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Filmindustrie

Babelsberg als Oscar-Schmiede

Von Thomas Wüpper, 07.02.10, 23:14h, aktualisiert 07.02.10, 23:27h

Die neuen Eigentümer der traditionsreichen Filmstudios in Potsdam heimsen mit ihren Produktionen wie „Der Vorleser“ reihenweise Preise ein. Auch hohe Subventionen befördern den Aufschwung des einst darniederliegenden Unternehmens.

Christoph Waltz
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Christoph Waltz hat für seine Rolle in "Inglourious Basterds" Chancen auf einen Oscar. (Bild: dpa)
Christoph Waltz
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Christoph Waltz hat für seine Rolle in "Inglourious Basterds" Chancen auf einen Oscar. (Bild: dpa)
BERLIN - Es ist noch nicht allzu lange her, da schien in Potsdam die letzte Klappe gefallen zu sein. Den traditionsreichen Filmstudios an der Havel, wo viele berühmte Ufa- und Defa-Filme enstanden, drohte die Pleite. Schließlich fand sich doch noch ein Käufer. Doch den neuen Eigentümern Christoph Fisser und Carl Woebcken traute man nicht viel zu.

Neues Duo räumt Preise ab

Doch das Duo brachte die Studio Babelsberg AG nicht nur an die Börse, sondern machte aus der Filmfabrik eine richtige Oscar-Schmiede. „Der Pianist“, „Die Fälscher“ und zuletzt „Der Vorleser“ - gleich reihenweise räumten Filme „Made in Babelsberg“ Filmpreise ab. Seit 2003 ist das Studio zum fünften Mal und zum dritten Mal in Folge bei der Oscar-Verleihung vertreten. Und acht Oscar-Nominierungen für eine deutsche Filmproduktion - das gab es noch nie: der vorwiegend in Ostdeutschland produzierte Kriegsfilm „Inglourious Basterds“ ist Mitfavorit bei der Vergabe der wichtigsten Filmpreise am 7. März in Hollywood.

Und die nächsten heißen Eisen hat man schon im Feuer. Bei der Berlinale, die am Freitag startet, geht „Der Ghostwriter“ von Roman Polanski ins Rennen. Der Thriller mit Pierce Brosnan wurde auf Sylt und Usedom, in Berlin und Babelsberg gedreht - mit viel deutschem Fördergeld.

Es ist kein Geheimnis: Die kräftigen Finanzspritzen sind mit der wichtigste Grund dafür, dass sich internationale Filmstars wie Brat Pitt, Kate Winslet oder Ewan McGregor mittlerweile in Babelsberg die Klinke in die Hand geben. Mehr als 300 Millionen Euro verteilen jedes Jahr der bundeseigene Deutsche Filmförderfonds (DFFF), sieben Förderanstalten der Länder und die Filmförderungsanstalt (FFA) für Produktion, Drehbücher und Vermarktung. Rund drei Viertel davon ist Steuergeld.

Christine Berg sieht das Geld aber gut angelegt. Wer die Förderung will, muss hierzulande drehen und hiesige Filmschaffende beschäftigen. „Unterm Strich haben die Filmteams das Sechsfache der Fördersumme in Deutschland ausgegeben und so die gesamte Branche enorm angekurbelt“, lautet Bergs Förderbilanz. Ganz so positiv sehen Kritiker dies nicht. Denn die Subventionen, mit denen viele Länder die begehrte Filmbranche locken, erzeugen oft einen absurden Wanderzirkus. Filmfirmen beschäftigten ganze Abteilungen, die Drehbücher, Drehorte und Filmstäbe so optimieren, dass am Ende Geld aus möglich vielen Fördertöpfen abgegriffen werden kann.

Der gewaltige Aufschwung der deutschen Filmindustrie beruht indes nicht allein auf hohen Subventionen. Tolle Regisseure wie Fatih Akin oder Tom Tykwer, hoch professionelle Produzenten wie X-Filme oder Bernd Eichinger und ein dichtes Angebot exzellenter Autoren, Schauspieler, Kameraleute, Kostümbildner und Studios für digitale Effekte sehen Experten als wichtigste Erfolgsfaktoren. Hinzu kommen die finanzstarken deutschen Fernsehsender, die viel Geld in Kinofilme stecken. Auch die Nachwuchsförderung kann sich sehen lassen. Die deutschen Filmhochschulen in München oder Berlin genießen einen exzellenten Ruf.

Licht und Schatten

Wo Licht ist, fällt allerdings auch Schatten. „Von Filmpreisen und hohen Subventionen haben die meisten Filmschaffenden recht wenig“, kritisiert Kathlen Eggerling, die das Verdi-Projekt Connex.av betreut. Die Arbeitsbedingungen in der Glitzerbranche seien „alles andere als rosig“. Überlange Arbeitszeiten, lausige Bezahlung, schlechte soziale Absicherung, unterlaufene Tarifverträge - das gilt eher als Regelfall denn als Ausnahme, auch in Deutschland. In der bunten Welt der Film-Festivals und Preisverleihungen werden solche Realitäten gerne vergessen.



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