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Demenzkranke

Farben gegen das Vergessen

Von Susanne Esch, 08.02.10, 15:26h

In der Stegerwaldsiedlung ist eine Wohnung speziell für demenzkranke Menschen entstanden. Die Einrichtung und das Design sind auf die besondren Bedürfnisse der künftigen Bewohner ausgerichtet.

Demenzkranke Wohngemeinschaft
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Die Räumlichkeiten der neuen Wohngemeinschaft für Demenzkranke sind speziell auf die Bedürfnisse der künftigen Bewohner ausgerichtet. (Bild: Esch)
Demenzkranke Wohngemeinschaft
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Die Räumlichkeiten der neuen Wohngemeinschaft für Demenzkranke sind speziell auf die Bedürfnisse der künftigen Bewohner ausgerichtet. (Bild: Esch)
Mülheim - Der warme dunkle Holzton des Bodens verleiht den Räumlichkeiten im Erdgeschoss der Theodor-Brauer-Straße 21-29 etwas Edles. „Das ist doch bestimmt Echtholz und kein Laminat“, fragte mancher Besucher bei der Besichtigung und feierlichen Einsegnung der dortigen Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz. „Weder - noch. Das ist PVC, allerdings besonders hochwertiges“, gab Benjamin Marx von der Aachener Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft zur Antwort. „Den kann man viel besser reinigen als Holz oder Laminat.“

Die Gesellschaft hat in der Stegerwaldsiedlung speziell für eine Wohngemeinschaft von demenzkranken Menschen die Räumlichkeiten eingerichtet und dabei aufs Detail geachtet.

Auch in anderer Beziehung haben die Planer des Unternehmens mitgedacht. Beim Umbau sind sämtliche Lichtschalter in den Räumen der ehemalige Ladenzeile mit einem Rahmen in leuchtendem Rot eingefasst. Wer hier wohnt, dem prägt sich ein: Rot bedeutet Lichtschalter. Die drei weiß gekachelten Bäder, welche in der großen Wohnung verteilt liegen, sind bewusst in ganz verschiedenen Farben gehalten. In Blau, Türkisgrün und Terrakotta leuchten die Wände und Bodenfliesen. Die verschiedenen Farben erleichtern den künftigen Bewohnern, das jeweils eigene Bad wiederzufinden. Denn diejenigen, die hier bald zu Hause sein werden, vergessen schnell.

„Wir haben uns auf den Trend einzustellen, dass die Menschen immer älter werden“, erklärte Werner Dacol, Geschäftsführer der Aachener Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft, bei der feierlichen Einsegnung. Da aber gerade für Menschen mit Demenz eine Unterbringung in einem Heim oftmals nicht die beste Lösung ist, hat sich das Unternehmen in Kooperation mit dem Caritas-Verband eine Alternative ausgedacht: Betroffenen wird ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft mit anderen ebenfalls an Demenz erkrankten Menschen angeboten. Die WG-Bewohner treten gemeinsam als Mieter auf und beauftragen den Caritas-Verband mir ihrer Betreuung. Unterstützt von dem Pflegepersonal gestalten sie ihren Lebensalltag selbst. Sie entscheiden, was sie essen wollen, kochen zusammen, gehen einkaufen und zum Arzt. „Das ist besonders für jüngere Menschen, die unter Demenz leiden, attraktiv. Für die ist es meist ganz furchtbar, in einem Altersheim zu landen“, erklärte Marianne Jürgens vom Caritas Verband bei der Besichtigung der Räume. „Wer hier wohnt, braucht später nicht mehr in ein Heim umzuziehen, sondern kann hier auch sterben“, betonte ihre Kollegin Maria Jäger.

Für insgesamt neun Menschen sind hier helle, mit bodentiefen Fenstern versehene Zimmer vorhanden. Bislang sind zwei vermietet, also noch Plätze für etwaige Interessenten vorhanden. Neben den drei Bädern gibt es eine moderne offene Küche, die in einen großen Aufenthaltsraum übergeht, und außerdem zwei Innenhöfe, in denen die WG-Bewohner im Sommer auch Essen können. „Es ist schön, dass man bereit ist, derartig viel Geld für Menschen mit Demenz auszugeben“, freute sich Pfarrer Matthias Schnegg, der den neuen Lebensraum segnete. „Das ist eine WG-Wohnung, von der ich als Student nur hätte träumen können“, erklärte auch Peter Krücker, Vorstand des Caritas-Verbandes begeistert. Besonders freuten sich aber die den künftigen Bewohnern nahe stehenden Besucher über die neue Möglichkeit. Ingo Reibert, gesetzlicher Betreuer einer 88 Jahre alten Dame aus seiner Nachbarschaft, erzählte: „Meine Nachbarin hätte nun in ein Pflegeheim gemusst. Hier kann sie sich zurückziehen, wenn sie möchte, sich aber auch am Leben der Gemeinschaft beteiligen. Da fasst sie neuen Lebensmut.“

Ansprechpartnerin für Interessenten an der Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz ist: Barbara Lieberz, 955 70-222.

demenzWG@caritas-koeln.de



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