kandidaten-Tüv dieser Zeitung einer der Bewerber für das OB-Amt. Er heißt Jürgen Roters und ist heute Oberbürgermeister.
Schauspielhaus: Alaaf für die Kölner Künstler
Sound: Ihr seid Künstler und wir nicht!
Die Riesen vom Berge
24.02.2010 | 01.38 Uhr | Michaelstaab
Der Roters hat es wirklich nicht leicht. Aus taktischen Interessen heraus und mangels Alternativen ist er zur OB-Kanditur überredet worden und hat…
Genau, es reicht!
08.02.2010 | 17.20 Uhr | qwertz
Die Liste der architektonischen Peinlichkeiten in Köln wird immer länger: "Rheinbullewar" mit einer vergrößerten Neuauflage der Freitreppen-Planung…
Neue Wege gehen
07.02.2010 | 21.05 Uhr | winni.janus
An diesem Thema wird sich zeigen, ob OB Roters sich an sein Versprechen im Wahlkampf hält und auch andere Varianten prüft.
Mich wundert es, dass um…
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