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Comedy

Berlin siegt über Köln

Von Uwe Spoerl, 07.02.10, 23:20h

Thomas Hermanns will strengere Kontrollen der Witze, die in Comedy-Shows gezeigt werden. Den Berliner Humor sieht der „Quatsch-Comedy-Club“-Gastgeber als klaren Sieger im Kampf um die Publikumsgunst.

Thomas Hermanns
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Thomas Hermanns bei der Verleihung der Bayerischen Fernsehpreises 2008. Nur die geschliffene Parodie funktioniert seiner Meinung nach. (Bild: ddp)
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Thomas Hermanns bei der Verleihung der Bayerischen Fernsehpreises 2008. Nur die geschliffene Parodie funktioniert seiner Meinung nach. (Bild: ddp)
Worüber darf man im Fernsehen nicht lustig machen? Da hat sich die Gürtellinie stark verschoben. „Die wahren Tabus sind heute nicht mehr Sex, Crime, Tod oder so was, sondern Markennamen“, stellt „Quatsch-Comedy-Club“-Gastgeber Thomas Hermanns fest. Der einzige Gag, der in all den 14 Jahren seiner Sendung herausgeschnitten wurde, machte den neuen Modellnamen eines Autokonzerns lächerlich. Da war dann Schluss mit lustig.

Ansonsten sieht Hermanns eigentlich nur eine Regel: „Wer ein hohes Tabu ansteuert, muss verdammt gute Gags liefern.“ Billige Witze über den Papst oder auf Kosten von Minderheiten schadeten jeder Sendung, weil sie einfach handwerklich schwach seien.

Faule Redaktionen

Auf Einladung der „Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen und Multimedia“ wetterte der Comedy-Experte mit abgeschlossenem Studium der Theaterwissenschaften („Auf diese solide Basis lege ich großen Wert!“) vor allem über schlampige Arbeit in den TV-Redaktionen. Weit verbreitet sei dort die sträfliche Faulheit, Kollegen einfach vor die Kamera zu schicken und zu sagen „Mach mal und sei lustig!“ Wenn das Ergebnis wirklich pointiert lustig werden soll, bräuchten auch gestandene Top-Standup-Profis eine viel strengere Kontrolle von Redakteuren und Produzenten. Erst Feedback, Feilen, Streichen, Kürzen am Text schärfe den Witz.

Thomas Hermanns sieht den deutschen Witz - trotz vereinzelter Qualitätsmängel - durchaus nicht in Gefahr, eher erkennt er landschaftliche Verschiebungen: „Berlin siegt über Köln.“ Cindy aus Marzahn und Mario Barth (Jahrgang 1971 und 1972) hätten als inzwischen erfolgreichste Standup-Komiker den früher eher rheinisch geprägten (also „versöhnlicheren, harmoniebedürftigeren“) Frohsinn in Gesamtdeutschland klar abgehängt. Hingegen: „Der Berliner ist nicht so konfliktscheu, sondern eher trocken, ratzig oder ranzig.“

Insgesamt sei die Comedy-Palette breiter als früher geworden, das Publikum habe sich deutlich stärker differenziert und an Humorkompetenz zugelegt. Doch gilt das auch für Kinder und Jugendliche, deren Belange die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) zu schützen hat? Kinder würden oft maßlos unterschätzt, versicherte die Psychologin Marion Bönsch-Kauke. Schon die Jüngsten setzten sehr bewusst „Humorstrategien“ mit Witzen und Wortspielen zur Lösung von Konflikten ein. Allerdings gebe es eine klaren Altersgrenzen, was das Verständnis von Ironie angeht. Das Elternhaus spielt dabei eine wichtigere Rolle als die Mediennutzung. Kinder entwickelten auch schon sehr frühzeitig ein Gespür für die Grenzen, niemals Gefühle zu verletzen. Das müsse freilich durch Medienkompetenz gefördert werden. Denn feinsinniger Humor, so Bönsch-Kauke, steigere nicht nur das Lebensgefühl, sondern auch Lernfähigkeit und Alltagstauglichkeit.



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